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Ludwig-Maximilians-Universität München, 12.07.04

Forschungspräsentation Gehörlosenpädagogik - Wenn jenseits der Stille das Hören möglich wird

Es ist noch nicht lange her, dass Taubheit ein Schicksal war, mit dem ein Betroffener sich abfinden musste. Erst seit etwa 25 Jahren gibt es die Möglichkeit, das Hörorgan künstlich zu ersetzen - durch ein Cochlea-Implantat (CI). Diese elektronische Hörprothese kann Gehörlosen, bei denen das Hörgerät versagt, durch die direkte Reizung der Hörnerven ein Hören ermöglichen. Allerdings muss die Operation frühzeitig erfolgen, am besten im Kleinkindalter. Für ebenfalls gehörlose Eltern kommt diese Technik zu spät. Sie sind zu alt, um das Hören noch zu lernen.

Die Mitarbeiter des Lehrstuhls für Gehörlosen- und Schwerhörigenpädagogik der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München unter der Leitung von Professor Annette Leonhardt haben jetzt ein mehrere Jahre dauerndes Forschungsprojekt abgeschlossen, das sich mit CI-Kindern von gehörlosen Eltern befasst. Die Ergebnisse dieser Untersuchung werden vorgestellt bei einer

Forschungspräsentation
am Freitag, den 16. Juli 2004, um 14.00 Uhr,
Leopoldstraße 13, Raum 3232.

In den vergangenen drei Jahren haben sich Professor Leonhardt und ihre Mitarbeiter intensiv mit Familien auseinandergesetzt, in denen die Kinder ein Implantat erhielten, die Eltern jedoch gehörlos sind. Insgesamt 18 Familien mit 22 CI-Kindern wurden für die von der Stuttgarter Stiftung für Bildung und Behindertenförderung GmbH finanzierte Studie interviewt. "Das ist eine neue und daher noch unerforschte Gruppe, denn anders als die hörenden Eltern haben die meisten gehörlosen Eltern bisher nicht die Notwendigkeit eines Cochlea-Implantats für ihre Kinder gesehen", erklärt Leonhardt.

Inzwischen sehen jedoch auch gehörlose Eltern deutliche Gefahren der Ausgrenzung tauber Kinder und fürchten die zunehmende Marginalisierung der Gehörlosengemeinschaft. Doch die Auswirkungen im kommunikativen und sozialen Bereich sind sehr groß. Nicht selten reagieren andere Gehörlose mit massiven Vorwürfen, wenn Eltern ihre Kinder operieren lassen. Auch in der Rehabilitationsphase können für gehörlose Eltern Probleme auftreten.

Die Forscher vom Lehrstuhl für Gehörlosen- und Schwerhörigenpädagogik haben daher im Rahmen ihrer Studie zahlreiche Empfehlungen erarbeitet, um betroffenen Familien Hilfestellung zu leisten und die Akzeptanz des Cochlea-Implantats zu verbessern. Auch für die Rehabilitation haben sie zahlreiche Verbesserungspotentiale offen gelegt. "Wir brauchen zum Beispiel in den CI-Zentren Gebärdendolmetscher, damit die gehörlosen Eltern besser verstehen, was in der Rehabilitation mit ihren CI-Kindern gemacht wird", sagt Professor Leonhardt. Doch trotz vieler Probleme überwiege, so Leonhardt, in den untersuchten Familien die Hoffnung, dass die hörenden Kinder es im Leben leichter haben werden als ihre gehörlosen Eltern.

Ansprechpartnerin:

Prof. Dr. Annette Leonhardt
Lehrstuhl für Gehörlosen- und Schwerhörigenpädagogik
Leopoldstr. 13, 80802 München
Tel.: 089/2180-5117
E-Mail: leonh@spedu.uni-muenchen.de


Luise Dirscherl, Ludwig-Maximilians-Universität München
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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