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Universität Wien, 28.12.06

Wissenschafter erforschen die letzten frei lebenden Affen Europas

Exklusiven Zugang zur Erforschung der einzigartigen Berberaffenpopulation von Gibraltar erhalten ForscherInnen der Universität Wien. Unter der Leitung von Vizerektorin Martha Sebök wurde ein Kooperationsvertrag zwischen der Universität Wien und Gibraltar (Natural History and Ornithological Society) zur Untersuchung der in Gibraltar frei lebenden Affenart Macaca sylvanus abgeschlossen.

Die Berberaffenart Macaca sylvanus
Universität Wien

Wissenschaftliche Arbeiten über Berberaffen versprechen wesentliche Erkenntnisse über die Sozialstrukturen von Primaten. Die Analyse der Sozialstrukturen der "wilden" Verwandten bringt auch einen tiefen Einblick in die Sozialstrukturen der Menschen und deren Interaktion. Zum Verhalten der Berberaffen meint der hauptverantwortliche Wissenschafter des Projekts, John Dittami vom Department für Verhaltensbiologie der Universität Wien: "Die Berberaffen sind insofern einzigartig, als sie verhaltensbiologische und ökologische Anpassungen zeigen wie keine andere Affenart."


Nicht nur für die Verhaltensbiologie sind die "letzten Affen" Europas von großem Interesse, auch die Anthropologie kann aus der Untersuchung der Berberaffen Schlüsse für die Evolution des Sozialverhaltens des Menschen ableiten, so Katrin Schäfer vom Department für Anthropologie. Für die Anthropologin bringt die Möglichkeit, Daten über biologische Ursachen und Konsequenzen von Variationen zwischen Individuen zu analysieren und zu interpretieren, neue Grundlagen für ihre wissenschaftliche Arbeit.

WissenschafterInnen der Universität Wien waren schon bisher erfolgreich in Gibraltar tätig. In einem vom FWF finanzierten Projekt wurden die Veränderungen von sekundären Geschlechtsmerkmalen und den dazugehörigen Geschlechtshormonen bei weiblichen Berberaffen untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass zyklische Veränderungen der Schwellungsausprägungen, die mit dem Verhältnis der Geschlechtshormone Östrogen und Progesteron einhergehen, auch für das prinzipielle Verständnis von hormonellen Regelkreisen von hoher Bedeutung sind.

Über die Kooperation soll ein weiterer Ausbau der wissenschaftlichen Aktivitäten erreicht werden, die auch die universitäre Lehre umfasst, d.h. die Abhaltung von Lehrveranstaltungen der Universität Wien vor Ort.

Abgesehen von der wissenschaftlichen Bedeutung der Tiere sind die Berberaffen Gibraltas faszinierende Lebewesen, die durch Einfühlsamkeit, Zusammenhalt ihrer Gruppen und Fürsorge für ihre Jungen tief beeindrucken. Da die Tiere massiv vom Aussterben bedroht sind, ist die gemeinsame Initiative der Universität Wien und der Natural History and Ornithological Society von Gibraltar nicht nur für die Forschung, sondern auch für den Schutz der Berberaffen bedeutsam, Vizerektorin Sebök: "Die Universität Wien leistet damit einen wichtigen Beitrag, um die "letzten" Affen Europas - einstmals in Europa weit verbreitet - am äußersten Zipfel des Kontinents dauerhaft zu erhalten."

Kontakt:
Ao. Univ.-Prof. Mag. Dr. Katrin Schäfer
Fakultät für Lebenswissenschaften, Department für Anthropologie
katrin.schaefer@univie.ac.at
T +43-4277-54747

O. Univ.-Prof. Dr. John Dittami
Fakultät für Lebenswissenschaften, Department für Neurobiologie und Verhaltenswissenschaft
john.dittami@univie.ac.at
T+43-1-4277-544 60
F +43-1-4277-545 06

Rückfragehinweis:
Mag. Alexandra Frey
Öffentlichkeitsarbeit und Veranstaltungsmanagement
Universität Wien
1010 Wien, Dr.-Karl-Lueger-Ring 1
T +43-1-4277-175 31
alexandra.frey@univie.ac.at
http://public.univie.ac.at


Alexandra Frey, Universität Wien
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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