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Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald, 20.01.02

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Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald, 20.01.02

Nach dem Fleddern gerettet: die ersten 368 Jahre Uni-Medizingeschichte Greifswald sind gedruckt

eine der Vorlagen für Hans Georg Thümmels Edition

diese Vorlage macht eine Edition noch anspruchsvoller

"Daß die Studien wegen öffentlichen Unglücks nicht aufzugeben seien", nannte Johannes Lembke am 25. Oktober 1714 seine Inauguralrede als Professor der Medizin in loco concilii, im Concilsaal, und trug sich als erster in das Dekanatsbuch der Medizinischen Fakultät ein. Freilich fehlt die erste Seite des handgeschriebenen Convoluts fehlt wie viele andere Seiten, die "1945 Barbaren in die Hände gefallen" sind, "die sie arg verstümmelt haben so daß von dem ehemaligen Bestand nur noch ein dezimierter Trümmerhaufen vorhanden ist." Diese Einschätzung stammt von Prof. Dr. Dr. Hans Georg Thümmel, Emeritus der Theologischen Fakultät, der dieses Dekanatsbuch, das 1823 endet, sehr mühselig erstmals für einen Druck vorbereitet hat.


Der große erste Teil seines Buchs enthält die "Geschichte der Medizinischen Fakultät von 1456 bis 1713", aufgeschrieben von Christoph Helwig d. J., der auch als Buchautor firmiert, die Eintragungen 1709 begann und bis kurz vor seinem Tod 1714 ergänzte.

Das Buch, erschienen als Band 3 der "Beiträge zur Geschichte der Universität Greifswald" auf 367 Seiten im Franz Steiner Verlag Stuttgart (ISBN 3-515-07908-4, 45 Euro) ergänzen ein ausführliches Register, d. h. eine lange Personenliste und ausführliche Erklärungen medizinischer Begriffe.

Die Eintragungen waren in Latein; das rekonstruierte Original ist links, die Übersetzung ist jeweils auf den gegenüberliegenden Seiten abgedruckt. Schon mehrmals hatten die Leser des Journals der Uni Greifswald das Vergnügen, Happen aus Hans Georg Thümmels Reko-Feder zu erleben. Da wurde kurz vor Ostern 1545 im Greifswalder "Piräus oder Hafen" ein ungeheuer großer Fisch gefangen und gar bedichtet. Am 10. Oktober 1580 hat ein Komet die Menschen aufgeschreckt und eine "katarrhöse Seuche" hervorgerufen.

Das Buch ist also nicht nur medizinhistorisch interessant, sondern auch stadt- und landesgeschichtlich. Es zeigt Jubel und Zank, aber auch Methodisches, wie im Land die Seuchenimpfung durch Inokulation vor sich ging. Es enthält eine Auflistung der medizinischen Doktorarbeiten, die einerseits dadurch jetzt ganz leicht zu finden sind, andererseits verdeutlichen, woran denn im Lauf der Jahre geforscht wurde und an welchen übergreifenden Disputationen/Auseinandersetzungen die Greifswalder Mediziner teilhatten. Auch dem Laienleser wird die Lektüre vergnüglich sein, denn er wird sehr ernsthafte Belehrungen erfahren, ob denn der Genuß von Wein oder der von Bier ein heilsamerer sei und ob gesünder gut gefrühstückt oder zu Mittag getafelt werde.

Am 22. Januar 2002 stellt um 18 Uhr s.t. Prof. Thümmel "sein" jüngstes Kind in loco concilii, im Concilsaal der Universität, Domstr. 11 nach einführenden Worten von Rektor, Dekan, Medizingeschichtsprof. Heinz-Peter Schmiedebach und Mittelaltergeschichtsprofessor Karl Heinz Spieß der Öffentlichkeit vor und läutet damit den erhofften großen Erfolg des Buches ein.


Dr. Edmund von Pechmann, Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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