Hilfe: Sie befinden sich auf...

Universität Wien, 11.03.08

Ergänzend zum Artikel

... einer Artikelseite. Sie zeigt den vollständigen Text einer Nachricht.
Sie können auf die Schlagworte zum Artikel klicken, um (andere) Artikel zu den jeweiligen Schlagworten anzuzeigen.
Auf der rechten Seite finden Sie ebenfalls Artikelinks und weitere Informationen zu den Schlagworten dieses Artikels.
Sie können auf die im Artikel enthaltenen Bilder klicken, um eine größere Version des Bildes angezeigt zu bekommen.

Am Fuß der Seite finden Sie drei Boxen mit weiteren Aktionsmöglichkeiten:
Über die linke Box können Sie zum vorhergehenden, bzw. nachfolgenden Artikel in diesem Bereich navigieren.
In der mittleren Box können Sie diesen Artikel bewerten.
In der rechten Box kommen Sie zu einer Druckversion dieses Artikels, Sie können den Link dieses Artikels an einen E-Mail-Empfänger verschicken und Sie können diesen Artikel auf einen Merkzettel legen, um ihn leichter wiederzufinden.

Hilfe: Generell zu dieser Seite

Bei NETZGUT finden Sie Nachrichten aus dem Netz.
Zu der Nachricht Ihres Interesses können Sie auf drei Wegen gelangen:

Im Archiv sind die Nachrichten nach Bereichen getrennt.
Unter Themen finden Sie Nachrichten bereichsübergreifend zu einem bestimmten Thema.
Über die Schlagworte gelangen Sie zu den Artikeln, denen eben jene Schlagworte zugeordnet wurden. Auch diese Einordnung ist bereichsübergreifend.

Übrigens: Der Hilfe-Button gibt Ihnen zu jeder Seite die passenden Informationen.

Universität Wien, 11.03.08

ArchäologInnen der Universität Wien haben das älteste Zeugnis jüdischen Lebens Österreichs entdeckt

ArchäologInnen des Instituts für Ur- und Frühgeschichte der Universität Wien entdeckten im Gräberfeld in Halbturn in einem römischen Kindergrab aus dem 3. Jahrhundert n. Chr. ein Amulett, das mit einer jüdischen Gebetsformel beschriftet ist. Es handelt sich dabei nach bisherigen Erkenntnissen um das älteste eindeutige Zeugnis jüdischen Lebens auf heute österreichischem Boden.

Jüdisches Amulett, 3. Jh.n.Chr.
Universität Wien, Institut für Ur- und Frühgeschichte

Grab 147
Universität Wien, Institut für Ur- und Frühgeschichte

Die Bestattung des Kindes war in einem von ca. 300 Gräbern eines römischen Friedhofs, der 1986 entdeckt wurde und dann im Rahmen eines längeren Forschungsprojekts von 1988 bis 2002 vollständig ausgegraben werden konnte. Die Projektleitung hatte Univ.-Doz. Dr. Falko Daim inne, der bis 2003 Professor für Archäologie an der Universität Wien war (derzeit Generaldirektor des Römisch-Germanischen Zentralmuseums - Forschungsinstitut für Vor- und Frühgeschichte in Mainz). Die Arbeiten wurden in Kooperation mit dem Burgenländischen Landesmuseum durchgeführt und hauptsächlich vom Fonds zur Förderung der Wissenschaftlichen Forschung in Österreich (FWF) finanziert. Dr. Nives Doneus vom Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität Wien hat mehr als 10.000 Einzelfundstücke, vor allem Glasstücke, Keramikscherben und Metallfunde, im Laufe der letzten Jahre ausgewertet. Die Ergebnisse geben neue Einblicke in das Leben am Rande des Römischen Reiches. Das Goldblech mit einer zunächst unverständlichen Inschrift hat Nives Doneus erst im Jahre 2006 entdeckt.


Gräberfeld von Halbturn

Das Gräberfeld in Halbturn befand sich westlich eines römischen Gutshofes ("villa rustica") und umfasst ca. 300 Brand- und Körperbestattungen, die zwischen der Mitte des 2. und der Mitte des 5. Jahrhunderts angelegt worden waren. Der Gutshof war ein autarker landwirtschaftlicher Betrieb, der römischen Städte der Umgebung (Carnuntum, Arrabona/Györ, Sopianae/Sopron) mit Nahrungsmitteln belieferte. Mit Hilfe modernster Prospektionsmethoden konnten die ArchäologInnen genaue Pläne der Gebäude zeichnen und auch das römische Flursystem rekonstruieren.

Die Grabstätten selbst enthielten zahlreiche materielle Zeugnisse in Form von Keramik- und Glasgeschirr, Schmuck und Trachtelementen, wie z.B. Fibeln und Gürtelschnallen. Die Gräber und ihre Ausstattungen zeigen ein durchdachtes System, in dem jeder Mensch entsprechend seiner gesellschaftlichen Stellung einen festen Platz hatte - ob es sich dabei um die jüngsten, ältesten oder um körperlich beeinträchtigte Mitglieder der Gemeinschaft handelte.

