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Bayerische Akademie der Wissenschaften, 14.03.06

Akademiker-Verzeichnis geht schrittweise online

Mit dem Repertorium Academicum Germanicum (RAG) entsteht ein Who's Who der graduierten Gelehrten des Alten Reiches (1250 bis 1550).

In dem Projekt werden biographische Daten zu ca. 35.000 Gelehrten erschlossen, die an einer Universität des alten Reichs oder des Auslands einen akademischen Grad erlangt haben. Jetzt ist das erste Segment des Repertorium Academicum Germanicum (RAG) online. Zugang erhält man über die Homepage der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften www.historischekommission-muenchen.de/seiten/ragstart.html oder direkt unter www.rag-online.org .

Derzeit können die Immatrikulationen und Promotionen von 4.635 Gelehrten von den sieben Universitäten Basel, Erfurt, Frankfurt/O., Krakau, Leipzig, Prag und Rostock mit vier, miteinander kombinierbaren Kategorien recherchiert werden. Ihnen sind rund 17.900 Karriereschritte zugeordnet, darunter aus der Zeit bis 1450 auch die Rektoren und Dekane der jeweiligen Universitäten bzw. Fakultäten. Außerdem wurde, soweit möglich, die geographische und soziale Herkunft der Universitätsbesucher aufgenommen. Nach und nach werden weitere Datensätze freigeschaltet.


"Akademisierung" und "Professionalisierung" gelehrter Tätigkeit an den Höfen, in Räten, Gerichten und Kanzleien der Könige und Kaiser, geistlichen und weltlichen Territorien sowie Städten sind eine wesentliche Voraussetzung für die Entstehung moderner "Staatlichkeit". Das RAG bildet die Basis, die mittelalterlichen Ursprünge dieser neuzeitlichen Wissensgesellschaft detailliert zu erforschen: Wer trägt gelehrtes Wissen wohin, und wie wirken sich Personen und Wissen gesellschafts- und kulturbestimmend am jeweiligen Ort im Vergleich mit dem ganzen Reich aus? Das sind die zentralen Fragen; ebenso wie die nach dem Entstehen von Karrieren von akademisch gebildeten Experten, die das RAG auf breiter, empirisch gesicherter Grundlage zu beantworten sucht. Dazu werden Ausbildungs- und Lebensdaten sowie Informationen zu personellen Vernetzungen von Theologen, Juristen, Medizinern und Artistenmagistern zusammengetragen, angefangen bei den Immatrikulationen und Promotionen an den Universitäten des alten, römisch-deutschen Reiches.

Das RAG ist seit 1998 eine Forschungsabteilung der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften mit neun Mitarbeitern und zwei Arbeitsstellen an den Universitäten in Gießen (D), geleitet von Prof. Dr. Dr. h. c. Peter Moraw, und Bern (CH), geleitet von Prof. Dr. Rainer C. Schwinges. Gefördert wird das RAG von der Fritz-Thyssen-Stiftung und vom Schweizerischen Nationalfonds.

Mit der Präsentation der Daten im Internet liegt ein Hilfsmittel für alle vor, die an der Funktion der Gelehrten und an der Verbreitung von Wissen ganz allgemein interessiert sind. Anregungen, Erweiterungen und gegebenenfalls Korrekturen der Daten sind sehr willkommen.

Weitere Informationen:


Martin Schütz, Bayerische Akademie der Wissenschaften
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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