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Leuphana Universität Lüneburg, 18.05.07

Auch Eigennutz kann nachhaltig wirken: Natürliche Ökosysteme als Versicherung

Wissenschaftler finden einen Zusammenhang zwischen risikoscheuem und nachhaltigem Verhalten. Sie folgern daraus, dass der nachhaltige Umgang mit der Natur ihren Nutzern als Versicherung dienen kann.

Die Untersuchung des Managements von Weidelandschaften in Namibia lieferte der Wissenschaft interessante Erkenntnisse.

Es gibt die weit verbreitete Annahme, eigennütziges Handeln des Menschen widerspreche den Prinzipien einer Nachhaltigen Entwicklung. Doch ist das scheinbar kurzfristige und egoistische Denken tatsächlich stets zum Nachteil für Mensch und Natur? Wissenschaftler der Leuphana Universität Lüneburg, der Universität Heidelberg und des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung in Leipzig haben diese landläufige Annahme hinterfragt und sind dabei zu überraschenden Ergebnissen gelangt, die in der Fachwelt bereits auf großes Interesse stießen.


Das Team aus Ökonomen, Ökologen und Philosophen untersuchte dazu das Weideland-Management von Farmern in Namibia. Die dafür ausgewählten Gebiete sind von geringen und stark schwankenden Niederschlagsmengen geprägt. Solche Umweltbedingungen bergen für die Farmer die Gefahr von existenziellen Einkommensunsicherheiten, da sie von der vorhandenen Biomasse im Weideland direkt abhängig sind. Die Forschungsarbeiten zeigen, dass risikoscheue Farmer von sich aus eine Bewirtschaftungsstrategie wählen, die eine Biomassereserve im Weidegebiet bestehen lässt. Dies schmälert zwar ihren zusätzlichen Gewinn, wenn der Niederschlag einmal überdurchschnittlich hoch ausgefallen ist, wirkt jedoch zugleich wie eine Versicherung, die der Farmer mit dem Ökosystem abgeschlossen hat: die Biomassereserve hilft, trockene Jahre zu überstehen. Die natürliche Allianz kann als Ersatz für Ersparnisse, Kredite oder konventionelle finanzielle Versicherungen funktionieren.

Die von der VolkswagenStiftung geförderten Wissenschaftler kommen zu folgendem Schluss: Die nachhaltige Nutzung von Ökosystemen unter Unsicherheit ist nicht unbedingt deswegen nachhaltig, weil Menschen nachhaltig sein, sondern weil sie kein Risiko eingehen wollen. Statt aus ethischen Gründen handeln sie aus Eigennutz heraus nachhaltig.

Das Ergebnis lässt sich auch auf ähnliche Ökosysteme und ihre Dienste, z.B. den Fischfang, übertragen. Es bedeutet jedoch nicht, so betonen die Forscher, dass Verhalten, welches das Risiko minimiert, bereits genügt, um eine Nachhaltige Entwicklung zu garantieren.

Der vollständige Artikel ist in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Ecological Economics (62(2), S. 251-266) erschienen.

Kontakt zum Wissenschaftler:
Prof. Dr. Stefan Baumgärtner
Leuphana Universität Lüneburg
Lehrstuhl für Nachhaltigkeitsökonomie
Tel. 04131/ 677 - 2600
Fax. 04131/ 677 - 1381
nachhaltigkeitsoekonomie@uni-lueneburg.de

Weitere Informationen:


Henning Zuehlsdorff, Leuphana Universität Lüneburg
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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