Hilfe: Sie befinden sich auf...

Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ, 15.08.05

Archiv

... einer Artikelseite. Sie zeigt den vollständigen Text einer Nachricht.
Sie können auf die im Artikel enthaltenen Bilder klicken, um eine größere Version des Bildes angezeigt zu bekommen.

Am Fuß der Seite finden Sie drei Boxen mit weiteren Aktionsmöglichkeiten:
Über die linke Box können Sie zum vorhergehenden, bzw. nachfolgenden Artikel in diesem Bereich navigieren.
In der mittleren Box können Sie diesen Artikel bewerten.
In der rechten Box kommen Sie zu einer Druckversion dieses Artikels, Sie können den Link dieses Artikels an einen E-Mail-Empfänger verschicken und Sie können diesen Artikel auf einen Merkzettel legen, um ihn leichter wiederzufinden.

Hilfe: Generell zu dieser Seite

Bei NETZGUT finden Sie Nachrichten aus dem Netz.
Zu der Nachricht Ihres Interesses können Sie auf drei Wegen gelangen:

Im Archiv sind die Nachrichten nach Bereichen getrennt.
Unter Themen finden Sie Nachrichten bereichsübergreifend zu einem bestimmten Thema.
Über die Schlagworte gelangen Sie zu den Artikeln, denen eben jene Schlagworte zugeordnet wurden. Auch diese Einordnung ist bereichsübergreifend.

Übrigens: Der Hilfe-Button gibt Ihnen zu jeder Seite die passenden Informationen.

Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ, 15.08.05

Welche Schadstoffe können bei Hochwasser gefährlich werden? - UFZ-Wissenschaftler erstellen Prognosen für künftige Überflutungen

Bitterfeld. Erstmals wird im Elbeeinzugsgebiet ein Vorhersagesystem erstellt, das zeigt, welche Gefahren bei einem Hochwasser durch Schadstoffe aus überschwemmten Gebieten drohen und das den Behörden hilft, Entscheidungen zu treffen. Wissenschaftler des Umweltforschungszentrums Leipzig-Halle (UFZ), des Leibniz-Instituts für ökologische Raumentwicklung Dresden (IÖR), der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und der Universität Osnabrück werden dazu in den nächsten drei Jahren die potentiellen Schadstoffe in möglichen Überflutungsgebieten der Region Bitterfeld erfassen und Ausbreitungsprognosen erstellen. Das Verbundprojekt wird vom UFZ koordiniert und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 550.000 Euro in den nächsten drei Jahren gefördert.

Hochwasser August 2002: Überflutete Tankstelle bei Bitterfeld
Foto: André Künzelmann/ UFZ

Hochwasser August 2002: Der Goitsche-See bei Bitterfeld
Foto: Dr. Rolf Trettin/UFZ

Schlagzeilen wie "Krebsgefahr durch Elbfische", "Schadstoff kam aus DDR-Industriepark" oder "Rückstände gelangten in die Mulde" hatten Anfang August für Verunsicherung bei Anglern und Anwohnern gesorgt. Hintergrund waren Messungen des Umweltbundesamtes. Dabei wurden in Elbe und Mulde Konzentrationen des krebserregenden Schadstoffes Hexachlorcyclohexan (HCH) festgestellt, die die zulässigen Grenzwerte um ein Vielfaches überschritten. HCH wurde bis in die 80er Jahre als Insektenvernichtungsmittel eingesetzt und unter dem Namen Lindan in Bitterfeld in großen Mengen produziert. Untersuchungen von Böden und Pflanzen ergaben, dass in der Region Bitterfeld immer noch große Gebiete der Muldeaue belastet sind, da sich HCHs kaum zersetzen. Bei Hochwasser werden die Uferzonen überflutet und der Stoff aus dem Boden ausgewaschen. Auf diese Weise gelangen die krebserregenden HCHs ins Flusswasser und reichern sich im Fett der Fische an.


