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Friedrich-Schiller-Universität Jena, 04.02.05

Demokratie schon in der Schule verankern

Politikdidaktiker der Universität Jena stellt neues Themenheft "Werte" für Sozialkundeunterricht vor


Jena (04.02.05) "Wir verfolgen den Thüringen Monitor (Bürgerbefragung zu politischen Einstellungen), den unsere Kollegen durchführen, mit großer Aufmerksamkeit und ziehen Konsequenzen für den Sozialkundeunterricht an den Schulen", sagt Prof. Dr. Carl Deichmann von der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Der Politikdidaktiker entwickelt in Zusammenarbeit mit Fachleitern in Studienseminaren, Lehrern und Lehramtsstudenten neue Unterrichtskonzepte. Nicht von ungefähr hat er sich in seinem jüngsten Projekt zum fächerübergreifenden Lernen mit dem Thema "demokratische Werte" befasst. "Die Schüler sollen durch den Sozialkundeunterricht in die Lage versetzt werden, ihre Rechte als Bürger wahrzunehmen", sagt Deichmann. "Dazu ist es notwendig, ihnen Grundwerte wie Freiheit, Gleichheit, soziale Gerechtigkeit und Toleranz, auf denen unsere demokratische politische Ordnung basiert, zu vermitteln". Wie dies im Unterricht angemessen und dennoch lebendig und zeitgemäß erfolgen kann, wird in der neuen Broschüre für politische Bildung mit Begleit-CD vorgestellt, die gerade erschienen ist. Das neue Themenheft "Werte", das die Jenaer Wissenschaftler in Zusammenarbeit mit dem Thüringer Institut für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien (ThILLM) erstellt haben, gibt Sozialkundelehrern Anregungen zum Unterrichtsaufbau.


Das Heft ist in drei Module unterteilt: "Demokratie", "Ich-Du-Beziehungen" und "Frieden" und orientiert sich am Thüringer Lehrplan für Sozialkunde. Auf der Begleit-CD finden sich Unterrichtsmaterialien wie Textauszüge, historische Zitate, Links zu informativen Webseiten, Organigramme, aber auch Beispieldialoge oder ein fiktives Gespräch zwischen zwei Philosophen. Ein Ansatz der modernen Politikdidaktik ist, Schülern in Rollenspielen die politischen Entscheidungsprozesse näher zu bringen. Indem sie beispielsweise in Gruppen Friedensverhandlungen führen, begreifen sie die Aufgaben der Vereinten Nationen.

"Sie trainieren aber auch ihre Bürgerrolle im Unterricht", erklärt Deichmann. In den angeleiteten Debatten müssen sie ihre Kontrahenten ausreden lassen, andere Meinungen tolerieren lernen, ihre eigenen Argumente überprüfen und einen Konsens finden. "Solche Werte wie die Konsensfindung stellen die Begründungen für politisches Handeln in unserer Gesellschaft dar", verdeutlicht der Jenaer Politikdidaktiker. "Als die NPD-Abgeordneten im sächsischen Landtag die Gedenkminute für die Opfer des Holocaust boykottierten, haben sie den Wert der Demokratie an sich in Frage gestellt. Denn es existiert ein politischer Konsens darüber, wie und warum eine solche Gedenkminute abgehalten wird", zitiert Deichmann ein aktuelles Beispiel. Solche Ereignisse, aber auch die antisemitischen und rechtsextremen Tendenzen, die der Thüringen Monitor trotz allem ermittelt hat, zeigen, wie wichtig es ist, dass Schülern im Unterricht die Fähigkeit zur Analyse des Umgangs mit Werten vermittelt wird", bekräftigt Prof. Deichmann. Genau hier setze das neue Themenheft an.

"Die praktischen Teile sind bereits im Unterricht erprobt worden", sagt der Politikdidaktiker. Es wurde darauf geachtet, dass die Vorschläge auch wirklich in der einen Wochenstunde umsetzbar sind, die im Thüringer Lehrplan vorgesehen ist. Aus seiner Erfahrung weiß der Jenaer Wissenschaftler, dass noch immer ein Unterschied zwischen seinen politikdidaktischen Theorien und dem Schulalltag besteht. "Wir verstehen unsere neue Broschüre und die CD als Angebot. Es liegt natürlich an den Lehrern, z. B. tagesaktuelle Beispiele einzubeziehen", so Deichmann. Das Themenheft richtet sich an all diejenigen, die in der politischen Bildung tätig sind oder werden wollen. Sie ist an alle Schulen Thüringens sowie an die Organisationen und Stiftungen versandt worden, die sich mit politischer Bildung beschäftigen.

Das neue Themenheft Politische Bildung "Werte" kann beim ThILLM bestellt werden. Die Schutzgebühr beträgt 6 Euro: ThILLM, Heinrich-Heine-Allee 2-4, PF 52, 99438 Bad Berka, Fax: 036458/56-300.

Kontakt:
Prof. Dr. Carl Deichmann
Institut für Politikwissenschaft der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Ernst-Abbe-Platz 8, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 945490
Fax: 03641 / 945492
E-Mail: Carl.Deichmann@uni-jena.de

Weitere Informationen:


Stefanie Hahn, Friedrich-Schiller-Universität Jena
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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