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Deutsches Jugendinstitut e.V., 03.06.05

DJI-Online Thema: Kinder im Blickpunkt - Lerngeschichten im Vorschulalter

Lebenslange Lernfähigkeit wird zukünftig eine der wichtigsten Kompetenzen in unserer Gesellschaft sein. Die Freude am Entdecken, das Forschen und Lernen in der frühen Kindheit liefern die entscheidende Grundlage dafür. Die Bildungsinteressen und -wege von Kindern genau zu beobachten und in Wort (und Bild) festzuhalten, um angemessene Unterstützung für weitere Entwicklungsschritte bieten zu können, ist eine Methode, von der ErzieherInnen, die sie ausprobiert haben, begeistert sind.

Im DJI-Projekt "Bildungs- und Lerngeschichten" wird derzeit das in Neuseeland entwickelte Verfahren der "Learning Stories" unter Berücksichtigung der aktuellen Situation in Deutschland überarbeitet und erprobt. Es wurde von Margaret Carr im Rahmen eines nationalen Curriculums für den Vorschulbereich entwickelt und wird dort flächendeckend eingesetzt. 'Auf einen Blick' stellt den vielversprechenden Ansatz vor, der die Bildungsinteressen und -wege der einzelnen Kinder systematisch berücksichtigt.


Das Besondere an den "Lerngeschichten" ist, dass nicht die Kompetenzen, sondern die sogenannten Lerndispositionen im Vordergrund stehen. Es wird nicht auf einer Checkliste abgehakt, ob ein Kind schon einen Kreis malen oder seinen Namen schreiben kann. Vielmehr wird darauf geachtet, ob und für was es sich interessiert. Wie sehr es sich auf eine Sache einlässt und dabei bleibt, auch wenn Schwierigkeiten auftauchen. Oder wie es sich anderen in der Lerngemeinschaft gegenüber mitteilt. Das macht einen großen Unterschied in der Bewertung. Statt den Kindern wie bei den Schulnoten einen Stempel aufzudrücken, ist dies eine Beurteilung, die den Prozesscharakter des Lernens betont und dazu beitragen soll, individuelle Bildungswege und -fortschritte wahrzunehmen, zu unterstützen und durch herausfordernde Impulse zu beleben.

Kornelia Schneider, die gerade mit einer DJI-Delegation in Neuseeland die Umsetzung dieser Methode in der Praxis beobachten konnte, berichtet im 'Interview' von ihren Eindrücken, den Unterschieden zwischen neuseeländischen und deutschen Einrichtungen und ihrer Zusammenarbeit mit den am Projekt beteiligten Kooperationspartnern.

Eine der 25 Kindertageseinrichtungen, die zum "inneren Kreis" des DJI-Projekts gehören, ist eine städtische Kinderkrippe im Münchener Stadtteil Trudering. Die Leiterin Edeltraud Prokop schildert im 'Blick von außen', wie es ihrem Team bei der Erprobung der Lerngeschichten erging. Insgesamt sind die ErzieherInnen, die diese Methode ausprobiert haben, begeistert - trotz anfänglicher Vorbehalte. Die Angst, noch mehr Arbeit "aufgehalst zu bekommen", erwies sich schnell als unbegründet. Eine Erzieherin beschrieb ihre Erfahrung so: "Beobachten verändert das pädagogische Handeln, denn es beinhaltet: Zuschauen statt Eingreifen. Die Angst, etwas könnte kaputt gehen, verhindert zu sehen, was ein Kind gerade erforscht."

Der Ansatz führt also zu einer Veränderung, von der nicht nur die Kinder profitieren. Auch die ErzieherInnen erleben ihre pädagogische Arbeit durch die neuen Wahrnehmungsmöglichkeiten als anspruchsvoller und befriedigender. Der Teamgeist wird durch den permanenten Austausch intensiviert. Und die Eltern, die durch die Lerngeschichten mehr über den Entwicklungsverlauf ihres Kindes erfahren, spüren: "Mein Kind wird gesehen, wertgeschätzt und respektiert". Eine gute Basis für eine partnerschaftliche und kooperative Zusammenarbeit zwischen Elternhaus und pädagogischer Einrichtung.

Weitere Informationen:


Dr. Barbara Keddi, Deutsches Jugendinstitut e.V.
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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