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Deutsches Schiffahrtsmuseum, 19.06.01

Bedeutender Reeder wurde ein Opfer der Nationalsozialisten

Von Breslau über Hamburg nach New York - Die bewegte Lebensgeschichte des jüdischen Reeders Arnold Bernstein

Info Nr. 13/01 (1) vom 18.06.2001

Bedeutender Reeder wurde ein Opfer der Nationalsozialisten

Von Breslau über Hamburg nach New York - Die bewegte Lebensgeschichte des jüdischen Reeders Arnold Bernstein

Zwischen dem Ersten und Zweiten Weltkrieg war Arnold Bernstein (1888-1971) einer der kreativsten und erfolgreichsten deutschen Reeder mit Sitz in Hamburg. Seit den 1920er Jahren revolutionierte er den Autotransport per Schiff, engagierte sich später auch im Passagiergeschäft und verbesserte auf seinen Schiffen den Reisekomfort für die sogenannte Touristenklasse. Auf dem Höhepunkt seines Erfolges wurde er 1937 von den Nazis inhaftiert und enteignet. Mit 75 Jahren schrieb Arnold Bernstein seine Lebenserinnerungen nieder, die - ins Deutsche übertragen sowie mit ergänzenden Erläuterungen und einem Nachwort des Schifffahrtsexperten Arnold Kludas versehen - nun vom Deutschen Schiffahrtsmuseum (DSM) in Bremerhaven veröffentlicht wurden.

1911 ließ sich der gebürtige Breslauer Arnold Bernstein in Hamburg nieder und gründete dort mit 23 Jahren ein kleines Handelsgeschäft. Während des Ersten Weltkrieges kämpfte er an der Westfront und wurde trotz seiner jüdischen Abstammung zum Offizier befördert, so sehr fielen sein strategisches Geschick und seine Führungsqualitäten auf. Mit Einfallsreichtum und ausgeprägtem Geschäftssinn gelang es dem 1919 erstmals als Reeder in Erscheinung getretenen Bernstein in den 1920er und 1930er Jahren, die weltweit größten Fahrzeugfrachter zu betreiben. Nach seinem Einstieg in das Passagiergeschäft 1933 schaffte es Bernstein nach schwierigen Verhandlungen mit den Nationalsozialisten und in Kooperation mit den Zionisten, die unter jüdischer Flagge verkehrende "Palestine Shipping Company" ins Leben zu rufen. Fast zwei Jahre lang, von 1935 bis 1937, reisten jüdische Emigranten auf Bernsteins Schiffen nach Israel aus.

Arnold Bernstein war der erste jüdische Großunternehmer, der im Zuge der antisemitischen Progrome der Nazionalsozialisten von der Gestapo festgenommen wurde. Im Verlauf seiner zweijährigen Inhaftierung gelang es 1939 seiner Frau mit Hilfe befreundeter Industrieller, ihn freizukaufen. In seiner neuen Heimat in den USA kämpfte der Reeder seit den 1940er Jahren um die Wiedereröffnung einer Passagierlinie nach Europa.

Mit der Herausgabe der Autobiographie Arnold Bernsteins stellt das Deutsche Schiffahrtsmuseum einen der bedeutendsten deutschen Reeder der Zwischenkriegszeit erstmals einer breiten Öffentlichkeit vor. Die zugleich ein außergewöhnliches zeitgeschichtliches Dokument darstellende bewegte Lebensgeschichte "Arnold Bernstein. Ein jüdischer Reeder" ist im Convent Verlag, Hamburg, erschienen, umfasst 463 Seiten und ist reich illustriert. Das Buch ist zum Preis von DM 58,- (EUR 29,90) im Buchhandel und im Museumsshop des DSM erhältlich.


Erik Hoops, M.A., Deutsches Schiffahrtsmuseum
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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