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Humboldt-Universität zu Berlin, 21.11.06

Vermeintlicher Einschlag eines Kometen im Chiemgau entbehrt wissenschaftlicher Grundlage

Die in der Öffentlichkeit verbreitete These, dass ein Kometeneinschlag vor etwa 2500 Jahren ein Kraterfeld in der Region Chiemgau in Bayern erzeugt haben soll, entbehrt einer wissenschaftlichen Grundlage. Beweise für ein solches sogenanntes "Impakt"-Ereignis in Form von Resten des Einschlagkörpers oder Veränderungen der Gesteine als Folge extrem hoher Drücke und Temperaturen konnten bislang nicht erbracht werden. Auch Größe und Verteilung der beobachteten Krater widersprechen einer Erklärung durch ein Einschlagereignis. Vielmehr deuten Beobachtungen und Messdaten auf eine eiszeitlichen Herkunft der Geländevertiefungen hin. Diese Auffassung wird von der internationalen Expertengemeinschaft vertreten.

Seit zwei Jahren wird in Presse, Rundfunk und Fernsehen sowie in speziellen populärwissen­schaftlichen Medien (z.B. Astronomy-online, 16.1004; www.Chiemgau.Impakt.com http://www.Chiemgau.Impakt.com; CCNet: "The Big Bang of Bavaria) über "Krater" im Chiemgau berichtet, die angeblich durch einen Kometen- oder Meteoriteneinschlag entstanden sind. Diese Ansicht wird von einer Gruppe vertreten, die sich CIRT (Chiemgau Impact Research Team) nennt. Höhepunkt der bisherigen Berichterstattung bildete eine Fernsehdokumentation des ZDF vom 8. Januar 2006. Demnach zerbrach ein Komet oder Meteorit beim Eintritt in die Atmosphäre in einzelne Fragmente, die beim Aufprall Krater von einigen bis zu hunderten von Metern Durchmesser in einem Umkreis von 30-60 km erzeugt haben sollen. Darüber hinaus wurde die Theorie aufgestellt, dass möglicherweise ein Zusammenhang bestünde zwischen dem Einschlagereignis und der Entwicklung von gehärtetem Stahl zur Waffenherstellung durch die damals dort ansässigen Kelten. Der neue Stahl soll den Römern einen militärischen Vorteil gebracht haben, auf der sich die anschließende Ausdehnung ihres Reiches begründen soll. Für Uwe Reimold, Professor für Mineralogie am Museum für Naturkunde in Berlin, der für eine Gruppe von über 20 international angesehenen Meteoriten-Krater-Experten spricht, fehlt diesen Theorien die entscheidende Voraussetzung:


"Die Grundlage dieser Argumentationskette, der Einschlag eines extraterrestrischen Körpers auf der Erde, konnte bislang in keiner Weise durch wissenschaftliche Beweise belegt werden." Auch von archäologischer Seite gibt es keine Beweise, die ein Einschlags-Katastrophenszenario belegen.

Diese Auffassung beruht auf international anerkannten und in 50 Jahren Forschung entwickelten wissenschaftlichen Kriterien, nach denen Kraterstrukturen, die durch Meteoriten- oder Kometeneinschlag auf der Erde erzeugt wurden, eindeutig als solche identifiziert werden können. Typische Kriterien sind bei kleinen Kratern (Durchmesser kleiner als ca. 500 m) Reste des meteoritischen Einschlagskörpers (meist nickelreiches Eisen), aufgeschmolzenes Gestein oder durch den hohen Druck veränderte Mineralien im Gestein. Uwe Reimold: "Keiner dieser Beweise konnte bislang für die vermeintlichen "Krater" im Chiemgau erbracht werden." Im Fall von Kraterfeldern kann die Streuung der einzelnen Krater nur maximal wenige Kilometer betragen. Ein Streufeld von 30-60 km Durchmesser, wie im Chiemgau postuliert, ist höchst unrealistisch. Kometen, die überwiegend aus Eis bestehen und damit eine weit geringere Festigkeit aufweisen als Eisen- oder Steinmeteorite, können die beobachteten kleinen "Krater" schon deshalb nicht erzeugt haben, weil sie aufgrund der geringen Festigkeit und der geringen Größe vollständig zerplatzen oder verdampfen und daher die Erdoberfläche als feste Körper nicht erreichen.

Trotz Mangels an Beweisen und fehlender Dokumentation in wissenschaftlichen Fach­zeitschriften ist die "Chiemgau Impakt-Theorie" in den Medien sehr einseitig publik gemacht worden. In einer Erklärung von international führenden Wissenschaftlern auf dem Gebiet der Impaktforschung (siehe Anhang) wird die Herkunft der Krater durch den Einschlag eines Kometen eindeutig zurückgewiesen.

Weitere Informationen:


Dr. Gesine Steiner, Humboldt-Universität zu Berlin
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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