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Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung..., 17.08.04

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Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung..., 17.08.04

Elbe-Hochwasser - verschiedene Jahrhunderte auf einen Mausklick

Überschwemmungsgebiete der Elbe in Dresden 1845, 1890, 2002

Überschwemmungsgebiete der Elbe in Dresden 1845, 1890, 2002

Elbe-Hochwasser - verschiedene Jahrhunderte auf einen Mausklick

Die Nutzungen von Siedlungs- und Verkehrsflächen sowie Land- und Forstwirtschaftsflächen verändern sich an vielen Orten gleichzeitig und über lange Zeiträume. Sie werden jedoch gerade dadurch selten in ihrer Tragweite wahrgenommen. Das Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung (IÖR) beobachtet mittels Langzeitanalysen unter Einbeziehung von Satelliten- und Luftbilddaten sowie historischen Kartenwerken diese Prozesse.


Anlässlich des zweiten Jahrestages der Jahrhundertflut präsentiert das IÖR ab heute die Hochwasserereignisse der Elbe im Raum Sächsische Schweiz und Dresden von 1845, 1890 und 2002 online:
Elbe-Hochwasser - verschiedene Jahrhunderte auf einen Mausklick
http://map.ioer.de/website/hochw/index.htm

Bei der Frage, wie Hochwasserereignisse entstehen, fällt der Blick zwangsläufig auf die Siedlungs- und Landnutzungsstruktur. Die Wirkungen von Einzelhandlungen - wie z. B. die Bebauung von potenziellen Überschwemmungsgebieten - müssen für sich betrachtet nicht unbedingt "umwelterheblich" oder "raumbedeutsam" sein. Bei einer Überflutung fehlen diese Flächen jedoch als natürliche Stauräume bei einem gleichzeitigen Anstieg der Schadenspotenziale.

Das Frühjahrshochwasser von 1845 überflutete innerhalb des heutigen Dresdner Stadtgebiets 3 093 ha (nach IÖR-Berechnung). Der damalige Pegelhöchststand an der Augustusbrücke wurde am 31.03.1845 mit 8,77 m erreicht. Am 17.08.2002 lag der Pegelhöchststand an der Augustusbrücke mit 9,40 m um 63 cm höher. Die Durchflussmenge als entscheidender Parameter eines Hochwasserereignisses lag jedoch 1845 signifikant höher (um ca. 570 m3 / s) als 2002 (4680 m3 / s). So wurde im Jahr 2002 auf Grund der Aufschüttungen, die im Zuge der Stadtentwicklung und -bebauung, des Elbausbaus im 19. Jh. sowie der Ablagerung von Trümmerschutt nach dem zweiten Weltkrieg entstanden waren, rund 20 % weniger Fläche im Stadtgebiet überflutet - 2 481 ha (ebenfalls nach IÖR-Berechnung). Dennoch war der Schaden im Jahr 2002 wesentlich höher. Wo liegen die Ursachen?

Innerhalb des jeweiligen Überschwemmungsgebiets betrug 1845 der Anteil der überschwemmten Siedlungsfläche 10,5 %, der Freifläche jedoch 89,5 %. Zwar wurde eine größere Fläche überflutet, jedoch blieb der Schaden an Gebäuden und Infrastruktur im Verhältnis gering. 107 Jahre später sah die Situation bei dem Sommerhochwasser der Elbe im Jahr 2002 vollkommen anders aus. Der Anteil der überfluteten Siedlungsfläche im Verhältnis zu der Gesamtüberflutungsfläche war durch Bebauung der Überschwemmungsflächen und Veränderungen der Gewässerstrukturen auf 50,1 % gestiegen. Entsprechend größer war auch das Schadenspotenzial (Grafik im IDW-Ticker abrufbar). Als eine Konsequenz bestimmte die Landeshauptstadt Dresden mit Unterstützung des IÖR innerhalb weniger Monate neue Überschwemmungsgebiete. Diese wurden rechtlich verbindlich im Januar 2003 ausgewiesen, mit dem Ziel eine weitere Bebauung der Elbtalauen zu verhindern.

Kumulative Umweltwirkungen, also die Anhäufung meist schleichender negativer Umweltveränderungen durch Flächennutzungsänderungen bilden einen Forschungsschwerpunkt des IÖR (http://www.ioer.de Forschungsschwerpunkt F). Dabei werden vorrangig ihre Auswirkungen auf das Schutzgut Boden und die Landschaftsstruktur für die Siedlungs-, Verkehrs- und Umweltentwicklung bei besonderer Betrachtung städtischer Räume auch im europäischen Vergleich untersucht. Die Diagnose - insbesondere von Fehlentwicklungen in der Vergangenheit - ermöglicht Schlussfolgerungen im Sinne einer nachhaltigen Raumentwicklung für die Zukunft. Die Karten informieren anschaulich die breite Öffentlichkeit und unterstützen Planungs- und Entscheidungsträger bspw. bei der Siedlungs-, Verkehrs- und Umweltplanung. Verschiedene Ergebnisse sind unter www.ioer.de/langzeitmonitoring abrufbar.

Weitere Informationen:


Dr. Carsten Kolbe, Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung e. V.
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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