Hilfe: Sie befinden sich auf...

Alfred-Wegener-Institut für Polar- und..., 03.02.00

Archiv

... einer Artikelseite. Sie zeigt den vollständigen Text einer Nachricht.

Am Fuß der Seite finden Sie drei Boxen mit weiteren Aktionsmöglichkeiten:
Über die linke Box können Sie zum vorhergehenden, bzw. nachfolgenden Artikel in diesem Bereich navigieren.
In der mittleren Box können Sie diesen Artikel bewerten.
In der rechten Box kommen Sie zu einer Druckversion dieses Artikels, Sie können den Link dieses Artikels an einen E-Mail-Empfänger verschicken und Sie können diesen Artikel auf einen Merkzettel legen, um ihn leichter wiederzufinden.

Hilfe: Generell zu dieser Seite

Bei NETZGUT finden Sie Nachrichten aus dem Netz.
Zu der Nachricht Ihres Interesses können Sie auf drei Wegen gelangen:

Im Archiv sind die Nachrichten nach Bereichen getrennt.
Unter Themen finden Sie Nachrichten bereichsübergreifend zu einem bestimmten Thema.
Über die Schlagworte gelangen Sie zu den Artikeln, denen eben jene Schlagworte zugeordnet wurden. Auch diese Einordnung ist bereichsübergreifend.

Übrigens: Der Hilfe-Button gibt Ihnen zu jeder Seite die passenden Informationen.

Alfred-Wegener-Institut für Polar- und..., 03.02.00

Vermehrtes Algenwachstum 'pumpt' verstärkt Kohlendioxid ins Meer

Biologische Prozesse haben die Speicherkapazität der Meere für das Treibhausgas Kohlendioxid in den letzten Jahrzehnten erhöht. Dies weisen Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung (AWI) in Bremerhaven anhand von Daten aus der Tiefe des Atlantik und des Pazifik in einer Studie nach, die jetzt in der Fachzeitschrift Science veröffentlicht worden ist.

Bitte beachten Sie die Sperrfrist: Wegen der Richtlinien von "Science" darf die Veröffentlichung nicht vor Donnerstag (03.02.2000), 20 Uhr erfolgen!

Vermehrtes Algenwachstum 'pumpt' verstärkt Kohlendioxid ins Meer
Zusätzliche Senke für Kohlendioxid im tiefen Ozean

Biologische Prozesse haben die Speicherkapazität der Meere für das Treibhausgas Kohlendioxid in den letzten Jahrzehnten erhöht. Dies weisen Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung (AWI) in Bremerhaven anhand von Daten aus der Tiefe des Atlantik und des Pazifik in einer Studie nach, die jetzt in der Fachzeitschrift Science veröffentlicht worden ist ("Temporal Trends in Deep Ocean Redfield Ratios" von Markus Pahlow und Ulf Riebesell, Science vom 4. Februar 2000). Allein im Nordpazifik wurden in den letzten 50 Jahren ca. 200 Millionen Tonnen Kohlenstoff pro Jahr zusätzlich gespeichert. Dies entspricht etwa den jährlichen Kohlendioxid-Emissionen Deutschlands.


Die Meere sind auf unserem Planeten der größte aktive Speicher für Kohlendioxid. In ihnen ist etwa 50 mal mehr Kohlendioxid gelöst, als derzeit in der Atmosphäre vorliegt.

Die Erkenntnisse von Markus Pahlow und Ulf Riebesell basieren auf einer umfangreichen Analyse von Nährstoffdaten aus dem Tiefenwasser der Weltmeere, die in den letzten 50 Jahre gemessen wurden. Diese stellen eine Art Chronik der Vergangenheit unserer Meere dar. Anhand der Daten konnten die beiden Autoren nachweisen, dass sich das Verhältnis von gelöstem Nitrat, Phosphat und Sauerstoff im Tiefenwasser der Nordhalbkugel deutlich verändert hat. Bisher wurde dieses sogenannte Redfield-Verhältnis als Konstante betrachtet. Die neuen Daten lassen darüber hinaus auch auf Veränderungen der Speicherkapazität für Kohlenstoff im Meer schließen, für die sonst keine verlässlichen Informationen aus der Vergangenheit vorliegen.

Was hat zu den Veränderungen im ozeanischen Kohlendioxid -Speicher geführt? Die Kapazität des Ozeans, Kohlendioxid zu speichern, hängt wesentlich von der Effizienz der sogenannten "biologischen Kohlenstoffpumpe" ab. Dieser Begriff fasst eine Reihe von Prozessen zusammen, durch die Kohlendioxid an der Meeresoberfläche durch mikroskopisch kleine Algen photosynthetisch gebunden wird und durch Absinken der Algenbiomasse in die Tiefe gelangt. Durch bakterielle Zersetzung der Algen wird der Kohlenstoff auf dem Weg in die Tiefe freigesetzt und in tieferen Schichten des Meeres angereichert.

Bisher wurde davon ausgegangen, dass die Effizienz dieser "Kohlenstoffpumpe" mehr oder weniger konstant ist. Den neuen Erkenntnissen zufolge hat diese jedoch in den letzten 50 Jahren zugenommen. "Offenbar reagieren die Algen, der Motor der 'biologischen Kohlenstoffpumpe' auf Änderungen ihrer Umwelt", erläutert der Meeresforscher Riebesell. "Dass dies in einer Größenordnung geschieht, die den Kohlendioxid-Haushalt des Ozeans merklich beeinflußt, ist das eigentlich Überraschende an den Ergebnissen."

Worauf die Algen reagiert haben, ist allerdings noch unklar. "Wir vermuten, dass der zunehmende atmosphärische Stickstoffeintrag als Folge hoher Stickoxid-Emissionen das Wachstum der planktischen Algen begünstigt", sagt Ulf Riebesell. "Auch die erhöhte biologische Verfügbarkeit von Eisen im Meerwasser, bedingt durch sauren Regen, könnte hierbei eine Rolle spielen. Insbesondere im Pazifik gibt es weite Gebiete, in denen Eisenmangel das Algenwachstum beschränkt."

Ob und in welchem Umfang die zusätzliche Kohlendioxid-Senke auch in Zukunft bestehen wird, lässt sich gegenwärtig nicht sagen. Dies ist jedoch eine Kernfrage für Einschätzungen über den weiteren Verlauf und mögliche Auswirkungen des Treibhauseffekts und eines hohen Gehalts an Kohlendioxid in der Atmosphäre. Die Untersuchungen am Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven konzentrieren sich deshalb darauf, die Ursachen und Mechanismen aufzuklären, die zu der beobachteten Beschleunigung der 'biologischen Kohlenstoffpumpe' geführt haben. Nur durch ein besseres Verständnis dieser Mechanismen lassen sich seriöse Prognosen über die weitere Entwicklung dieser zusätzlichen Kohlendioxid-Senke anstellen.


Dipl.-Ing. Margarete Pauls, Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

Weitere Artikel in diesem BereichBewerten Sie diesen ArtikelToolbox
Europa braucht endlich einheitliche Vorschriften gegen den Lärm von Schienenfahrzeugen 
 Erneuerbare Energien: Anteil kann bis 2010 verdoppelt und bis 2050 auf 50 Prozent ausgebaut werden