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Universität zu Köln, 20.10.05

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Universität zu Köln, 20.10.05

BRAVO begründete Studentenrevolte

BRAVO begründete Studentenrevolte
Neue Frauenbewegung und gesellschaftlicher Umbruch in den 60er Jahren

Die Weiblichkeitsbilder der Jugendzeitschrift "Bravo" können als Vorläufer des geisti-gen Umbruchs nach 1965 gesehen werden. Aus den Studentenrevolten von 1968 entstand die sogenannte Frauenbewegung, die sich für Selbstbestimmtheit und Gleichberechtigung einsetzte. Das Magazin unterstützt von Beginn an kein determi-nistisches Frauenbild. Im Rahmen der damaligen Moralvorstellungen, werden seit 1956 verschiedene Konzepte der Weiblichkeit vorgestellt. Kontroverse Starportraits von der Rolle als Mutter und Ehefrau, Geschäftsfrau bis hin zur sinnlich erotischen Frau finden Platz in der Bravo. Zu diesem Ergebnis gelangt Wiebke Nieland in einer Untersuchung, die sie am Historischen Seminar der Universität zu Köln angefertigt hat.


Ab 1960 setzt eine erotisierende Darstellung des weiblichen Körpers in der Bravo ein. Jedoch macht die Bravo nur ausländische Frauen zu "Sex-Idolen". Berühmte Persönlichkeiten wie die Schauspielerinnen Brigitte Bardot oder Marilyn Monroe wer-den in figurbetonter Kleidung in aufreizenden Posen, auf Betten, Filmsets oder in Cafés abgelichtet. In dem Zeitraum von 1956 bis 1965 gibt es kein deutsches Man-nequin, das mit dem in Szene gesetzten Sexappeal der internationalen Stars ver-gleichbar wäre. Die Gründe dafür liegen in der konservativen Familienpolitik des da-maligen Bundeskanzlers Adenauers. Die deutsche Gesellschaft erwartete in den 50er und 60er Jahren, dass Frauen jungfräulich in die Ehe gehen, ihre berufliche Karriere beenden, um nur noch für die Familie da zu sein.
Ausserem gibt es keine Überschneidungen des Bildes der traditionellen Rolle der Frau als Ehefrau und Mutter mit dem der modernen Geschäftsfrau. So werden in Ar-tikeln über erfolgreiche Geschäftsfrauen anstelle der weiblichen Akzente, eher Mas-kuline im Bild umgesetzt: Unter dem Titel "Caterina ist ?ne Wucht" posiert Caterina Valente 1959 in einer Hose gekleidet und suggeriert dadurch den selbstbewussten, geschäftstüchtigen Star. Laut Nieland wird der überwiegend weiblichen Leserschaft der Eindruck vermittelt, dass dem Mann die eigentliche Versorgerrolle zukommt. Junge Mütter werden in häuslicher Atmosphäre abgelichtet: am Wickeltisch, beim Geben der Flasche oder beim Spazieren mit dem Kinderwagen. Das Thema "Ehe und Familie" wird in den Jahren 1956 bis 1965 von der Bravo öfter herausgebracht, als Themen über "die erfolgreiche Geschäftsfrau". So berichtet die Bravo 1957 über die traditionell gehaltene Hochzeitszeremonie von Maria Schell unter Tränen und mit ernsten Mienen. Lieselotte Pulver heiratet 1961 unkonventioneller im knielangen Brautkleid und tanzt fröhlich mit ihrem Ehemann anstelle des traditionellen Hoch-zeitswalzers ChaChaCha.

In der Zeit von 1956 bis 1965 schmücken deutsche Stars wie Romy Schneider, Cate-rina Valente und Christine Kaufmann die Titelseiten der Bravo. Bereits zu diesem Zeitpunkt avancierte das Blatt mit dem damaligen Titel "Bravo - Die Zeitschrift für Film und Fernsehen" von einem Magazin für Erwachsene zunehmend zu einer Illust-rierten für Kinder und Jugendliche. Bereits 1960 sind zwei Drittel der Leser zwischen 12 und 24 Jahre alt. Zur damaligen Zeit ist der Star-Kult des "Teenagers" durchge-hend beliebt. In der Zeit von 1956 bis 1959 verkörpern die Schauspielerinnen Romy Schneider und Heidi Brühl zugleich Anmut und sexuelle Unberührtheit. Über die Jah-re hinweg entwickeln sich die "niedlichen und fröhlichen" Kinderstars zu jungen Er-wachsenen, auch dieses wird eingehend von der Bravo kommentiert. Das Magazin tituliert 1960 über Christine Kaufmann "Du wächst!!!" und über Romy Schneider ihr "Blick ist Tiefer geworden".

Verantwortlich: Christine Willen

Für Rückfragen steht Ihnen Wiebke Nieland unter der Telefonnummer: 0176 / 20183976 und unter der E-Mail-Adresse: Wiebke.Nieland@gmx.de zur Verfügung.
Unsere Presseinformationen finden Sie auch im World Wide Web unter http://www.uni-koeln.de/pi/.


Gabriele Rutzen, Universität zu Köln
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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