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Universität Augsburg, 06.10.05

Deutschland ist Eckball-Weltmeister

Wild hat sämtliche 139 Eckbälle des internationalen Fed-Cup-Turniers im Juli 2005 untersucht. Im Vergleich aller teilnehmenden Mannschaften, darunter die Weltspitzenteams aus Argentinien und Brasilien, ergab sich, dass Deutschland zum einen die meisten gefährlichen Ecken ausführte (30 Prozent gegenüber durchschnittlich 21,2 Prozent), zum anderen aber vor allem mit großem Abstand am wenigsten gefährliche Ecken zuließ: 6,9 Prozent. Dieses Ergebnis ist auch deshalb bemerkenswert, weil es die vermeintlich schwache Eckballbilanz der Klinsmann-Elf widerlegt, von der in der Presse immer die Rede ist.


KONSEQUENT UND SYSTEMATISCH WIE KEIN ANDERES TEAM

"Ziel von Wilds Studie war es, ein Beobachtungssystem für Eckbälle zu konstruieren, mit dem man hinreichend präzise und objektiv die entscheidenden Merkmale erfassen kann. Dass wir damit nun die Mannschaften so trennscharf bezüglich ihrer Eckball-Taktik analysieren können, hatten wir zuvor selbst nicht erwartet", erläutert Lames. So zeige sich, dass der Erfolg der Deutschen kein Zufall ist, sondern unter Teamchef Klinsmann gezielt erarbeitet wurde. Im Angriff wartet man nicht auf den Ball, sondern drei oder vier der Angreifer bewegen sich auf abgestimmten Laufwegen. In der Abwehr werden systematisch die beiden Pfosten abgedeckt, die gegnerischen Angreifer in Manndeckung genommen und zusätzlich noch zwei Spieler im gefährdeten Raum postiert. "So konsequent und systematisch wie die Deutschen war diesbezüglich kein Team beim Fed-Cup", stellt Wild fest: "Der Lohn ist der Titel des Eckball-Weltmeisters."

AUCH BEI ECKBÄLLEN EHER INDIVIDUELL: DIE SÜDAMERIKANER

Für Andreas Wild, selbst langjähriger Amateur-Fußballer und Jugendtrainer, war es erstaunlich zu sehen, wie man sich noch auf höchstem Leistungsniveau durch gezieltes Training Vorteile verschaffen kann und wie sich der Charakter der einzelnen Mannschaften schon in diesen kleinen Details zeigt: "Die Brasilianer legen offensichtlich wenig Wert auf einstudierte Varianten, sie wollen auch bei Eckbällen durch Einzelaktionen zum Erfolg kommen, ihr Abschneiden war allerdings unterdurchschnittlich."

VIELLEICHT KÖNNTE EIN WENIG MEHR FLEXIBILITÄT ...

Aber auch für die Eckball-Weltmeister haben die Augsburger Forscher noch einen Tipp: "Insbesondere von den südamerikanischen Mannschaften kann man noch etwas Cleverness lernen. Sie führen bei eigener Führung gegen Ende des Spieles fast nur noch kurze Ecken aus. Das ist in dieser Situation ein probates Mittel, um den Ballbesitz zu sichern. Deutschland dagegen zieht sein Schema bis zur letzten Minute durch - und riskiert dadurch regelmäßig einen Ballverlust mit Kontermöglichkeit" so Lames. "Vielleicht könnte man mit ein wenig mehr Flexibilität bei der WM 2006 die Spiele ruhiger nach Hause schaukeln."
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ANSPRECHPARTNER:
Prof. Dr. Martin Lames
Institut für Sportwissenschaft der Universität Augsburg
Telefon 0821/598-2824
martin.lames@sport.uni-augsburg.de


Klaus P. Prem, Universität Augsburg
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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