Schutzamulett als Grabbeigabe

Wie das Kindergrab 147 eindrucksvoll beweist, war vor allem der Umgang mit verstorbenen Kindern sehr respekt- und liebevoll. Das kleine, etwa ein- bis zweijährige Kind wurde mit einem silbernen Schmuckstück bestattet, welches sich bei näherer Untersuchung als Amulettkapsel herausstellte. Im Inneren der Kapsel fand sich ein auf Griechisch beschriftetes Goldblechstück, welches einmal gefaltet und dann eingerollt war. Es diente als Schutzamulett (Phylakterion) und sollte den Träger vor Unheil bewahren.

Nachweis jüdischen Glaubens

Das Besondere am Halbturner Goldamulett liegt in der Tatsache, dass die Inschrift laut Univ.-Prof. Dr. Hans Taeuber, Vorstand des Instituts für Alte Geschichte und Altertumskunde, Papyrologie und Epigraphik der Universität Wien, die griechische Transliteration einer jüdischen Gebetsformel darstellt: "Höre, Israel, der Herr ist unser Gott, der Herr ist einer". Somit handelt es sich um den ältesten, auf österreichischem Boden gefundenen Nachweis jüdischen Glaubens.

Das Amulett wird im Rahmen der Ausstellung "Bernsteinstraße" im Burgenländischen Landesmuseum in Eisenstadt voraussichtlich ab April 2008 zu sehen sein.

Literatur:
H. Taeuber, Das Goldblech in Grab 147: Ein jüdisches Amulett. In: N. Doneus (Hrsg.), Halbturn I. Das kaiserzeitliche Gräberfeld von Halbturn, Burgenland. Monographien zur Frühgeschichte und Mittelalterarchäologie 2008 (in Vorbereitung).

Kontakt

Dr. Nives Doneus
Archäologin (bis Ende 2007)
Institut für Ur- und Frühgeschichte
Universität Wien
1190 Wien, Franz-Klein-Gasse 1
M +43-650-333 49 55
nives.doneus@univie.ac.at

Univ.-Doz. Dr. Falko Daim
(damaliger Projektleiter an der Universität Wien)
Generaldirektor Römisch-Germanisches Zentralmuseum
Forschungsinstitut für Vor- und Frühgeschichte
Ernst-Ludwig-Platz 2
55116 Mainz
T +49-6131-9124 116
M +49-160-969 429 99
daim@rgzm.de

Weitere Informationen:


Veronika Schallhart, Universität Wien
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

Weitere Artikel in diesem BereichBewerten Sie diesen ArtikelToolbox
Mit Ingo durch die Villa der englischen Grammatik - Online-Programm erhält Förderung durch Multimediainitiative rlpinform 
 Kleine Peiniger - Wenn Mini-Machiavellis an der Grundschule mobben

Klicken Sie auf die Schlagworte um weitere Links oder Infos dazu angezeigt zu bekommen

Wikipedia Logo
Ein Amulett (lateinisch amuletum – „Kraftspender“, davor arabisch hammala – „Tragband“) ist ein Gegenstand, dem magische Kräfte zugeschrieben werden, mit denen er Glück bringen (energetische, sakramentale Wirkung) und vor Schaden schützen (apotropäische Wirkung) soll. Wikipedia


 
Weitere Artikel zu "Grab"

Wikipedia Logo
Das Grab ist mit dem Totenkult der Kulturen verbunden. Aufgrund der Begräbnis- oder Sepulchralkultur finden Archäologen seit dem Neandertaler die Spuren von Bestattungen. Es war bereits sehr früh eine Erdgrube zur Deponierung der sterblichen Überreste von Menschen. Allerdings wurden mesolithische Bestattungen offenbar auch in Køkkenmøddingern (Muschelabfallhaufen) vorgenommen. Teilweise sind Gräber die reichsten und vielfältigsten Zeugnisse von Kulturen. So wurden sie zum wichtigen Gegenstand der archäologischen Forschung. Wikipedia


 
Weitere Artikel zu "Judentum"

Wikipedia Logo
Unter Judentum versteht man die Gesamtheit aus Kultur, Geschichte, Religion und Tradition des sich selbst als Volk Israel (hebr. am jisrael, bnei jisrael) bezeichnenden jüdischen Volkes. Mit dem Begriff können auch gezielt die jüdische Religion oder, als Gruppe, die sowohl ein Volk als auch eine Glaubensgemeinschaft darstellenden Juden (hebr. jehudim) angesprochen werden. Wikipedia


 
Weitere Artikel zu "Österreich"

Wikipedia Logo
Österreich ist eine bundesstaatlich organisierte Republik in Mitteleuropa. Sie grenzt im Norden an Deutschland und Tschechien, im Osten an die Slowakei und Ungarn, im Süden an Slowenien und Italien und im Westen an die Schweiz und Liechtenstein. Wikipedia


 

Archiv

Themen

Schlagworte

Anzeigen