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Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, 04.10.02

Bücherwürmer in der Frührenaissance

Seinen beispiellosen Siegeszug verdankt das Buch vor allem der Erfindung der Druckerpresse Mitte des 15. Jahrhunderts durch den Mainzer Johannes Gutenberg. Doch schon zuvor bestand in verschiedenen Gesellschaftsschichten eine große Nachfrage nach religiöser und fachlicher Literatur, die Gutenbergs Erfindung auf besonders fruchtbaren Boden fallen ließ. Zu diesem Schluss kommt Dr. Anselm Fremmer, der in seiner Dissertation an der Universität Bonn mit dem Titel "Venezianische Buchkultur" den Ursachen der durch Gutenberg ausgelösten Medienrevolution nachspürt.

Gut 16.000 Jahre würde der deutsche Durchschnittsleser bei seinen 20 Büchern pro Jahr benötigen, um sich durch das diesjährige Angebot der Frankfurter Buchmesse zu kämpfen: Die Aussteller präsentieren 330.467 Titel, darunter allein 78.257 Neuerscheinungen. Seinen beispiellosen Siegeszug verdankt das Buch vor allem der Erfindung der Druckerpresse Mitte des 15. Jahrhunderts durch den Mainzer Johannes Gutenberg. Doch schon zuvor bestand in verschiedenen Gesellschaftsschichten eine große Nachfrage nach religiöser und fachlicher Literatur, die Gutenbergs Erfindung auf besonders fruchtbaren Boden fallen ließ. Zu diesem Schluss kommt Dr. Anselm Fremmer, der in seiner Dissertation an der Universität Bonn mit dem Titel "Venezianische Buchkultur" den Ursachen der durch Gutenberg ausgelösten Medienrevolution nachspürt.


Der Bonner Historiker - inzwischen bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) beschäftigt - geht in seiner Doktorarbeit der Frage nach, inwieweit sich das handschriftlich gefertigte Buch vor der Einführung der Druckerpresse in verschiedenen Lebensbereichen bereits durchgesetzt hatte. Dazu recherchierte er im Staatsarchiv von Venedig - die dortige umfangreiche Sammlung von Testamenten, Nachlassinventaren, Rechnungsbüchern und Verkaufslisten gibt einen guten Einblick in die Vermögensverhältnisse der Venezianer im 14. und 15. Jahrhundert.

Dr. Fremmer ermittelte 255 venezianische Buchbesitzer zwischen 1311 und 1498, für die auch Aufstellungen ihrer Handschriften existierten. "Die Quellen bestätigen eine wachsende Verwendung von Büchern", so der Historiker. "Zunehmend waren neben kostbaren Prachthandschriften auch preisgünstigere Bücher für den täglichen Gebrauch im Umlauf." Staatsdiener, Kleriker, Schulmeister, Ärzte, selbst einige Handwerker legten sich fachliche Abhandlungen zu - von einzelnen Bänden bis hin zu ganzen Privatbibliotheken. "Vor allem die Verbreitung religiöser Werke nahm zu, insbesondere bei Frauen und bei der wachsenden Anzahl von Buchbesitzern aus mittleren Vermögensschichten." Humanistisches Gedankengut und schöngeistige Literatur verbreiteten sich indes vornehmlich unter den wohlhabenden Venezianern.

Die Untersuchung zeigt, dass die Erfindung der Druckerpresse durch Johannes Gutenberg wohl auch deshalb in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts ihren Siegeszug antreten konnte, weil schon zuvor eine wachsende Nachfrage nach "Geschriebenem" eingesetzt hatte. Die Druckerpresse erlaubte nun, mittels beweglicher Lettern Bücher in hundertfach höherer Auflage herzustellen, als es zuvor handschriftlich möglich gewesen war. Von Gutenbergs Gesellen wanderten viele in das reiche Italien aus, da es dort leichter war, Investoren zu finden. Bereits nach wenigen Jahren produzierten ihre Werkstätten Bücher in tausendfacher Auflagenhöhe, die sie nach ganz Europa exportierten und die ihnen satte Gewinne einbrachten. Dr. Fremmer: "Im Gegensatz zu anderen Erfindungen und Entdeckungen der Zeit stieß das gedruckte Buch auf ein großes Interesse und erschloss sich rasch unterschiedliche Käuferschichten."

Anselm Fremmer: Venezianische Buchkultur. Bücher, Buchhändler und Leser in der Frührenaissance. Böhlau-Verlag Köln.

Ansprechpartner:
Dr. Anselm Fremmer
Telefon: 0228/885-2397
E-Mail: Anselm.Fremmer@DFG.de


Frank Luerweg, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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