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GESIS - Gesellschaft Sozialwissenschaftlicher..., 11.09.07

Berufstätigkeit von Müttern bleibt kontrovers

Die Ostdeutschen sind wie in keinem anderen Land der EU - mit Ausnahme der skandinavischen Länder Dänemark, Finnland und Schweden - von der Vereinbarkeit von Familie und Beruf überzeugt. In Westdeutschland werden die Konsequenzen der Erwerbstätigkeit der Frau dagegen wesentlich kritischer betrachtet als in vielen anderen europäischen Ländern.

Unvereinbarkeit von Beruf und Familie aus Sicht der Europäer, 2006: Schwarze Linie: "Eine berufstätige Mutter kann zu ihrem Kind eine genauso warme und feste Beziehung aufbauen wie eine Mutter, die nicht berufstätig ist." Prozentanteile "stimme überhaupt nicht zu" und stimme eher nicht zu". Mittelgraue Linie: "Alles in allem leidet das Familienleben darunter, wenn die Frau Vollzeit arbeitet." Prozentanteile "stimme voll zu" und "stimme eher zu". Hellgraue Linie: "Ein Vorschulkind leidet wahrscheinlich darunter, wenn die Mutter berufstätig ist." Prozentanteile "stimme voll zu" und "stimme eher zu". Ländersortierung erfolgt nach dem Mittelwert der Länderanteile zu den drei Indikatoren (Linie mit Rauten).

Zu diesen Ergebnissen kommen Angelika Scheuer und Jörg Dittmann in ihrer Studie (2007) über Einstellungen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie in Deutschland und Europa.

In nahezu allen Industriegesellschaften hat in den letzten Jahrzehnten zwar ein nachhaltiger Einstellungswandel zur Erwerbstätigkeit der Frau und der Kinderbetreuung stattgefunden. Westdeutsche stehen der Erwerbstätigkeit von Müttern jedoch nach wie vor wesentlich skeptischer gegenüber als Ostdeutsche. In Ostdeutschland sieht nur ein Drittel (34%) in der Vollzeiterwerbstätigkeit der Frau ein Problem für die Familie, während es in Westdeutschland fast drei Viertel (72%) - und damit deutlich mehr als im EU-Durchschnitt (63%) - sind. Der Konflikt zwischen Beruf und Familie kommt verschärft zum Ausdruck, wenn nach den Auswirkungen speziell für kleine Kinder gefragt wird. Auch hier überwiegt europaweit die Skepsis hinsichtlich der Vereinbarkeit: 61% der Europäer stimmen der Aussage zu, dass ein Vorschulkind unter der Berufstätigkeit der Mutter leidet. Am seltensten wird diese Befürchtung in Ostdeutschland (23%) gehegt. In Westdeutschland überwiegen wiederum die Skeptiker (60%).

Zudem offenbart sich bei den Westdeutschen ein gesellschaftlicher Konflikt darüber, ob Mütter arbeiten sollten oder nicht, während die Ostdeutschen dies vergleichsweise einhellig befürworten. In den alten Bundesländern betrachten vor allem die Älteren - und insbesondere die über 65-Jährigen - sowie Personen mit niedrigem Bildungsniveau eine Berufstätigkeit der Mutter deutlich kritischer als die Jüngeren und Höhergebildeten. Damit zeigt sich in Westdeutschland ein Generationenkonflikt, da offensichtlich im Zuge der Bildungsexpansion ein Wertewandel stattgefunden hat. Solch ein strukturell verankerter Konflikt ist denn auch von großer Dauerhaftigkeit, so dass die Debatte über die Berufstätigkeit von Müttern in Zukunft wenn überhaupt, nur langsam nachlassen wird.

Kontakt:

Dittmann, Jörg, Scheuer, Angelika (2007): Berufstätigkeit von Müttern bleibt kontrovers. In: Informationsdienst Soziale Indikatoren, Heft 38, S. 1-5 (http://www.gesis.org/...iften/ISI/pdf-files/isi-38.pdf)

Dr. Jörg Dittmann, GESIS-ZUMA
Tel.: 0621 / 1246-248
joerg.dittmann@gesis.org

Dr. Angelika Scheuer, GESIS-ZUMA
Tel.: 0621 / 1246-249
angelika.scheuer@gesis.org

Weitere Informationen:


Kerstin Hollerbach, GESIS - Gesellschaft Sozialwissenschaftlicher Infrastruktureinri
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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