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Deutsches Jugendinstitut e.V., 03.04.05

DJI Online: Rechtsextremismus bei Jugendlichen

Woran liegt es, wenn Jugendliche sich in fremdenfeindlichen und rechtsextremen Gruppierungen "stark" machen? Genaue Ursachenforschung ist entscheidend für den Erfolg von Projekten und Programmen zur Prävention solcher Tendenzen. Ebenso wichtig ist es zu prüfen, welchen Effekt die Maßnahmen haben, die die Bundesregierung unterstützt. Diese Aufgabe hat u.a. ein Projekt des Deutschen Jugendinstituts übernommen, in dem die diversen Ansätze dokumentiert und evaluiert werden.

Zwischen August 2003 und Mai 2004 wurden insgesamt zehn Brandanschläge auf ausländische Imbisse und Restaurants im brandenburgischen Havelland verübt. Die Täter wurden kürzlich verurteilt. Generalstaatsanwalt Erardo Rautenberg sah im Urteil ein wichtiges Zeichen, "dass man den Anfängen einer solchen Entwicklung deutlich entgegentritt". Allerdings bemerkte die Richterin Gisela Tharen-Daig: "Wir konnten nicht herausfinden, wie sich 14- bis 18-Jährige zu einem Bekenntnis zum Nationalsozialismus hinreißen lassen." Genau diese Frage ist zu beachten, wenn Präventions- oder Resozialisierungs-Maßnahmen wirklich greifen sollen.


Der Sozialwissenschaftler Klaus Wahl (Deutsches Jugendinstitut), den wir im Profil näher vorstellen, weist darauf hin, dass rechtsextreme Jugendliche nicht mit 17 Jahren vom Himmel fallen. "Sie haben eine emotionale und soziale Vorgeschichte." Im Interview tritt er Thesen entgegen, die Fremdenfeindlichkeit ausschließlich mit sozioökonomischen Ursachen erklären wollen und plädiert für sehr frühe präventive Maßnahmen, am besten schon im Kindergartenalter.

Wie die konkrete Arbeit mit den Jugendlichen vor Ort aussieht, beschreibt Markus Kowalzyck im Blick von außen. In Mecklenburg-Vorpommern führt er unterrichtsbegleitende, langfristig angelegte Trainingsprogramme für Jugendliche durch.

Eine Reihe von Experten glaubt, dass der beste Kampf gegen den Rechtsextremismus in der Stärkung der Zivilgesellschaft liegt. 2001 startete die Bundesregierung deswegen das Aktionsprogramm "Jugend für Toleranz und Demokratie". Mit jährlich 10 Millionen Euro werden die unterschiedlichsten Aktionen und Maßnahmen zur Prävention und Bekämpfung von Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus gefördert. Mit der wissenschaftlichen Begleitung des Teil-Programms ENTIMON wurde das Deutsche Jugendinstitut beauftragt. Dazu gehören u.a. die Dokumentation und die Evaluation der Umsetzung von Programmzielen. (Details in Auf einen Blick).

Bücher und Materialien zum Thema, die DJI-MitarbeiterInnen im Zusammenhang mit diversen DJI-Projekten verfasst haben, sind in der Rubrik Literatur zusammengestellt. "Der frühe Vogel fängt den Wurm?!" heißt zum Beispiel die jüngste Veröffentlichung der "Arbeitsstelle Rechtextremismus und Fremdenfeindlichkeit" des DJI in Halle. Sie umfasst mehrere Beiträge zum sozialen Lernen und zur Prävention von Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus in Kindergarten und Grundschule.

Weitere Informationen:


Dr. Barbara Keddi, Deutsches Jugendinstitut e.V.
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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