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Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, 28.06.05

Ferien mit der deutschen Sprache

Das Jacobs-Sommercamp zur Förderung der Sprachkompetenz von Kindern nichtdeustcher Herkunft war ein voller Erfolg. Dies zeigt nun die wissenschaftliche Auswertung der Ergebnisse durch das Max-Planck-Institut für Bildungsforschung (Berlin).

Im Sommer 2004 besuchten rund 150 Kinder aus zugewanderten Familien in ihren Ferien drei Wochen lang das Jacobs-Sommercamp im Bremer Umland. Die Kinder, die gerade die dritte Klasse abgeschlossen hatten, sollten in diesen drei Wochen bei Theaterspiel und Deutschunterricht ihre sprachlichen Fähigkeiten verbessern. Eine Gruppe nahm sowohl am Theaterspiel als auch am Deutschunterricht teil, eine andere Gruppe spielte "nur" Theater. Das bislang einmalige Projekt wurde vom Berliner Max-Planck-Institut für Bildungsforschung (MPIB) in Zusammenarbeit mit dem Senator für Bildung und Wissenschaft in Bremen durchgeführt, von der Jacobs-Stiftung finanziert und von Mitarbeitern des MPIB wissenschaftlich begleitet. Nun sind die Daten ausgewertet, und erstmalig ist es möglich, über die Wirksamkeit verschiedener Ansätze der Sprachförderung gesicherte Aussagen zu treffen.

Am meisten profitierten die Kinder von der Kombination aus Theaterspiel und Unterricht in Deutsch als Zweitsprache. Vor allem die expliziten Lerngelegenheiten im Unterricht "Deutsch als Zweitsprache" (DAZ-Einheiten von Prof. Dr. Heidi Rösch, TU Berlin) scheinen das Bewusstsein der Kinder für die Struktur der Sprache geschärft und ihre Lesekompetenz gesteigert zu haben, erklärte Dr. Petra Stanat (MPIB), die wissenschaftliche Leiterin des Jacobs-Sommercamps. Während die meisten Kinder die Umgangssprache auch schon vorher relativ flüssig beherrschten, hatten sie im schulischen Kontext große sprachliche Schwierigkeiten. Genau hierin besteht jedoch die Hürde, die den Übergang der Kinder von der Grundschule in ein Gymnasium oder eine Realschule erschwert.
Das tägliche Theaterspiel allein scheint weniger direkte Auswirkungen auf die Sprachfähigkeiten gehabt zu haben, dennoch war es ein wichtiger Bestandteil des Sommercamps, betonte Petra Stanat. Mit der Aufführung des Theaterstücks zum Abschluss der Ferien konnten die Kinder ihren Eltern und Lehrerinnen ein Produkt vorführen, auf das sie stolz sein konnten. Die gemeinschaftliche Arbeit an der Inszenierung scheint sich auch positiv auf das Sozialverhalten und den Zusammenhalt in der Gruppe ausgewirkt zu haben.
Die Organisatoren haben sich vor allem auch darüber gefreut, dass alle Kinder, aber auch deren Eltern, von dem Angebot begeistert waren. Denn im Vorfeld des Sommerlagers hatten viele Pädagoginnen und Pädagogen daran gezweifelt, dass Kinder aus Elternhäusern, in denen kein Deutsch gesprochen wird, regelmäßig teilnehmen würden. Doch fast alle Kinder kamen täglich, und die Eltern berichteten nach Abschluss des Programms, dass auch sie die Maßnahme als sehr förderlich empfunden hätten. So hätten sich nicht nur die Deutschkenntnisse, sondern auch das Sozialverhalten der Kinder verbessert.

Als weiteres Ergebnis des Jacobs-Sommercamp-Projekts kann festgehalten werden, dass der aus den USA bekannte "Sommer-Rückfall" in Deutschland so nicht existiert.
Während der drei Monate lang dauernden Ferien in den USA verlieren Kinder aus sozial benachteiligten Familien einen Teil der vorher erworbenen sprachlichen Fähigkeiten, so dass die Schere zwischen den Kindern bildungsnaher Familien und den ohnehin benachteiligten Kindern nach jedem Sommer weiter auseinander geht. In Deutschland scheinen die Sommerferien jedoch kurz genug zu sein, um dies zu verhindern. Bereits eine Vorläuferuntersuchung des MPIB in Berlin konnte keine Hinweise auf einen solchen Leistungsabfall finden, das Jacobs-Sommercamp hat dies nun erhärtet.

Die Auswertung zeigt deutlich, dass das Jacobs-Sommercamp mehr als nur ein gut gemeintes Wohlfahrtsprojekt ist: Es ist ein Erfolgsmodell, das dazu beitragen kann, benachteiligten Kindern den Anschluss an die Bildungsgesellschaft zu ermöglichen. Zumindest in Bremen plant der Senat auch für diesen Sommer eine Fortsetzung.

Hinweis für die Redaktionen:
Für weitere Fragen steht Ihnen gerne Dr. Petra Stanat zur Verfügung. Kontakt: stanat@mpib-berlin.mpg.de, Tel.: 030/82406-457. Ausführliches Material zur Studie können Sie bei Dr. Jürgen Baumgarten anfordern. Kontakt: Baumgarten@mpib-berlin.mpg.de, Tel: 030/82406-284.


Dr. Antonia Rötger, Max-Planck-Institut für Bildungsforschung
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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