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Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt, 14.07.05

10 Jahre Brückenschlag zwischen West und Ost: Jubiläumsschrift des Zentralinstituts für Mittel- und Osteuropastudien erschienen

Nach aufwendiger Fundraising-Aktivität wurde im Sommer 1994 an der KU das Zentralinstitut für Mittel- und Osteuropastudien (ZIMOS) gegründet. Vorausgegangen waren Überlegungen des damaligen KU-Präsidenten und ersten Institutsdirektors Prof. Dr. Nikolaus Lobkowicz, dass es nach dem Verschwinden der kommunistischen Regime gerade einer nichtstaatlichen, katholischen Universität gut anstehen würde, den vormals kommunistischen Ländern in Mittel- und Osteuropa bei ihrem schwierigen Weg zu Demokratie und Marktwirtschaft beizustehen. Mittlerweile haben sich das ZIMOS und der 1995 in enger Verbindung zum Institut errichtete Lehrstuhl für Mittel- und Osteuropäische Zeitgeschichte (Prof. Dr. Leonid Luks) national und international etabliert. Die jetzt erschienene Festschrift zum zehnjährigen Bestehen des ZIMOS gibt unter dem Titel "West-östlicher/Ost-westlicher Brückenschlag. 10 Jahre Zentralinstitut für Mittel- und Osteuropastudien an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt" Einblick in die Arbeit des Instituts.

Darin enthalten sind zum einen Beschreibungen von laufenden und abgeschlossenen Forschungsprojekten bzw. wissenschaftlichen Kooperationen mit Wissenschaftlern in Tschechien, der Slowakischen Republik, Polen, Litauen, Ungarn oder Russland, die sich auf die osteuropäische Zeit- und Ideengeschichte konzentrieren. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei den aktuellen Transformationsprozessen in Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft sowie der Aufarbeitung des seit der politischen Wende zugänglichen Archivmaterials, das die Erforschung der jüngsten Geschichte Mittel- und Osteuropas auf eine breite dokumentarische Basis gestellt hat. So befasst sich ein Forschungsprojekt des ZIMOS mit dem Thema "Der Spätstalinismus und die jüdische Frage": Der Stalinismus durchlief nach der Bezwingung des Dritten Reiches eine ideologische Metamorphose, mit einer partiellen Anlehnung an das Vokabular der europäischen Rechten. Diese Wendung gibt der Forschung viele Rätsel auf. Die antijüdische Politik der stalinistischen Regime in Osteuropa enthielt viele Brüche und Widersprüche, womit sich das Projekt genauso befasst, wie mit den Parallelen, die zwischen der Antisemitismus-Kampagne und den Kampagnen gegen andere so genannte "Volksfeinde" bestehen.


Ein Beispiel für die Forschungstätigkeit des Instituts in einem völlig anderen Bereich ist die russische Übersetzung der "Summa theologiae" Thomas von Aquins. Diese gilt als eine der einflussreichsten Schriften des Abendlandes und ist in nahezu alle westeuropäischen Sprachen übersetzt. Da Russland mit der westlichen Philosophie erst im 18. Jahrhundert in Berührung kam, blieb dort dieses Werk auch unter Philosophen nahezu unbekannt. Eine besondere Herausforderung bei der Übersetzung besteht darin, dass die russische Sprache kaum von der mittelalterlichen Scholastik beeinflusst wurde, so dass zum Teil neue philosophische Ausdrücke regelrecht kreiert werden müssen. Der erste Band der Übersetzung soll Ende dieses Jahres in einem Moskauer Verlag erscheinen.

Neben der Forschungstätigkeit bietet der Band auch einen Überblick der bislang zwölf vom ZIMOS organisierten internationalen Tagungen: "Czech-German Banking Symposium", "Kirche in der demokratischen Gesellschaft", "Osteuropa an der Schwelle des 21. Jahrhunderts" - die Titel der Veranstaltungen zeigen die Breite des Themenspektrums, mit dem sich das Institut befasst.

Zu den Aktivitäten des ZIMOS gehört seit dessen Gründung auch die konkrete Unterstützung bei den Transformationsprozessen in osteuropäischen Staaten, beispielsweise beim Aufbau einer Fremdsprachenabteilung an der Universität Novosibirsk oder durch die Vermittlung von Stipendien für Studien- und Forschungsaufenthalte.

Dem west-östlichen Brückenschlag dienen schließlich auch die Schriftenreihe des ZIMOS sowie die gut rezensierte Zeitschrift "Forum für osteuropäische Ideen- und Zeitgeschichte", in der viele osteuropäische Autoren die Gelegenheit bekommen, ihre Forschungsergebnisse westlichen Lesern vorzustellen. Umgekehrt befassen sich im "Forum" westliche Autoren mit osteuropäischen Themen. Erweitert wurde der Dialog im vergangenen Jahr durch eine russische Version der Zeitschrift, die zweimal jährlich als Online-Ausgabe erscheint. Zudem bietet der Lehrstuhl für Mittel- und Osteuropäische Zeitgeschichte seit diesem Semester Lehrveranstaltungen in russischer Sprache an - eine Seltenheit an deutschen Hochschulen.

Die Festschrift zum zehnjährigen Bestehen des ZIMOS ist in gedruckter Form direkt beim Institut erhältlich, die Online-Version findet sich unter http://www.ku-eichstaett.de/ZIMOS.


Dipl.-Journ. Constantin Schulte, Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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