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Universität Trier, 15.02.02

Familienstabilisierung und Fremdunterbringung:Konzepte in Frankreich, Deutschland und Luxemburg

Als gemeinsames Anliegen der Einrichtungen in den verschiedenen Ländern kristallisierte sich die Frage der Indikation, Optimierung und Verzahnung familienersetzender Hilfen heraus. Das Projekt "Implementation einer familien- und ressourcenstützenden Ausbildung - nach dem Ansatz FAM/ffp - in der Euroregion Saar-Lor-Lux-Rheinland-Pfalz", das die Entwicklung eines grenzüberschreitenden Weiterbildungsmodells zum Ziel hatte, wurde von der Europäischen Kommission im Rahmen des Leonardo-da-Vinci-Programms gefördert.


Die Publikation greift die Ergebnisse der grenzüberschreitenden Auftaktveranstaltung "Erziehungshilfe im Umbruch - Innovative Projekte zur Milieuerhaltung in der Großregion" auf und berichtet über die Ergebnisse des durchgeführten europäischen Modellprojekts.

Die Impulsreferate der Tagung bilden ein wichtiges Kapitel der Publikation: Ausgehend von einer kurzen Darstellung veränderter gesellschaftlicher und auch individueller Problemlagen, die neue Herausforderungen an die Soziale Arbeit stellen, beleuchtet Manfred Schenk die großen Linien der Umsteuerung in den Erziehungshilfen in Deutschland. Peter Kappenstein legt in seinem Beitrag den Schwerpunkt auf die strukturellen Bedingungen grenzüberschreitender Zusammenarbeit. Birgit Mohns-Welsch beleuchtet die unterschiedlichen gesetzlichen Regelungen der Erziehungshilfe in Deutschland und Frankreich.

Ein zweites großes Kapitel ist die Präsentation von Praxismodellen aus der Großregion: Tihamer Wertz aus Belgien stellt das Modell der Kurzzeittherapie nach Palo Alto vor, bei dem es im Wesentlichen darum geht, nicht die Person, sondern die Art ihrer Kontakte und Beziehungen zu verändern, und zeigt die Übertragung dieses Modells auf den belgischen Jugendschutz. Jacques Silberreiss aus Frankreich berichtet über die Entwicklung in Lothringen und weist darauf hin, dass sich das Departement Moselle zum Ziel gesetzt hat, Fremdunterbringung von Kindern und Jugendlichen möglichst zu vermeiden oder den Heimaufenthalt von bereits untergebrachten Kindern möglichst kurz zu halten. Gilbert Pregno aus Luxemburg zeigt am Beispiel der Einrichtung "Kannerschlass", deren Direktor er ist, wie sich Einrichtungen an veränderte Rechte und Bedürfnisse von Klienten anpassen: neben der stationären Regelunterbringung hat er zwei Projekte ins Leben gerufen, die eine Alternative zur Fremdunterbringung von Kindern und Jugendlichen bieten.

Die deutsche Situation wird unter anderem von Vertretern der zuständigen Landesministerien Albert Gilles (Rheinland-Pfalz) und Hans Joachim Trapp (Saarland) dargestellt. Besonders in Rheinland-Pfalz ist in den letzten Jahren versucht worden, über gezielte Modellprojekte neue Wege in der Erziehungshilfe zu beschreiten, um auf Fehlsteuerungen zu reagieren und nicht zuletzt auch die stark gestiegenen Kosten zu dämpfen. Isabella Scheurer aus Deutschland stellt das Modell der Integrativen Familienhilfe vor, ein zeitlich befristetes Hilfeangebot, das mit der gesamten Familie und mit Familiengruppen sowohl ambulant als auch stationär arbeitet. Klaus Römisch aus Deutschland berichtet über das Familienaktivierungsmanagement FAM, das auf amerikanischen Families-First-Programmen beruht. Aus dem Kriseninterventionsprogramm FAM wurde ein mittelfristiges Familienstabilisierungsprogramm FSP entwickelt, das als Grundlage für das EU-Weiterbildungsprojekt gewählt wurde.

Den Abschluss der Publikation bildet der Endbericht der wissenschaftlichen Begleitung des erwähnten EU-Projekts, in dem Manfred Schenk, Katrin Brandhorst und Thomas Köhl-Brandhorst über Durchführung und Ergebnisse des Weiterbildungsprojekts berichten.

Katrin Brandhorst

Publikation:
Schenk, Manfred / Brandhorst, Katrin (Hrsg.): Familienstabilisierung und Fremdunterbringung: Konzepte in Frankreich, Deutschland und Luxemburg. Stabilisation de la famille et placement en centre d'accueil: aperçu des conceptions appliquées en France, en Allemagne et au Luxembourg; Schriftenreihe der Forschungsstelle für Regionale Jugendhilfeforschung Band 2, Trier 2001 (ISBN 3-934372-01-5)

Pressemitteilung 33/2002
Trier, 15.02.2002
Universität Trier
Pressestelle
Leitung: Heidi Neyses
Tel.: 0651/201-4238
Fax: 0651/201-4247
E-Mail: Neyses@uni-trier.de


Heidi Neyses, Universität Trier
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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