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Universität zu Köln, 22.06.04

Fassadengrün steigert Wohnqualität in Großstädten

Fassadengrün steigert Wohnqualität in Großstädten
Kölner Bürger befürworten Bepflanzung von Gebäuden

Die Mehrheit der Kölner Bevölkerung steht einer Begrünung von Gebäudefassaden als Mittel der Stadtgestaltung positiv gegenüber. Sowohl die Bewohner begrünter als auch diejenigen unbegrünter Häuser sind der Meinung, dass die Bepflanzung von Fassaden besonders in optisch-ästhetischer bzw. psychosozialer Hinsicht die Wohn- und Lebensqualität in Städten verbessert. Solche Aspekte wurden bei der Entwicklung und Erforschung von Konzepten zur optimalen Begrünung bislang jedoch nicht ausreichend berücksichtigt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung, die Dr. Susanne Schlößer im Rahmen ihrer Dissertation innerhalb der "Forschungsgruppe Fassadenbegrünung" am Geographischen Institut der Universität zu Köln durchgeführt hat. Die Forschungsgruppe wurde 1996 von Dr. Manfred Thönnessen gegründet und widmet sich der Erforschung natur- und gesellschaftswissenschaftlich relevanter Aspekte des Themas "Fassadenbegünung mit Kletterpflanzen".


In den vergangenen Jahrzehnten ist die Anzahl von Groß- und Millionenstädten in Deutschland stark gewachsen. Sozioökonomische Faktoren wie zum Beispiel die Verfügbarkeit von Arbeitsplätzen oder aber die kulturelle Vielfalt in den Metropolen locken immer mehr Menschen vom Land in die Stadt. Die physikalischen und psychosozialen Umweltbelastungen in Großstädten mindern allerdings die Lebensqualität und das Wohlbefinden. Aus diesem Grund kommt der Stadtgestaltung eine immer höhere Bedeutung zu. Besonders in den Innenstädten herrscht meist ein erhebliches Defizit an Grünflächen. Einige Stadtkerne sind mittlerweile vollständig versiegelt. Gerade in solch verdichteten Gebieten stellt die Bepflanzung von Gebäuden eine einfache Möglichkeit dar, mehr Grün in die Städte zu bringen. Das große Gestaltungs- und Flächenpotential von Fassadengrün ist allerdings insbesondere im städtischen Raum noch bei Weitem nicht ausgeschöpft. Dabei ist die Fassadenbegrünung auch aus ökonomischer Sicht ein äußerst attraktives Mittel der Stadtgestaltung, da die Nutzung solcher Flächen häufig in Eigeninitiative aus Privatgeldern finanziert werden kann. Daneben führt eine von Bewohnern und Stadtplanern gemeinschaftlich getragene Begrünung zu einer höheren Identifikation der Städter mit ihrem Wohnumfeld.

Die Befragung sowohl von Kölnern, die bereits in begrünten Gebäuden leben, als auch von Bürgern ohne Hausbepflanzung ergab, dass die Mehrheit beider Gruppen eine Fassadenbegrünung befürwortet. Über 80 Prozent der Befragten mit Gebäudebepflanzung und knapp drei Viertel der Personen ohne Fassadengrün gaben an, dass die Vorteile überwiegen. Allerdings ist die Akzeptanz bei den Bewohnern begrünter Häuser von weitaus weniger Faktoren abhängig. Die Aspekte Gebäudeisolierung oder Klimaverbesserung zum Beispiel fallen für sie bei der Bewertung kaum ins Gewicht. Auch die Bedenken von Bewohnern unbepflanzter Häuser hinsichtlich einer Belästigung durch Spinnen und Insekten werden von den Kölnern, die bereits Erfahrung mit Fassadenbegrünungen gesammelt haben, nicht geteilt.

Eine besonders wichtige Rolle bei der Beurteilung der Vor- und Nachteile begrünter Fassaden spielt bei beiden Gruppen der optisch-ästhetische und psychosoziale Bereich. Die Mehrheit aller Befragten ist der Meinung, dass Bepflanzungen zu einer Verschönerung von Gebäude, Straße und Stadt beitragen, ein wohltuendes Stück Natur darstellen und somit das persönliche Wohlbefinden der Bewohner fördern. Für eine negative Bewertung sorgen dagegen in erster Linie zeitökonomische Faktoren wie die Laubentsorgung und das häufige Zurückschneiden von Pflanzen. Auch einige bauphysikalische Aspekte, beispielsweise verdunkelte Zimmer, verstopfte Dachrinnen oder Schwierigkeiten bei der Renovierung wurden hier genannt.

Fassadenbegrünung als Mittel der Stadtgestaltung setzt an der Nahtstelle zwischen privatem und öffentlichem Raum an. Besonders die Bewohner bereits begrünter Häuser fordern von den Kommunen immer wieder, die Bepflanzung von Fassaden nicht ausschließlich als private Initiative, sondern bewusst auch als öffentliche Aufgabe anzusehen. Die in der Studie befragten Kölner, die in bepflanzten Gebäuden leben, wünschen sich von den öffentlichen Stellen neben einer
stärkeren finanziellen Förderung insbesondere mehr Hilfe bei der Pflege der Fassadenpflanzen. Auch Bürger, die zwar grundsätzlich an einer Begrünung ihrer Häuser interessiert sind, aber beispielsweise bautechnisch begründete Zweifel hegen, könnten durch gezielte Beratung von Fassadengrün überzeugt werden. So sollten die verantwortlichen Behörden zum Beispiel Hilfe bei der Pflanzenwahl anbieten oder über entsprechende Maßnahmen gegen eine Zunahme von Insekten informieren. Darüber hinaus wünschen sich die Kölner von den Kommunen eine stärkere und sachgemäß durchgeführte Begrünung öffentlicher Gebäude. Denn dies hätte Vorbildcharakter, würde für weitere Bepflanzungen werben und somit Privatpersonen als Ansporn dienen.

Verantwortlich: Antje Stobbe

Für Rückfragen steht Ihnen Dr. Manfred Thönnessen unter der Telefonnummer 0221/470-3518, der Fax-Nummer 0221/470-5124 und unter der Email-Adresse m.thoennessen@uni-koeln.de zur Verfügung.

Unsere Presseinformationen finden Sie auch im World Wide Web unter http://www.uni-koeln.de/pi/


Gabriele Rutzen, Universität zu Köln
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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