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Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, 07.11.01

Du kannst mich einfach nicht verstehen!

Während sich der Erste Tag der Frauen- und Geschlechterforschung im Mai 2000 dem Thema "Warum sich Mann und Frau so schlecht vertragen" widmete, untersucht die diesjährige Veranstaltung Möglichkeiten, das Verhältnis der Geschlechter durch Kommunikation zu verbessern, behandelt aber auch Hindernisse auf dem Weg zu einer gelungenen Verständigung bzw. den Zusammenbruch des Dialogs in extremen Situationen.

Frauen- und Geschlechterforschung ist interdisziplinär

Der Begriff "Dialog" wird dabei in einem sehr umfassenden Sinn verstanden. Beiträge aus Pädagogik, Literaturtheorie, Germanistik, Medien- und Kommunikationswissenschaft, Slavistik und Theologie, in einem Fall sogar mit explizitem Bezug zur Literaturgeschichte der Stadt Halle, beleuchten die Thematik aus unterschiedlichen fachwissenschaftlichen Perspektiven und doku-mentieren so gleichzeitig den interdisziplinären Charakter der Frauen- und Geschlechterforschung insgesamt.
So ist die Rede von den Stereotypen des "gefühlskalten Machos" und der "streitsüchtigen Ehefrau", der "beherzten Hallenserin" Therese Albertine von Jakob-Robinson, Geschlechterkonflikten und -dialogen in der Grundschule, literarischen Magazinen serbischer Frauen, radikaler "Weiblichkeit" bei Ingeborg Bachmann, dem Problem androzentrischer Sprache in der Bibel und Geschlechterdialogen im deutschen Drama des 18. Jahrhunderts.

Förderung des Meinungsaustausches

Die Veranstaltung will den Dialog unter den beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern wie Disziplinen fördern - sowohl innerhalb Sachsen-Anhalts wie auch über die Lan-desgrenzen hinaus - und Ergebnisse der Frauen- und Geschlechterforschung an der Martin-Luther-Universität einem Fachpublikum wie auch der breiteren Öffentlichkeit präsentieren. Zwar begeht die Martin-Luther-Universität in diesem Jahr ihren 500. Geburtstag, aber erst seit 250 Jahren nehmen auch Frauen als Studierende am akademischen Leben teil. So erwarb Dorothea Erxleben als erste Frau 1754 in Halle einen Doktortitel.
Die Studierendenzahlen haben sich seit diesem denkwürdigen Datum deutlich zugunsten der Studentinnen verschoben, die Situation weiblicher Beschäftigter wie auch das Geschlechterverhältnis im Bereich der Professuren zeigen allerdings, dass Chancengleichheit für Frauen noch nicht in allen Bereichen der Universität verwirklicht ist.

Ergebnisse der Frauen- und Geschlechterforschung -
wichtige Impulse für die Gleichstellungspolitik

Auf dem Weg zu diesem Ziel, das im Gleichstellungsprogramm der Martin-Luther-Universität und dem Frauenförderplan des Kultusministeriums Sachsen-Anhalt festgelegt ist, spielen die Ergebnisse der Frauen- und Geschlechterforschung eine wichtige Rolle. Sie zeigen auf, wie soziale, sprachliche, kulturelle und andere Strukturen zur Ungleichbehandlung der Geschlechter beitragen und erleichtern die Entwicklung von Alternativen. Sie können so wichtige Impulse für die Gleichstellungspolitik geben, von deren Erfolgen sie wiederum selbst profitieren.

An den verschiedensten Fakultäten und Fachbereichen der Martin-Luther-Universität wird Frauen- und Geschlechterforschung betrieben. Aus diesem Grund soll der Zweite Tag der Frauen- und Geschlechterforschung auch die Diskussion über die Institutionalisierung dieses innovativen, international bedeutsamen Forschungsgebietes, etwa durch die Einrichtung einer Frauenforschungsprofessur, vorantreiben und damit einen Beitrag zur stärkeren Verankerung geschlechterbezogener Forschung im Profil der Universität leisten.

Ansprechpartner:
Dr. Eva Boesenberg
Tel.: (0345) 55 235 14
Fax: (0345) 55 270 44
E-Mail: boesenberg@amerikanistik.uni-halle


Ingrid Godenrath, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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