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Deutsches Jugendinstitut e.V., 03.03.08

DJI Online Thema 2008/03 Forschen und Beraten: Kinder- und Jugendpolitik im Fokus

Ein gutes Beispiel dafür, wie Forschungsergebnisse für den politischen Diskurs fruchtbar gemacht und gleichzeitig politisch intendierte Veränderungsprozesse in Forschungsfragen umgesetzt werden, ist die im Jahr 2007 am Deutschen Jugendinstitut eingerichtete "Arbeitsstelle Kinder- und Jugendpolitik". Neben der Durchführung eigener Forschungsaufgaben unterstützt die Arbeitsstelle das mit ExpertInnen aus Verbänden, Kommunen und Kirchen sowie WissenschaftlerInnen besetzte Bundesjugendkuratorium, das die Bundesregierung in jugendpolitischen Fragen berät.

Jugendliche geraten häufig erst als "Problemfälle" auf die politische Agenda - als Schulabbrecher, als Arbeitslose, als Integrationsunwillige, Suchtkranke oder Gewalttäter. Auch durch den Blick der Medien eröffnet sich meist nur eine begrenzte und eher negative Sicht auf eine Generation, die uns doch besonders wichtig sein sollte. Denn Kinder und Jugendliche gehören schon heute zu einem knappen Gut. Dieses zahlenmäßige Missverhältnis zwischen nachwachsenden und älteren Bevölkerungsgruppen ist aber nur ein Aspekt von vielen, der die veränderten Bedingungen beschreibt, unter denen junge Menschen heute aufwachsen. Diese Veränderung ist in vielerlei Hinsicht durch Verluste geprägt: den Bedeutungsverlust der traditionellen Milieus, den Verlust kollektiver Lebenslaufmodelle, den Verlust dauerhafter Arbeitsstellen. Diesen verloren gegangenen Fixpunkten steht eine kaum noch überschaubare, globalisierte Welt der unbegrenzten Konsumangebote und Wahlmöglichkeiten gegenüber sowie eine Wissensgesellschaft, in der sich die Individuen mehr denn je ständig neu erfinden müssen. Angesichts dieses massiven sozialen Wandels ist eine kohärente Kinder- und Jugendpolitik wichtiger denn je.


Deren Fokus liegt derzeit auf den jüngeren Kindern - ihrer qualitativ hochwertigen Bildung und Betreuung sowie ihrem Schutz vor Vernachlässigung und Misshandlung. Es ist richtig, hier möglichst früh mit Bemühungen anzusetzen, aber sie dürfen nicht nachlassen, wenn die Kinder älter werden. Ihre Träume und Hoffnungen, Konflikte und Enttäuschungen müssen wir ernst nehmen und diese jungen Menschen aktiv in die Gestaltung unserer Gesellschaft miteinbeziehen. Nach der Devise: "Mehr MIT jungen Menschen arbeiten, weniger FÜR sie!" Wie deren Vorstellungen von Mitbestimmung und Forderungen im Einzelnen aussehen, formulieren Marah Köberle und Jonathan Mack in ihrem "Blick von außen". Sie haben als Delegierte 2007 bei der UN-Generalversammlung die Anliegen junger Menschen aus Deutschland vertreten.

Neben der Partizipation sind eine langfristig angelegte, intensive Forschung und die Zusammenschau zuverlässiger sozialwissenschaftlicher Daten die unabdingbare Grundlage für eine solide und verantwortungsbewusste Jugendpolitik, die jungen Menschen ein gerechtes und gutes Aufwachsen ermöglichen soll. Dafür steht seit Jahren die Arbeit des Deutschen Jugendinstituts, das 2007 mit der Einrichtung der "Arbeitsstelle Kinder- und Jugendpolitik" nochmals einen deutlichen Akzent auf eine integrierte abteilungsübergreifende Herangehensweise gesetzt hat. Deren Leiterin Dr. Tanja Betz warnt im "Interview" vor der Einschätzung, Kinder- und Jugendpolitik sei alleinige Aufgabe des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: "Die gesellschaftspolitischen Themen liegen quer zu den Aufgabenfeldern des Ministeriums. Migration, Armut, Bildung - welche Themen auch immer auf die politische und öffentliche Agenda kommen: Es handelt sich um jugendpolitisch relevante Themen, die weit über die Ressortzuständigkeit hinausgehen."

Neben der Wahrnehmung eigener Forschungsaufgaben unterstützt die Arbeitsstelle die 15 ExpertInnen des Bundesjugendkuratoriums. Deren Vorsitzende Dr. Claudia Lücking-Michel verdeutlicht in ihrem "Blick von außen" einige Positionen des Kuratoriums und erläutert, wo es Schwerpunkte setzt. So fordert das Gremium unter anderem, interkulturelle Bildung als Querschnittsaufgabe des Bildungssystems für alle Beteiligten gewinnbringend in den schulischen Alltag einzubeziehen, zum Beispiel durch den von den Kindern und Jugendlichen überwiegend gewünschten "Religionsunterricht für alle". Außerdem seien abweichendes Verhalten von Jugendlichen im Rahmen der sozialen Bedingungen des Aufwachsens zu beurteilen und bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund keine diffamierenden Bezeichnungen wie "Ausländerkriminalität" zu verwenden. Ebenso trage eine Forschung, die komplexe Zusammenhänge ENTWEDER in Migrations- ODER in sozialen Kategorien analysiere nur zur Verfestigung kultureller Stereotype bei.

Weitere Informationen:


Andrea Macion, Deutsches Jugendinstitut e.V.
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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