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Klaus Tschira Stiftung gGmbH, 26.02.03

Aus dem Dornröschenschlaf geweckt

Mittelalterliche Wandmalereien in Klosterkirche Lobenfeld erstmals ausführlich wissenschaftlich untersucht - Klaus Tschira Stiftung förderte Dissertation

Mittelalterliche Malereien in Büchern sind vielfach erhalten und kunsthistorisch gut untersucht. Bilder, die im 13. Jahrhundert in Kirchen auf die Wände gemalt wurden, wurden hingegen in der Vergangenheit von der kunsthistorischen Forschung weniger beachtet. So erging es etwa den romanischen und gotischen Wandbildern in der ehemaligen Klosterkirche Lobenfeld im badischen Kraichgau. Obwohl Lobenfeld zu den bedeutendsten mittelalterlichen Klöstern im Kraichgau zählte und hier einer der umfangreichsten Komplexe romanischer Wandmalerei in Südwestdeutschland erhalten ist, waren Geschichte und Aussage der Kunstwerke weithin unbekannt. Mit der von der Klaus Tschira Stiftung geförderten Doktorarbeit der Kunsthistorikerin Gabriela Nutz ist jetzt die erste ausführliche wissenschaftliche Arbeit über Geschichte und Bedeutung dieser Wandmalereien erschienen.


Unter der Leitung des Hochschuldozenten Dr. Klaus Gereon Beuckers untersuchte Gabriela Nutz am Institut für Kunstgeschichte der Universität Karlsruhe erfolgreich die schlecht erhaltenen und zum Teil durch Restaurierungen verfälschten Wandmalereien. Sie fand vor allem heraus, dass die am besten erhaltenen und bisher ungedeuteten vier Bilder auf der Chorsüdwand der Martinsvita zuzuordnen sind. Die Wandmalerei, die um 1250 entstand, verdeutlicht mit der Darstellung des Priesters Martin und eines Abtes im Vordergrund und dem Bild des Kaisers im Hintergrund die herausragende Macht der Kirche gegenüber der weltlichen Macht. Neue Ergebnisse gibt es auch zur Klostergeschichte: In dem etwa 1145 von den Staufern gegründeten Kloster waren schon um das Jahr 1200 Frauen ansässig.

Es ist Doris Ebert zu verdanken, dass das kunsthistorische Kleinod aus seinem Dornröschenschlaf geweckt wurde. In über zwanzigjähriger ehrenamtlicher Arbeit hat die Gründerin und Vorsitzende des Fördervereins Klosterkirche Lobenfeld mit Führungen und Veröffentlichungen die ehemalige Klosterkirche bekannt gemacht. 1999 gewann Doris Ebert die Klaus Tschira Stiftung, ein Forschungsprojekt zur Untersuchung der mittelalterlichen Malereien zu fördern.

Von seiner früheren Bedeutung steht das Zisterzienserinnenkloster Lobenfeld in einer Reihe mit den berühmteren Klöstern des Kraichgaus, zu denen das Zisterzienserkloster Maulbronn und die Benediktinerklöster Sinsheim und Odenheim zählen. Chor, Vierung und Querhäuser der Klosterkirche Lobenfeld zeigen romanische Baukunst von besonderer Qualität und lassen den Weg der elsässischen Romanik ins Schwäbische verfolgen. Das Kloster geriet jedoch in Vergessenheit: Zum einen sind nur wenige historische Zeugnisse erhalten geblieben. Zudem wurde in den letzten beiden Jahrhunderten das gotische Langhaus der Kirche als Stall und Speicher für die Landwirtschaft genutzt. Erst 1997 konnte das Langhaus nach aufwändigen Arbeiten wieder mit den romanischen Ostteilen vereinigt werden. Heute finden darin evangelische Gottesdienste statt.

Weitere Informationen finden Sie:

im Internet unter www.kloster-lobenfeld.de und www.kloster-lobenfeld.de/wandbilder/index.html

in der Dissertation von Dr. Gabriela Nutz: Die Wandmalereien der ehemaligen Klosterkirche Lobenfeld. Überlegungen zu Ikonographie, Programm und stilistischer Stellung der romanischen Chorausmalung sowie der gotischen Wandbilder.
Dissertation Karlsruhe 2002. Hrsg. Klaus Gereon Beuckers, Michael Imhof Verlag, Petersberg 2002, ISBN 3-935590-73-3

In der umfangreichen Veröffentlichung: Kloster St. Maria zu Lobenfeld (um 1145 - 1560). Untersuchungen zu Geschichte, Kunstgeschichte und Archäologie. Hrsg. Doris Ebert und Klaus Gereon Beuckers. Michael Imhof Verlag, Petersberg 2001, ISBN 3-935590-20-2

Weitere Fragen zu diesem Projekt beantwortet Ihnen gern:

Dr. Klaus Gereon Beuckers: beuckers@kg1.sowi.uni-stuttgart.de

Haben Sie Interesse an einer Führung in der Klosterkirche Lobenfeld?

Bitte wenden Sie sich an
Doris Ebert, Tel: 06226-41769; Ebert-Lobenfeld@t-online.de

Die gemeinnützige Klaus Tschira Stiftung (www.kts.villa-bosch.de) fördert vor allem Forschungsvorhaben der angewandten Informatik, der Naturwissenschaften und der Mathematik, Schülerprojekte in diesen Bereichen, die Lehre an staatlichen und privaten Hochschulen sowie einzelne Projekte der Denkmalpflege und der Künste. Sitz der Stiftung ist die Villa Bosch, der ehemalige Wohnsitz des Chemie-Nobelpreisträgers Carl Bosch (1874 - 1940).

Weitere Informationen gibt Ihnen gerne

Renate Ries, Klaus Tschira Stiftung, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel: +49-6221-533 214, Fax: +49-6221-533 198, renate.ries@kts.villa-bosch.de

Weitere Informationen:


Dipl.Biol. Renate Ries, Klaus Tschira Stiftung gGmbH
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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