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Ruhr-Universität Bochum, 27.11.07

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Ruhr-Universität Bochum, 27.11.07

Schlagworte

Cicero, Religion

Ciceros eigene Haltung zur Religion - eine Fälschung: RUB-Forscher veröffentlicht erste deutsche Übersetzung

Merkwürdig römisch-katholisch

Erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts entdeckte ein Franziskanerpater namens Seraphinus in einer alten Handschrift das vermisste vierte Buch Ciceros; seine Publikation geriet jedoch in Vergessenheit. Mit dem Fund war aber endlich das Rätsel der verlorenen Götterlehre Ciceros gelöst: Man konnte lesen, dass der skeptische Philosoph in Wahrheit die Lehre von einer universalen Urreligion vertrat, die einem sensus internus, einem inneren Gefühl der Religiosität entstammt. Damit greift Cicero merkwürdigerweise ein Thema auf, das in der religionsphilosophischen Diskussion an der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert heftig umstritten war (Fichte und Kant vs. Schleiermacher u.a.). Noch merkwürdiger ist, dass die kultischen Details der Urreligion in vielerlei Hinsicht römisch-katholisch anmuten: So behauptet Cicero beispielsweise den Vorrang der Tradition vor der Offenbarung und sogar die Unfehlbarkeit des römischen Pontifex Maximus in rebus fidei et morum.

Raffinierter Pfarrer

Natürlich ist das Werk eine Fälschung. Der Verfasser ist ein protestantischer Pfarrer und Schulmann, ein gewisser D. Hermann Heimart Cludius (1754-1835), Superintendent in Hildesheim. Er fingierte dieses Werk mit einem erstaunlichen Gespür für die Dialogtechnik und den Stil Ciceros, setzte aber auch deutliche Ironiesignale, so dass man das vierte Buch leicht als Fiktion erkennen konnte. "Es ist ein bemerkenswertes Dokument sowohl philologischer Raffinesse als auch zeitgenössischer philosophischer und konfessioneller Diskussionen, das der Vergessenheit entrissen zu werden verdient", erklärt Prof. Glei. Er geht in seiner kritischen Edition unter anderem der Rezeption des Werkes nach.

Titelaufnahme

Reinhold F. Glei: Ciceros verlorene Götterlehre: Das vierte Buch De natura deorum. Einleitung, Edition, Übersetzung mit Erläuterungen (= Bochumer Altertumswissenschaftliches Colloquium, Bd. 76), 213 Seiten, Trier 2008

Weitere Informationen

Prof. Dr. Reinhold F. Glei, Seminar für klassische Philologie der Ruhr-Universität Bochum, 44780 Bochum, Tel. 0234/32-22761/-28761, GB 2/62, E-Mail: reinhold.f.glei@rub.de


Dr. Josef König, Ruhr-Universität Bochum
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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Marcus Tullius Cicero (* 3. Januar 106 v. Chr. in Arpinum; † 7. Dezember 43 v. Chr. bei Formiae) war ein römischer Politiker, Anwalt und Philosoph, der berühmteste Redner Roms und Konsul im Jahr 63 v. Chr. Wikipedia


 
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Als Religion bezeichnet man eine Vielzahl unterschiedlicher kultureller Phänomene, die menschliches Verhalten, Handeln und Denken prägen und Wertvorstellungen normativ beeinflussen. Es gibt keine wissenschaftlich allgemein anerkannte Definition des Begriffs Religion. Wikipedia


 

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