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Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald, 14.08.02

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Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald, 14.08.02

Alten Testamenten eine Chance: Christof Hardmeier als Humboldt-Gastprofessor in Südafrika

Vor anderthalb Jahren errang der Theologe Dr. Louis Jonker vom "Harvard" Südafrikas, der Stellenbosch-Universität, ein Stipendium der Alexander v. Humboldt-Stiftung, um in Greifswald, seinem Wunschort, bei dem Alttestament-Prof. Dr. Christof Hardmeier seine Kenntnis in der textempirischen Analyse kombiniert mit Computerphilologie zu verfeinern und auf sein Forschungsprojekt, die Chronik und die Königsbücher, anzuwenden. Er blieb zunächst ein halbes Jahr und festigte die Zusammenarbeit mit Greifswald so, daß Christof Hardmeier nun im Gegenzug dank dem "Surplus"-Programm der Humboldt-Stiftung für sechs Wochen Gastprofessor ("visiting professor") in Stellenbosch sein wird.


Er wird dort Vorlesungen zum deuteronomistischen Geschichtswerk der Bibel halten, das im 6. vorchristlichen Jahrhundert entstand und viele Male erweitert wurde. Er ist selbst erstaunt, wie nun endlich nach zwanzig Jahren sein Versuch, das gesamte Textcorpus der Bibel im Computer zu erfassen und zu durchforsten, Wellen schlägt. Als er aufgedeckt hatte, daß das Deuteronomium eine einzige Rede ist, also kein Bericht, sondern reine Rhetorik, brauchte er "nur" noch seine Computermaske über die Texte zu legen, um die einzelnen Entstehungsschichten aufzudecken und damit herauszufinden, welche Gedanken den Erweiterern so wichtig waren, daß sie sich einklinkten und sie in ihrem Sinne umschrieben.

Was also das Lehr- und Lernkonzept dieses altbiblischen Großwerks war, trägt Prof. Hardmeier auf dem südafrikanischen Alttestamentler-Kongreß im September vor. Ferner wird er in Kapstadt und Pretoria über das Verhältnis der Bibelwissenschaften zur Systematischen und Praktischen Theologie referieren; die einen setzen sich mit den Kulturwissenschaften auseinander, die beiden anderen denken über die biblische Tradition und ihre Anwendung nach.

Christof Hardmeier, der vor neun Jahren aus Bielefeld nach Greifswald als Nachfolger von Hans-Jürgen Zobel kam, geht es um die Frage, wie Texte "funktionierten", zu welchem Behufe sie verfaßt wurden. Sicher ist er, daß im 8. bis zum 6. Jahrhundert vor Christi Geburt die Menschen in Palästina wie der Prophet Jesaja einen abstrakten Begriff von Gott, dem "Unverfügbaren" entwickelten und sich damit deutlich von den sie bedrohenden Assyrern und Ägyptern unterschieden.

An der Stellenbosch-Universität wird Prof. Hardmeier zusammen mit Louis Jonker auch ein Postdoc-Seminar über das Buch Zephanja halten und dort seinen inzwischen weltweit sich verbreitenden textempirischen Methodenansatz einüben. Die Zusammenarbeit soll zweisprachige (Unterrichts-)Texte hervorbringen. In einer neu begründeten Reihe im Gütersloher Verlag Reinhard Mohn "Textpragmatische Studien zur Literatur- und Kulturgeschichte der Hebräischen Bibel" ediert Prof. Hardmeier die Forschungsergebnisse seiner wachsenden Gruppe, im Frühjahr 2003 auch jene unseres Gastes Louis Jonker.

Weitere Informationen:


Dr. Edmund von Pechmann, Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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