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Westfaelische Wilhelms-Universität Münster, 23.10.03

Erfolgsmeldungen aus Alexandria Troas

Grabungsfunde belegen überregionale Bedeutung der antiken Stadt im Nordwesten der Türkei

Prof. Dr. Elmar Schwertheim (vorne in der Mitte) und sein Team freuen sich über die entdeckte Inschrift.

Ein Skelett, eine Inschrift und zahlreiche Öllämpchen bringen Licht in die Geschichte der antiken Stadt Alexandria Troas. Bei der durch die Forschungsstelle Asia Minor der Universität Münster durchgeführten Ausgrabung unter Leitung von Prof. Dr. Elmar Schwertheim und Prof. Dr. Hans Wiegartz im Nordwesten der Türkei kamen auch in diesem Jahr wieder interessante Ergebnisse ans Tageslicht.

Im vergangenen Jahr konnte ein Skelett mit einem Münzschatz aus der antiken Kanalisation in der Nähe des kaiserzeitlichen Agora-Tempels geborgen werden. Dieses Jahr war es möglich, das Skelett von einem Berliner Archäologen erneut untersuchen zu lassen. Er stellte fest, dass es sich um eine 30- bis 40-jährige Frau gehandelt hat, deren Hinterkopf eine tödliche Verletzung aufwies. Ob dies beim Sturz in die Kanalisation geschehen ist oder ob die Frau ermordet wurde, ist jedoch noch unklar.


Bei weiteren Grabungen im Bereich des Tempels konnte in diesem Jahr ein wahrscheinlich durch ein Erdbeben zerstörtes, öffentliches Gebäude angeschnitten werden, das eine überaus reiche Ausstattung mit Buntmarmoren aller Art aufwies. Krönung der Entdeckung war eine 1,80 mal 0,90 Meter große Marmorplatte, die eine über 80zeilige Inschrift aus der römischen Kaiserzeit trägt. In drei Briefen teilt Kaiser Hadrian (117-138 n.Chr.) der Bevölkerung Bestimmungen zur Durchführung von musischen und gymnischen Wettkämpfen mit. Diese Bestimmungen betreffen die gesamte östliche Mittelmeerwelt; die Aufstellung der Inschrift in Alexandria Troas zeigt somit die überregionale Bedeutung dieser Stadt während der römischen Kaiserzeit. Bedeutsam ist der Fund der Inschrift darüber hinaus deshalb, weil es sich um die erste Inschrift aus Alexandria Troas handelt, die aus einem Grabungskontext stammt, und somit auch über ihren Inhalt hinaus Aufschlüsse über die Stadtgeschichte geben kann.

Auch die anderen Grabungsprojekte in der Stadt brachten anschauliche Ergebnisse: So konnte zum Beispiel am Haupttor der Stadt ein Fundplatz mit außerordentlich vielen Öllämpchen freigelegt werden, von denen drei Exemplare noch vollständig erhalten waren und in das Museum von Çanakkale gebracht wurden. Im Zentrum der Stadt wurde streckenweise die antike Hauptstrasse freigelegt, die aus großen Granitblöcken erbaut ist und über die wohl einst der Apostel Paulus wandelte.

Ein weiterer Höhepunkt war das überaus erfolgreiche Symposion "Archäo-Physik", das Anfang September in Zusammenarbeit mit der Universität Çanakkale stattgefunden hat, und das als Grundsteinlegung für eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen den Naturwissenschaften und der Ausgrabung in Alexandria Troas diente.

In Zusammenarbeit mit türkischen Archäologen aus Çanakkale und Ankara und deutschen Wissenschaftlern aus Münster, Berlin und Karlsruhe wird seit 1997 in mehreren Bereichen Alexandria Troas gegraben. Finanziert wird die Grabung durch das Land Nordrhein-Westfalen, die Universität Münster, die deutsche Forschungsgemeinschaft und den Sponsor DRAKA Multimedia Cable GmbH.


Brigitte Nussbaum, Westfaelische Wilhelms-Universität Münster
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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