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Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, 16.05.01

Formwahrnehmung bei Babys: Mädchen können's früher

Psychologen an der Universität Bonn wenden trickreiche Untersuchungsmethoden an, um die Frage zu beantworten, wie Säuglinge ihre Umwelt wahrnehmen. Unerwartetes Zwischenresultat der Bonner Wissenschaftler: Obwohl Männern ein besseres Orientierungsvermögen bescheinigt wird als Frauen, erwerben weibliche Säuglinge ihre räumliche Vorstellungskraft signifikant früher.

Weitere Bilder zu dieser Pressemitteilung, auch von einer Testsituation, finden Sie unter http://www.verwaltung.uni-bonn.de/presse/Bildgalerie/babys/babys.htm.

Ein weiteres Ergebnis ihrer Studien: Schon im Alter von acht Monaten können Babys Tiefenhinweise in Zeichnungen entschlüsseln - also beispielsweise eine gezeichnete Scheibe von einer Kugel unterscheiden. Drei Monate jüngere Säuglinge sind dazu noch nicht in der Lage.

Um herauszufinden, wie Säuglinge sehen, bedienen sich die Wissenschaftler um Dr. Michael Kavsek einer ausgefeilten Methode: "Wir gewöhnen das Baby zunächst an ein Ausgangsbild und zeigen ihm dann eine neue Zeichnung", erklärt Kavsek. "Das Kind reagiert überrascht, wenn es einen Unterschied wahrnimmt; je überraschter, desto länger wird es sich das neue Bild ansehen. Oder umgekehrt: Je länger der Säugling das neue Bild betrachtet, desto deutlicher ist ihm der Unterschied zum Ausgangsbild aufgefallen."


Über 2.000 Kinder hat der Psychologe in den vergangenen drei Jahren mit dieser Methode untersucht. In einem Ansatz zeigte er beispielsweise acht Monate alten Kindern eine gezeichnete Röhre, deren dreidimensionale Oberfläche durch zwei Linien angedeutet war (siehe Bild 1 in nebenstehender Skizze). Linie b ist als Konturlinie für den räumlichen Eindruck sehr wichtig, während Linie a als Oberflächen-linie nur wenig dazu beiträgt. Kavsek präsentierte das Bild mehrmals hintereinander, bis die Säuglinge nicht mehr reagierten. Dann entfernte er jeweils eine der beiden Linien. Hatte er Linie b entfernt, präsentierte er also Bild 4, reagierten die kleinen Testpersonen im Durchschnitt überraschter, als wenn er ihnen Bild 3 zeigte, auf dem Linie a entfernt worden war: Mit Linie b war augenscheinlich auch der räumliche Eindruck verlorengegangen, die Veränderung gegenüber dem Ausgangsbild war daher größer als nach Entfernen von Linie a. Die Gegenprobe unterstützt diese Interpretation: Wurde Bild 2 durch Hinzufügen von Linie b dreidimensional "aufgemotzt", zeigten sich die Säuglinge überraschter, als wenn Kavsek Linie a hinzufügte, so dass sich am zweidimensionalen Eindruck nichts änderte.

Fünf Monate alte Babys nehmen den Unterschied in der Dimensonalität meist noch nicht wahr. Weibliche Testgucker erwerben diese Fähigkeit aber augenscheinlich früher als männliche. Nicole Stütz, die als Diplom-Psycholologin die Experimente mitkonzipiert und betreut: "Mädchen sind mal wieder einen Tick schneller."

Weitere Informationen: Dr. Michael Kavsek, Psychologisches Institut der Universität Bonn, Tel.: 0228/73-4360, Fax: 0228/73-4309, E-Mail: kavsek@uni-bonn.de

Weitere Informationen:


Frank Luerweg, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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