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Universitätsklinikum Benjamin Franklin, 15.02.01

100 Jahre Ärztinnen in Deutschland

Vor 100 Jahren, am 13.3.1901, legte an der Universität Halle erstmals in Deutschland eine Frau das medizinische Staatsexamen ab - die 24-jährige Ida Democh aus Statzen in Ostpreußen. Im gleichen Jahr bestanden an den Universitäten Freiburg, Halle und Königsberg noch acht weitere Frauen die medizinische Staatsprüfung und erhielten auf dieser Grundlage bis 1902 ihre Approbation als Arzt. Zwar praktizierten schon seit 1876 etwa 20 Medizinerinnen in Deutschland. Doch diese hatten ihr Studium im Ausland abschließen müssen und wurden daher von der deutschen Ärzteschaft nicht als gleichberechtigte Kolleginnen akzeptiert.


Prof. Johanna Bleker und Dr. Sabine Schleiermacher vom Institut für Geschichte der Medizin am Fachbereich Humanmedizin der FU/UKBF haben die Biographien dieser und weiterer Ärztinnen aus dem Kaiserreich in einem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Projekt dokumentiert und in einem Buch(*)veröffentlicht.

Mit dem 13.3.1901 endete formal eine jahrzehntelange Schlacht der Petitionen und Pamphlete, Argumente und Gegenargumente, Umfragen und Beschlüsse, in der sich die verschiedensten gesellschaftlichen Gruppierungen zur Zulässigkeit oder gar Notwendigkeit der akademischen Berufsbildung für Frauen geäußert hatten. Erst am 24. April 1899 hatte der Deutsche Bundesrat beschlossen, Frauen zu den Staatsprüfungen der Medizin, Zahnmedizin und Pharmazie zuzulassen, sofern sie die hierzu nötigen Studiennachweise erbringen konnten. Diese mussten sie noch im Ausland erwerben, denn erst vom Wintersemester 1908/09 an konnten Studentinnen voll eingeschriebene Mitglieder an preussischen Universitäten werden.
Damals ging man davon aus, dass immer nur wenige Frauen befähigt sein würden, die geistigen und körperlichen Strapazen eines Medizinstudiums zu bewältigen. Bedenkenträger sprachen von einem gefährlichen Experiment und fürchteten, bei einem größeren Anteil von Frauen würden Niveau und Ansehen des ärztlichen Berufs sinken.
Heute wird etwa jede zweite medizinische Staatsprüfung von einer Frau bestanden - und das Niveau ist gewiss höher als im Jahre 1901.

Ansprechpartnerin:
Prof. Dr.med. Johanna Bleker
Institut für Geschichte der Medizin
am Fachbereich Humanmedizin der FU Berlin/UKBF
Klingsorstraße 119, 12203 Berlin
Tel.: (030) 83 00 92-20/21; Fax: -37E-Mail:
bleker@medizin.fu-berlin.de

(*)
Johanna Bleker/Sabine Schleiermacher:
Ärztinnen aus dem Kaiserreich. Lebensläufe einer Generation
Deutscher Studienverlag, Weinheim 2000
(Weitere Informationen auf Anfrage in der "Dokumentation Ärztinnen" des Instituts für Geschichte der Medizin)


Dipl.Pol. Justin Westhoff, Universitätsklinikum Benjamin Franklin
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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