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Justus-Liebig-Universität Gießen, 28.03.03

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Justus-Liebig-Universität Gießen, 28.03.03

Auslaufmodell Familie?

Deutscher Sonderweg der Familienentwicklung

In diesen Zusammenhang passt auch die Tatsache, dass bei einer seit Jahren konstanten Kinderzahl (in Westdeutschland 2,0 und in Ostdeutschland 1,9 Kinder pro Familie) ein wachsender Teil der jüngeren Generation generell auf Kinder verzichtet. Nach neuesten Schätzungen werden 31,2 Prozent der westdeutschen Frauen keine Kinder haben. Wer eine Familie gründet, entscheidet sich in hohem und kaum verändertem Umfang für mindestens zwei Kinder. Dieses Phänomen wird als "gespaltenes Fertilitätsverhalten" oder auch als "deutscher Sonderweg der Familienpolitik" bezeichnet und macht den Strukturwandel der Familie aus. Nicht dagegen - wie so oft behauptet - der Trend zur Einkindfamilie.


"Armutsrisiko" Kind

Die Entscheidung für Kinder führt häufig zu prekären Lebenslagen. Die Kinderfrage in Deutschland ist zum großen Teil "privatisiert". Der Tatsache, dass Eltern mit Kindern erhebliche finanzielle Nachteile gegenüber Menschen in anderen Lebensformen haben, stehen Politik und Gesellschaft weitgehend gleichgültig gegenüber. Das Armutsrisiko verstärkt sich durch die Tendenz, dass es immer mehr Familien aus bildungsarmen Zusammenhängen gibt und inzwischen in sieben von zehn Ehen so genannte "Ehehomogenität" herrscht. Anders als früher werden in den unteren Bildungsgruppen Nachteile in der schulischen und beruflichen Ausbildung des Partners nicht durch höhere Bildung oder Ausbildung des Lebenspartners ausgeglichen. Umgekehrt führt der Heirats- und Beziehungsmarkt in den oberen Bildungsgruppen zu einer vorteilhaften Kumulation der beidseitig erworbenen Bildungsressourcen: Die Schere zwischen Arm und Reich öffnet sich immer weiter.

Forderungen

- Kinder und Jugendliche aus benachteiligten Schichten und Bildungsgruppen müssen gezielt gefördert werden. Andere Länder, insbesondere Finnland und Japan, könnten - wie die PISA-Studie ergeben hat - hier Vorbilder sein.
- Der absehbare Geburtenrückgang in den nächsten Jahren darf keinesfalls Anlass sein, kindbezogene Infrastrukturen abzuschmelzen, sondern die für den Kinder- und Jugendbereich verfügbaren Mittel müssen erhalten, ausgeweitet und bedarfsorientiert umgeschichtet werden.
- Der Modernisierungsrückstand in der Familien- und Sozialpolitik, aber auch in der Bildungs- und Geschlechterpolitik kann nicht nur durch monetäre Transferleistungen an die Familie überwunden werden. In allen Politikfeldern sind deutliche Kurskorrekturen erforderlich.

Neben dem Beitrag von Prof. Dr. Uta Meier umfasst das Schwerpunktheft "Familie und Erziehung" der UNIVERSITAS (3/2003) unter anderem folgende Beiträge:
- Familienministerin Renate Schmidt: Was Kinder wirklich kosten
- Susanne Gaschke: Die Spätschäden von achtundsechzig. Antiautoritäre Nachhut und neue Kapitalisten demontieren die Erziehung
- Gerald Hüther: Wohin, wofür, weshalb? Über die Bedeutung innerer Leitbilder für die Hirnentwicklung
- Hans Bertram: Erziehung ist nicht (nur) Privatsache
- Harald Martenstein: Aller Anfang ist schwer

Ein kostenloses Probeabonnement (Heft 3 und Heft 4) kann beim Hirzel Verlag angefordert werden:
Dirk Katzschmann
Redaktion UNIVERSITAS
Birkenwaldstraße 44
70191 Stuttgart
Tel.: 0711/2582-240
Universitas@hirzel.de

Kontakt:

Prof. Dr. Uta Meier
Institut für Wirtschaftslehre des Haushalts und Verbrauchsforschung
Justus-Liebig-Universität Gießen
Bismarckstraße 37
35390 Gießen
Tel.: 0641/99-39300 und 99-39301
Fax: 0641/99-39309
e-mail: Uta.Meier@ernaehrung.uni-giessen.de

Weitere Informationen:


Christel Lauterbach, Justus-Liebig-Universität Gießen
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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