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VolkswagenStiftung, 27.02.01

Blick zurück nach vorn

Neuerscheinung im Handbuch der historischen Buchbestände in Europa - Band zur Slowakischen Republik wird am 2. März 2001 in der slowakischen Nationalbibliothek in Martin übergeben.

Je schnelllebiger unsere Zeit wird, um so wichtiger ist es, das zu bewahren, was man historische Bodenhaftung nennen könnte. Unsere Geschichte ist mehr als unsere Vergangenheit, sie ist das, was uns - unser Denken, Empfinden, Handeln - geprägt hat und unsere Entscheidungen für die Zukunft mit bestimmt. Darum ist die Beschäftigung mit Geschichte, ob sie nun punktuell und "amateurhaft", also aus Liebhaberei, oder systematisch und professionell betrieben wird, mehr als pure Neugier. Der Blick zurück kann zum Blick nach vorn werden.


Unerlässlich für jede Beschäftigung mit der Geschichte sind Quellen, wie sie in Archiven, Museen und nicht zuletzt in Bibliotheken gesammelt sind. Zu den Bibliotheken gibt es mittlerweile einen neuen, von der VolkswagenStiftung ermöglichten Zugang: das Handbuch der historischen Buchbestände. Es erschließt als "Handbuch der historischen Buchbestände in Deutschland" 23-bändig die Bibliotheken in den verschiedenen Bundesländern und findet Ergänzung in dem vierbändigen "Handbuch der historischen Buchbestände in Österreich" sowie dem auf acht Bände angelegten "Handbuch deutscher historischer Buchbestände in Europa", das im nächsten Jahr vollständig vorliegen wird.

Ein weiteres Werk des "Handbuchs deutscher historischer Buchbestände in Europa" kann jetzt der Öffentlichkeit übergeben werden: Am 2. März wird in der slowakischen Nationalbibliothek in Martin in Anwesenheit von Dr. Wilhelm Krull, Generalsekretär der VolkswagenStiftung, der besonders umfangreiche Band 4 präsentiert; er erschließt die Bestände in der Slowakischen Republik. Die darin aufgeführten Bibliotheken repräsentieren ein breites Spektrum des Landes: von der Nationalbibliothek über die Universitäts- bis hin zu Kirchen- und Schulbibliotheken.

Wie in anderen europäischen Ländern - etwa Polen, Ungarn und Tschechien -, für die in den vergangenen Jahren Handbücher erarbeitet wurden, finden sich auch in der Slowakei viele Werke deutscher Sprache zunächst im Bestand der Nationalbibliothek. Diese ist zwar jüngeren Ursprungs als manch andere Nationalbibliothek Mitteleuropas, besitzt aber gleichwohl eine erhebliche Zahl von Drucken deutscher Sprache. Ähnliches trifft auch zu auf die Universitätsbibliothek in Bratislava (Preßburg).

Für die Slowakei gilt wie für andere Staaten Mittel- und Osteuropas, dass - aus hiesiger Perspektive - längst vergangene Epochen ihre ganz eigenen Spuren hinterlassen haben. So sind eine Reihe von Beständen deutscher Provenienz zurückzuführen auf die enge Verbindung zwischen der Slowakei und Deutschland vor dem Hintergrund der Besiedlung durch die Zips, deutschen Einwanderern, die das Vorland der Hohen Tatra bereits im 12. und 13. Jahrhundert zu besiedeln begannen. Zahlreiche Orte wurden damals neu gegründet, die Verwaltung war ebenso durch deutsche Vorbilder geprägt wie der Bergbau und das Handwerk. All das schlug sich entsprechend nieder in Sprache, Brauch- und Schrifttum.

Die über Jahrhunderte reichende deutsche Kulturtradition dieses Gebietes ist dokumentiert in alten Bibliotheken unterschiedlichen Ursprungs, vor allem in Schul- und Kirchenbibliotheken. Sie weisen zum Teil - insbesondere im Hinblick auf Alter und Umfang - erstaunliche Bestände auf. Das Handbuch veranschaulicht somit zugleich ein Kapitel deutsch-slowakischer Kulturgeschichte, das für beide Länder in gleicher Weise bedeutend ist.

Ein paar Worte zum gesamten Handbuchprojekt:
Das Werk erschließt regional unterteilt die Bestände des deutschsprachigen Schrifttums vom Beginn des Buchdrucks bis zum Ausgang des 19. Jahrhunderts. Das Handbuch versteht sich dabei als weit reichendes Inventar und listet neben Büchern auch Zeitschriften, Zeitungen, Musikdrucke, Karten und "beiläufiges" Schrifttum; nicht jedoch Handschriften. Es ist ein Wegweiser zu den Bestandskomplexen in den einzelnen Bibliotheken und sagt dem Benutzer, wo er Bestände bestimmter Sachgebiete in welcher Größenordnung findet.

Für die Erarbeitung des gesamten Werkes, das im Georg Olms Verlag in Hildesheim erscheint, hat die VolkswagenStiftung in den vergangenen Jahren 10,6 Millionen Mark zur Verfügung gestellt. Herausgeber ist der Münsteraner Anglist und Buchwissenschaftler Professor Dr. Bernhard Fabian, der mit seiner ebenfalls von der VolkswagenStiftung geförderten Schrift "Buch, Bibliothek und wissenschaftliche Forschung" (Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1983) Aufsehen erregende Vorschläge für eine Verbesserung der Versorgung mit Literatur gemacht hat.

Kontakt: Professor Dr. Bernhard Fabian, Tel.: 0 25 01/54 92


Dr. Christian Jung, VolkswagenStiftung
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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