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Deutsches Jugendinstitut e.V., 09.03.04

DJI Online-Thema März: Messverfahren in der Sozialen Arbeit

"Dreijähriger an den Folgen schwerer Misshandlung gestorben." Wenn wir Schlagzeilen wie diese lesen, sind wir erschüttert. Wie können Eltern so etwas tun? Das ist die erste Frage, die einem in den Sinn kommt. Aber immer häufiger wird nach weiteren Schuldigen gesucht. Warum hat niemand von den Nachbarn etwas bemerkt? Oder noch schlimmer: Wenn das Jugendamt davon wusste, warum hat es nicht früh genug eingegriffen?

Eine gute Frage, die nicht leicht zu beantworten ist. Denn genau dies ist das Problem, vor dem der Allgemeine Soziale Dienst (ASD) häufig steht: die Risikoeinschätzung. Wird ein Kind zu früh oder gar unnötig aus der Familie herausgenommen, kann das genauso negative Auswirkungen auf das Kindeswohl haben wie eine zu spät bemerkte Vernachlässigung oder Misshandlung. Auf welcher Grundlage aber können die ausgebildeten SozialarbeiterInnen möglichst sicher entscheiden, ob und wann sie eingreifen? Und ist eine genaue Risikovorhersage überhaupt möglich?


Fest steht: Heute werden die meisten Einschätzungen der Kindeswohlgefährdung auf der Grundlage unterschiedlichster Erfahrungen und individueller Ausbildungshorizonte der SozialarbeiterInnen gefällt. Durch empirische Messverfahren hingegen werden Risikoeinschätzungen durch objektive Kriterien gestützt, insgesamt transparenter und für andere besser nachvollziehbar: Was besonders im Falle eines strafrechtlichen Ermittlungsverfahrens für den betroffenen Sozialarbeiter von Vorteil sein kann. Nicht zuletzt deswegen hat der Deutsche Städtetag kürzlich eine Reihe von Empfehlungen für den behördlichen Umgang mit Kindeswohlgefährdung gegeben. Oberstes Ziel ist und bleibt aber der Schutz der Kinder und Jugendlichen. Und um diesen noch besser als bisher zu gewährleisten, sind viele Experten der Meinung, es solle zur fachlichen Einschätzung des Bezirkssozialarbeiters eine quantitative Entscheidungshilfe hinzukommen.

Für Ärzte und Psychologen gehören empirische Diagnoseverfahren bereits zum Standard. Für SozialarbeiterInnen ist der Einsatz dieser Instrumente in Deutschland noch relativ neu und wird oft mit Skepsis aufgenommen. Zweifelnd wird oft gefragt: Haben standardisierte Methoden bei der Risikoeinschätzung von Kindeswohlgefährdungen überhaupt einen Sinn?

Im Rahmen eines Forschungsprojekts des Deutschen Jugendinstitutes in München (DJI) zur Kindeswohlgefährdung befasst sich Dr. Heinz Kindler mit empirischen Messverfahren zur Risikoeinschätzung. Im Thema-Interview gibt er Auskunft über die internationale Entwicklung dieser Methoden, ihre erfolgreiche Anwendung und die kontroverse Aufnahme der Techniken in Deutschland.

Im englischsprachigen Ausland wurde schon früher mit der Forschung begonnen und man hat bereits einige Verfahren in die Praxis umgesetzt und eingehend erprobt. In der Rubrik Blick von außen kommen deswegen ExpertInnen aus den USA und England zu Wort.

In Deutschland gibt es auf regionaler und lokaler Ebene erste Ansätze bei einzelnen Dienststellen des ASD. In einer Art Selbsthilfe bemühen sich die MitarbeiterInnen um eine Etablierung von standardisierten Methoden, etwa durch die Entwicklung mehr oder weniger umfangreicher Checklisten für ihre tägliche Arbeit. Einige Beispiele dazu finden Sie in den Rubriken Zahlen und Fakten sowie Literatur und Links.


Dr. Barbara Keddi, Deutsches Jugendinstitut e.V.
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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