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Kulturwissenschaftliches Institut, 29.01.07

Die Erziehung der deutschen Erinnerungskultur. Etappen eines pädagogischen Projektes: Von der Re-Educationpolitik zur Berliner Mahnmaldiskussion

Ein öffentlicher Vortrag von Dr. Wolfgang Meseth (Universität Frankfurt am Main) am 5. Februar 2007 um 18.15 Uhr im Kulturwissenschaftlichen Institut, Essen.

Die Forderung, aus der Geschichte zu lernen, ist in den erinnerungs- und geschichtspolitischen Debatten Deutschlands allgegenwärtig und wurde von 1945 bis in die Gegenwart hinein bevorzugt als pädagogischer Auftrag gedeutet. Die pädagogische Aspiration, von der die Erinnerung an den Holocaust seit ihren Anfängen getragen wird, deutet sich bereits in der Re-Educationpolitik der Alliierten an. Sie führt über die Bildungsreform der sechziger und siebziger Jahre bis in die Gegenwart, in der Theodor W. Adornos Forderung, "daß Auschwitz nicht noch einmal sei, ist die allererste an Erziehung", nicht selten mit einer Menschenrechtserziehung zu Toleranz, Zivilcourage und demokratischen Werthaltungen verbunden wird. Erstaunlich an der Pädagogisierung der Erinnerungskultur ist, dass die Rolle, die Erziehung im Kontext der sogenannten "Vergangenheitsbewältigung" spielt, systematisch bisher nicht untersucht worden ist. Im Rahmen des Vortrages, in dem die pädagogischen Implikationen des Umgangs mit der NS-Geschichte entlang ausgewählter Etappen der deutschen Erinnerungskultur freigelegt werden sollen, steht die These, dass es der Bundesrepublik maßgeblich durch den symbolischen Rekurs auf Erziehung gelungen ist, die moralisch schwer belastete, durch Schuld, Scham und Niederlage gekennzeichnete Geschichte nicht nur als Teil der eigenen Nationengeschichte zu integrieren, sondern an ihr zudem das nationale Selbstverständnis auszubilden.

Dr. Wolfgang Meseth, seit 2005 wissenschaftlicher Mitarbeiter im DFG-Projekt "Der Umgang mit den Paradoxien politisch-moralischer Erziehung" (Fachbereich Erziehungswissenschaften der Universität Frankfurt am Main), studierte von 1994-1999 Pädagogik in Frankfurt am Main. Seine 2004 abgeschlossene Promotion "Aus der Geschichte lernen. Eine erziehungswissenschaftliche Studie über den pädagogischen Umgang mit der Geschichte des Nationalsozialismus und des Holocaust in der Bundesrepublik Deutschland" wurde vom Cusanuswerk gefördert. Aktuelle Arbeitschwerpunkte: Erziehung und die Geschichte des Nationalsozialismus und des Holocaust; Unterrichtsforschung; historisch-politische Bildung im Unterricht sowie in der außerschulischen Jugendbildung.

Die Veranstaltung ist öffentlich. Weitere Informationen erhalten Sie unter www.kwi-nrw.de oder unter der Telefonnummer 0201/7204-213.

Weitere Informationen:


Dr. Armin Flender, Kulturwissenschaftliches Institut
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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