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Universität zu Köln, 22.01.01

Französische Zeitungen im Deutschland des 18. Jahrhunderts

11/2001/Französische Zeitungen

Französische Zeitungen im Deutschland des 18. Jahrhunderts
Köln-Preis für Karin Angelike

Der französische Journalismus im Deutschland des 18. Jahrhunderts hat eine bezeichnende Rolle gespielt und auch die Mediengeschichte der Stadt Köln beein-flußt. Große Bedeutung für den Einfluß der französischen Spra-che und Kultur im Kölner Pressewesen kommt dem französischen Publizisten Louis-François Mettra zu. Durch gründliche Recher-che bisher unbekannter Dokumente rekonstruiert die Romanistin Karin Angelike in ihrer am Romanischen Seminar der Universität zu Köln angefertigten Dissertation "Louis-François Mettra, ein französischer Publizist in Köln: Zeitung, Geld und Aufklärung zwischen Ancien Régime und napoleonischer Besatzung (1770-1800)" den Lebensweg Mettras. Sie eröffnet damit einen neuen Einblick in die verschiedenen Formen der Frankophonie, wobei sie auch wirtschaftliche Aspekte des damaligen Zeitungswesens in Köln behandelt. Betreut wurde die Arbeit durch Professor Dr. Edgar Mass.


In der freien Reichsstadt Köln existierten im 18. Jahrhundert neben deutschen, holländischen und lateinischen auch sechs frankophone Presseorgane. Ein Grund dafür war die Bedeutung der französischen Sprache als internationales Kommunikations-medium der gebildeten Schichten dieser Zeit. Auf Französisch durfte vieles veröffentlicht werden, was das "gemeine Volk" nicht erfahren sollte. Das Lesepublikum entstammte dem Adel und dem gehobenen Bürgertum. Auch in Köln wurde durch das Pu-blizieren französischsprachiger Zeitungen eine Steigerung der Bildung, Wissenschaft und Kultur der Stadt angestrebt. Als re-nommierteste Zeitung galt die erzkonservative "Gazette de Co-logne". Doch durch Louis-François Mettra, einen zwielichten Abenteurer und Abkömmling eines Pariser Kaufmannshauses, bekam dieses Blatt Konkurrenz. Er gründete eine Reihe von aufkläre-rischen frankophonen Zeitungen auf Kölner und kurkölnischem Gebiet, von denen sich der seit 1780 herausgegebene "Nouvelli-ste Politique d'Allemagne" unter seiner Leitung besonders aus-zeichnete. Der Kölner Kurfürst Max Friedrich privilegierte dieses Blatt.

Angelikes Dissertation legt den Schwerpunkt auf das Leben und Wirken Louis-François Mettras. Diese Person ist der Leitfaden für eine Beleuchtung vieler Erscheinungsbilder der Frankopho-nie in Deutschland, insbesondere im Kölner Raum, in der Zeit zwischen Ancien Régime und Napoleonischer Besatzung in den Jahren 1770 bis 1800. Dargestellt werden unter anderem Zei-tungswesen und Journalismus, Geschichte des Buchhandels, Pri-vilegienwesen und Zensur, Kunsthandel, Diplomatie- und Nach-richtenhandel sowie Begriffs- und Wirkungsgeschichte des auf-klärerischen Denkens.

Der Kölner Romanistin gelingt es durch die Fülle der von ihr gefundenen Quellen und Texte, die internationalen Beziehungen der Frankophonie aufzuzeigen und neue Aspekte zur Entwicklung des Berufsbildes des Journalisten im Kölner Raum beizusteuern. Sie beschreibt minutiös die Gründungsphase des Publikations-projekts Mettras und bietet damit einen ungewöhnlich konkreten Einblick in das Kölner Pressewesen. Frau Angelike stellt dar, wie eng die Verknüpfung von Nachrichten und Literatur war, in-wieweit die frankophone Presse aufklärerisches Ideengut ver-breitete, und warum Köln als Standort anderen Städten (Düssel-dorf) vorgezogen wurde, aber letztlich wieder aufgegeben wer-den mußte zugunsten von Neuwied und Straßburg.

(57 Zeilen à 60 Anschläge)
Verantwortlich: Ingrid Wrage

Für Rückfragen steht Ihnen Professor Dr. Edgar Mass unter der Telefonnummer 0221/ 34 20 30 (Tel. und Fax) zur Verfügung.

Unsere Presseinformationen finden Sie auch im World Wide Web unter http://www.uni-koeln.de/organe/presse/pi/ .
Für die Übersendung eines Belegexemplars wären wir Ihnen dank-bar.


Eva Faresin, Universität zu Köln
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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