HCHs sind jedoch nur eine von vielen Stoffgruppen, die eine Gefahr darstellen. Gerade in Bitterfeld wurde eine Vielzahl verschiedenster Chemikalien hergestellt, die ihre Spuren im Boden hinterlassen haben. Was das bedeutet, mussten die Bitterfelder beim Hochwasser 2002 erleben. Inzwischen gibt es auch ein elektronisches Kataster und umfangreiche Daten darüber, wo Schadstoffe lagern. Deshalb wurde Bitterfeld für dieses Pilotprojekt ausgewählt. In den kommenden drei Jahren werden die Wissenschaftler die Ausbreitung von Schwermetallen, Arsen und organischen Schadstoffen bei Extremhochwässern modellieren.

Das Innovative und Praxisnahe dieses Forschungsprojektes besteht dabei in der Verknüpfung von verschiedenen Teilmodellen zu einem integrierten System. Dazu gehört ein sehr präzises digitales Geländemodell, das durch eine Laserscannerbefliegung gewonnen wurde und die Höhe mit einer Genauigkeit von zehn Zentimetern anzeigt. Diese Genauigkeit ist wichtig, denn schon eine Bordsteinkante kann das Wasser am Weiterfließen hindern. Ein weiteres Modell umfasst ein Gefahrstoffkataster - also eine Datenbank, die alle potentiell gefährlichen Stoffe von der Altlast im Boden bis hin zum privaten Öltank umfasst. Wichtig sind auch die Eigenschaften der Stoffe: Sinken sie schnell zu Boden oder kann das Wasser sie über große Entfernungen transportieren? Entscheidend für die Ausbreitung von Schadstoffen ist die Strömung in den Überschwemmungsgebieten. Deshalb werden die Wissenschafter ein zweidimensionales hydraulisches Modell erstellen. Durch die Verknüpfung dieser einzelnen Modelle zu einem Entscheidungshilfesystem lassen sich dann verschiedene Szenarien durchrechnen. Was passiert bei einem so genannten hundertjährigen Hochwasser? Welche Gefahren drohen, wenn sich die Flut von 2002 wiederholen würde? Wie würde sich ein Deichbruch auswirken?

Mögliche Schadstoffausbreitungen in den untersuchten Bereichen lassen sich dann sowohl im Vorfeld als auch aktuell bei einem Hochwasserfall besser einschätzen und Gegenmaßnahmen besser planen. Landkreis und Stadt Bitterfeld werden am Ende ein komplexes Computerprogramm erhalten, das helfen wird, wichtige Entscheidungen für die Sicherheit der Bevölkerung schnell zu treffen. Die Behörden müssen dann nur noch die Höhe des Hochwassers und eventuelle Dammbrüche eingeben. Die Software errechnet dann, welche Gebiete überschwemmt werden und zeigt an, wo Gefahren durch Schadstoffe zu erwarten sind. Damit leistet das Verbundsystem zusammen mit den Behörden in Bitterfeld einen Beitrag zum Schutz der Umwelt, das Gefährdungspotential durch den Austrag von Schadstoffen aus belasteten Gebieten in die Gewässer zu verringern.
Tilo Arnhold

Weitere fachliche Information über:

Dr. Wolf von Tümpling
UFZ-Department Fließgewässerökologie
Telefon: 0391-810-9300

oder über:
UFZ-Pressestelle
Doris Böhme
Telefon: 0341-235-2278
e-mail: presse@ufz.de

Die Wissenschaftler des UFZ-Umweltforschungszentrums Leipzig-Halle (UFZ) erforschen die komplexen Wechselwirkungen zwischen Mensch und Umwelt in genutzten und gestörten Landschaften. Sie entwickeln Konzepte und Verfahren, die helfen sollen, die natürlichen Lebensgrundlagen für nachfolgende Generationen zu sichern.
Das UFZ ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft, die mit ihren 15 Forschungszentren und einem Jahresbudget von rund 2.2 Milliarden Euro die größte Wissenschaftsorganisation Deutschlands ist. Die insgesamt 24.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Helmholtz-Gemeinschaft forschen in den Bereichen Struktur der Materie, Erde und Umwelt, Verkehr und Weltraum, Gesundheit, Energie sowie Schlüsseltechnologien.

Weitere Informationen:


Doris Böhme, Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

Weitere Artikel in diesem BereichBewerten Sie diesen ArtikelToolbox
Drei Jahre nach der Flutkatastrophe und (k)ein bisschen klüger? - Umweltforschungszentrum untersucht Risikomanagement bei Hochwässern 
 Luftverschmutzung und Waldrodung gefährden indischen Monsun