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Humboldt-Universität zu Berlin, 13.06.08

Speisefische in Antarktis entstanden

Der Fund eines fossilen Grenadiers - ein dorschartiger Fisch - aus etwa 45 Millionen Jahre alten Ablagerungen belegt entgegen allgemeiner Annahme ihre Entstehung in der Antarktis und zeigt ihre frühe Anpassung an die Tiefsee

Mehr als ein Viertel aller weltweit gefangener Fische gehören zu den Dorschartigen, die sehr bedeutende Speisefische sind. Bis etwa 1970 war der Dorsch (Kabeljau) weltweit verbreitet und sehr häufig. Durch Überfischung ist er inzwischen jedoch stark gefährdet und in seinem Fortbestand bedroht. Die nah verwandten Grenadiere, die ebenfalls zu den Dorschartigen gehören, sind typische Tiefwasserfische mit entsprechenden Anpassungen. Der Fund eines unvollständigen Grenadiers aus etwa 45 Millionen Jahre alten Ablagerungen der antarktischen Halbinsel erlaubt es, die frühe Evolution und die Anpassung dieser Fische an Tiefseebedingungen zu rekonstruieren. So zeigt die detaillierte Analyse aller fossiler Vorkommen, dass das Entstehungszentrum der Dorschartigen (und speziell der Gruppe, zu welcher der Dorsch selbst gehört) vor über 60 Millionen Jahre im östlichen Nordatlantik beziehungsweise im Bereich der heutigen Nordsee im flachen Wasser war. Bereits früh in ihrer evolutiven Geschichte passten sich die Dorschartige an Tiefwasserverhältnisse an und verbreiteten sich weltweit. Bisher wurde allgemein davon ausgegangen, dass alle Dorschartigen im Nordatlantik entstanden. Der neue Fund belegt aber, dass die Grenadiere dagegen einige Millionen Jahre später in flachen Meeresbereichen auf der Südhalbkugel entstanden, zu einer Zeit, als Südamerika, Australien und die Antarktis noch den Superkontinent Gondwana bildeten. Noch bevor Südamerika und die Antarktis vor etwa 40 Millionen Jahren durch die sich öffnende Drake-Passage voneinander getrennt wurden und der Südozean um die Antarktis von den umliegenden Ozeanen abgetrennt wurde, wanderten Grenadiere entlang der Nordküste der Antarktis in den südlichen Atlantik ein. Ähnlich den Dorschen passten auch sie sich sehr früh in ihrer Evolution an die Tiefsee an. Diese beiden zeitlich kurz aufeinander folgenden Anpassungen und ihre sehr rasche weltweite Ausbreitung, ausgehend von zwei weit auseinander liegenden Punkten auf der Nord- bzw. Südhalbkugel waren für den enormen Erfolg und die große artenreiche Diversität der Dorsche und Grenadiere verantwortlich. Seit etwa 25 Millionen Jahren sind diese Fische perfekt an ihre Lebensräume angepasst. Der derzeitige Druck des Menschen auf die Dorschartigen führt unweigerlich zum Aussterben eines für marine Ökosysteme wichtigen Fisches mit einer sehr langen und erfolgreichen evolutiven Geschichte.

In: KRIWET, J. & HECHT, T. 2008. A review of early gadiform evolution and diversification: first record of a rattail fish skull (Gadiformes, Macrouridae) from the Eocene of Antarctica, with otoliths preserved in situ. - Naturwissenschaften, DOI 10.1007/s00114-008-0409-5).

Fotos finden Sie im Downloadordner:
http://download.naturkundemuseum-berlin.de/presse/Speisefisch

Kontakt:
Dr. Jürgen Kriwet
Museum für Naturkunde der Humboldt Universität zu Berlin, Invalidenstr. 43, D-10115 Berlin
Tel. +49(0)30 2093 8820 e-mail juergen.kriwet@museum.hu-berlin.de

Weitere Informationen:


Dr. Gesine Steiner, Humboldt-Universität zu Berlin
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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Die Antarktis (aus griechisch ἀνταρκτικός, „der Arktis gegenüber“), nicht zu verwechseln mit dem Südlichen Ozean Antarktik, umfasst die um den Südpol gelegenen Land- und Meeresgebiete. Als geographisch-astronomische Zone wird sie durch den südlichen Polarkreis begrenzt und reicht somit bis 66° 33′ südlicher Breite. Als geografische Grenze gilt die antarktische Konvergenz bei etwa 50° südlicher Breite, wo das kalte antarktische unter das wärmere subtropische Oberflächenwasser absinkt. Die Zone zwischen 50° Süd und dem Polarkreis wird auch als subantarktisch bezeichnet. Wikipedia


 

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