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Universitätsklinikum Heidelberg, 17.10.05

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Universitätsklinikum Heidelberg, 17.10.05

Eine Behandlung, die sich lohnt

Chronisch kranke Patienten leiden oft an Depressionen, die erfolgreich behandelt werden können / Auszeichnung für Studien der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg

Privatdozent Dr. med. Dipl.-Psych. Bernd Löwe, Leitender Oberarzt der Klinik für Psychosomatik und Allgemeine Klinische Medizin der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg.
Foto: privat

Wer an einer chronischen Erkrankung leidet, ist oft depressiv und kann auch deshalb nicht mehr arbeiten. Allzu selten wird das psychische Leiden - trotz guter Erfolgsaussichten - nicht behandelt.

Dies sind die Ergebnisse von Studien der Arbeitsgruppe von Privatdozent Dr. med. Dipl.-Psych. Bernd Löwe, Leitender Oberarzt der Abteilung für Psychosomatik und Allgemeine Klinische Medizin des Universitätsklinikums Heidelberg (Ärztlicher Direktor: Professor Dr. Wolfgang Herzog). Die Heidelberger Wissenschaftler untersuchten Patienten, die an chronischem Rheuma oder Lungenhochdruck litten.


Für seine wissenschaftlichen Arbeiten, die neue Wege für die Diagnose und Therapie von psychischen Störungen bei Patienten mit internistischen Erkrankungen eröffnet haben, wurde Dr. Löwe im März 2005 mit dem Römer-Preis 2004 des Deutschen Kollegiums für Psychosomatische Medizin ausgezeichnet.

Mehr als 20 Prozent der Klinikpatienten leiden an Depressionen

Zehn bis 20 Prozent aller Patienten, die in Arztpraxen behandelt werden, leiden an einer Depression. Bei Klinikpatienten ist die Zahl noch höher. "Oft ist dies eine Reaktion auf die körperliche Krankheit und ihre Konsequenzen, etwa den Verlust sozialer Kontakte, " erklärt Dr. Löwe. Den Patienten fehlt der Antrieb, sie können sich nicht konzentrieren, schlafen schlecht und schaffen es nicht mehr, auf andere Menschen einzugehen. Auch Selbstmordphantasien kommen vor.

Wie stark solche Depressionen die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigen, zeigt die Heidelberger Studie, die in Kooperation mit der Rheumaambulanz der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg durchgeführt wurde. Von knapp 360 Patienten mit einer milden rheumatischen Erkrankung waren rund fünf Prozent arbeitsunfähig. Kam eine psychische Störung dazu, waren es 17 Prozent. Bei schweren entzündlich-rheumatischen Erkrankungen stieg die Quote der arbeitsunfähigen Patienten von 25 auf 50 Prozent, wenn gleichzeitig eine psychische Störung vorlag. Depressionen sind demnach ein unabhängiger Risikofaktor zur Entwicklung von Arbeitsunfähigkeit.

Nur jeder vierte chronisch Kranke mit Depressionen wird deswegen behandelt

"Die Untersuchung zeigte auch, dass nur jeder vierte Patient, der unter Depressionen oder einer Angststörung litt, ärztlich behandelt wurde", stellte Dr. Bernd Löwe fest.

Eine zweite Heidelberger Studie bei Patienten mit Lungenhochdruck (Pulmonale Hypertonie) untermauert den Zusammenhang zwischen dem Krankheitsgrad und dem Auftreten von Depressionen oder Angststörungen. Der Lungenhochdruck kann bereits bei jungen Erwachsenen zu Schwindelgefühlen, Luftnot, verringerter Leistungsfähigkeit und Ohnmachtsanfällen führen. In Zusammenarbeit mit der Patientenorganisation "Pulmonale Hypertonie e.V." befragten die Heidelberger Wissenschaftler 164 Patienten aus dem gesamten Bundesgebiet. Demnach litten durchschnittlich 35 Prozent an behandlungsbedürftigen psychischen Störungen; im schwersten Krankheitsstadium waren es bereits 61,9 Prozent. Auch hier, so Dr. Löwe, befanden sich nur 24 Prozent mit behandlungsbedürftigen psychischen Störungen in psychotherapeutischer oder medikamentöser Behandlung.

Gesundheitsfragebogen deckt Depression auf

"Ärzte sagen oft: Natürlich, depressiv wäre ich auch, wenn ich eine solch schwere Krankheit hätte", weiß Dr. Löwe. "Dieses gut gemeinte Verständnis führt jedoch in vielen Fällen zu der falschen Schlussfolgerung, dass der Patient keine spezifische Behandlung für seine depressiven Beschwerden benötige." Viele niedergelassene Ärzte hätten auch nicht die Kenntnisse und die Zeit, Depressionen zu erkennen. Deshalb haben die Heidelberger Wissenschaftler um Dr. Löwe vor vier Jahren einen "Gesundheitsfragebogen für Patienten (PHQ-D)" entwickelt, mit dessen Hilfe sich psychische Störungen einfach und schnell diagnostizieren lassen: Über 80 Prozent der Depressionen werden so entdeckt. Auch mit einer aus nur 2 Fragen bestehenden Kurzform des PHQ-D, dem sogenannten PHQ-2, können Depressionen effizient erkannt werden.

Diesen Tests sollte ein Gespräch mit dem Patienten folgen, um die richtige Therapie einzuleiten. Dann sind die Chancen auf Heilung groß. "70 Prozent der depressiven Verstimmungen können mit Psychotherapie und/oder Medikamenten erfolgreich behandelt werden", betont Dr. Löwe. "Bei den restlichen 30 Prozent ist in den meisten Fällen zumindest eine Besserung zu erreichen."

Mehr Information im Internet

Zum Gesundheitsfragebogen für Patienten (PHQ-D):
www.klinikum.uni-heidelberg.de/index.php?id=6274

Zur Abteilung Psychosomatische Medizin:
www.klinikum.uni-heidelberg.de/index.php?id=3009

Zum Römer-Preis des Deutschen Kollegiums für Psychosomatische Medizin:
www.dkpm.de/roemerpreisetraeger.html

Ansprechpartner:
Privatdozent Dr. med. Dipl.-Psych. Bernd Löwe
Leitender Oberarzt der Klinik für
Psychosomatik und Allgemeine Klinische Medizin

Medizinische Universitätsklinik
Im Neuenheimer Feld 410
69120 Heidelberg

E-Mail: bernd.loewe@med.uni-heidelberg.de

Literatur

1. Löwe B, Willand L, Eich W, Zipfel S, Ho A, Herzog W, Fiehn S. Psychiatric comorbidity and work disability in patients with inflammatory
rheumatic diseases. Psychosom Med. 2004;66:395-402.
2. Löwe B, Gräfe K, Ufer C, Kroenke K, Grünig E, Herzog W, Borst MM.
Anxiety and depression in patients with pulmonary hypertension.
Psychosom Med. 2004;66:831-836.
3. Löwe B, Kroenke K, Gräfe K. Detecting and monitoring depression with a 2-item questionnaire (PHQ-2). J Psychosom Res. 2005;58:163-171.

(Die Originalartikel können bei der Pressestelle des Universitätsklinikums
Heidelberg unter contact@med.uni-heidelberg.de angefordert werden)

Diese Pressemitteilung ist auch online verfügbar unter
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/presse


Dr. Annette Tuffs, Universitätsklinikum Heidelberg
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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