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Deutsches Jugendinstitut e.V., 07.10.03

Aktuelle Jugendstudien zur Entwicklung von Rechtsextremismus


So weisen fremdenfeindliche Gewalttäter z.B. häufig schon früh Auffälligkeiten im emotionalen und Verhaltensbereich auf, die Ansatzpunkte für eine bessere und frühere Prävention hätten sein können. Dies zeigen Untersuchungen, die Klaus Wahl vom Deutschen Jugendinstitut (DJI) geleitet hat und die in einem von ihm herausgegebenen neuen Buch zusammengefasst sind.*

Durch die Kombination von drei unterschiedlichen Studien, die das Deutsche Jugendinstitut teils zusammen mit den Universitäten Jena und München erstellt hat, wird ein breites und vielschichtiges Bild von fremdenfeindlichen Tätern gewonnen: Eine Analyse von Gerichtsurteilen deckt die Brutalität der Taten auf. Ausführliche Interviews und Tests mit fremdenfeindlichen Gewalttätern liefern ein tiefenscharfes Bild ihrer Persönlichkeit, ihrer Lebenserfahrungen und Tatmotive. Eine Auswertung aller einschlägigen Polizeiakten in Deutschland für ein ganzes Jahr weitet den Blick für die sozialen Strukturen, aus denen die Täter kommen.


Betrachtet man die Biographien der Täter seit ihrer Kindheit, fällt auf, dass überdurchschnittlich aggressive, hyperkinetische, aber auch sehr ängstliche und depressive Kinder eher riskieren, später in gewalttätigen Jugendgruppen zu landen. Die Elternhäuser der Täter sind oft voller emotionaler Kälte, Alkohol und gewalttätiger Erziehung. In der Schulzeit schaukeln sich Leistungsversagen, Aggressivität, Schulausschluss oder Schulabbruch und Delinquenz auf. In der Pubertät entscheidet sich, an welcher Szene oder Gruppierung sich Jugendliche orientieren. In dieser Altersphase hat es im Falle der Täter offenbar an attraktiveren Angeboten der Jugendarbeit gemangelt. Im Jugendalter zeigt sich die enorme Bedeutung von Cliquen für die Radikalisierung der Ansichten und Gewalttendenzen.

Die Autoren entwickeln auch Ideen zur Prävention gegen Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus. Sie betonen die Notwendigkeit einer genauen Beobachtung von kleinen Kindern - insbesondere ihrer emotionalen Entwicklung - in der Familie, der Kindertagesstätte und der Grundschule. Wenn Probleme früh und individuell gezielt angegangen werden, ist die Hilfe effizienter als später im Jugendalter, wenn sich Persönlichkeit, Einstellungen und Verhaltensmuster gefestigt haben. Ein praktischer Nebeneffekt: Das gilt nicht nur zur Vorbeugung gegen Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus, sondern auch für viele andere Jugendprobleme.

*Klaus Wahl (Hrsg.):
Skinheads, Neonazis, Mitläufer.
Täterstudien und Prävention.
Opladen: Leske + Budrich 2003
ISBN 3-8100-3171-2
Euro 24,90

Kontakt:
Deutsches Jugendinstitut e.V.
PD Dr. Klaus Wahl, Nockherstraße 2, 81541 München
e-mail: wahl@dji.de

Weitere Informationen:


Dr. Barbara Keddi, Deutsches Jugendinstitut e.V.
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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