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Alfred-Wegener-Institut für Polar- und..., 31.10.03

Hummer-Forscher beenden erfolgreiche Freilandsaison

Mit sinkenden Wassertemperaturen der Nordsee werden die Hummer um Helgoland am Ende des Sommers träge. Die Fangkörbe bleiben leer. Die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen der Biologischen Anstalt Helgoland (BAH) des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung (AWI) beenden nun ihre diesjährige Freilandsaison zur Erforschung und Rettung des Helgoländer Hummers und fassen die derzeitigen Forschungsergebnisse zusammen.

Helgoländer Hummer

Hummer vor Helgoland in Gefahr
Den Helgoländer Hummerfischern gehen jährlich nur noch zwischen 200 und 300 Exemplare in die Fangkörbe. Der Bestand dieser Krebstiere ist stark bedroht. Mitte der zwanziger Jahre wurden rund 20.000 der bei Feinschmeckern beliebten Hummer um Helgoland gefangen. Mitarbeiter der BAH arbeiten seit dem Jahr 2000 in einem durch das Land Schleswig- Holstein geförderten Programm an der Wiederaufstockung der Population des Europäischen Hummers vor der Insel Helgoland. In den Laborgebäuden der BAH züchten Helgoländer Biologen Hummer und entlassen den Nachwuchs später in seinen natürlichen Lebensraum. Außerdem werden unter kontrollierten Bedingungen die Lebensweise sowie die Ursachen des Rückgangs der Hummer um Helgoland erforscht.


Kooperation mit Fischern weckt Hoffnung
Seit 2001 wurden jedes Jahr 1000 aus dem Ei gezüchtete Hummer von den Wissenschaftler der BAH vor Helgoland frei gelassen. Eine derzeitige Wiederfangquote von zehn Prozent der ausgesetzten und zuvor markierten Tiere macht den Wissenschaftlern Hoffnung auf eine mögliche Rettung des Helgoländer Hummers und ermöglicht den ersten umfangreichen Datensatz, der Vergleiche mit anderen europäischen Populationen dieser Tierart erlaubt. Im Rahmen des Zuchtprogramms kooperiert die BAH eng mit den Helgoländer Hummerfischern. Gehen ihnen Eier tragende Weibchen, die 1998 unter Schutz gestellt wurden, in den Fang, so werden diese zur wissenschaftlichen Untersuchung bei der BAH abgegeben und in die Nachzucht des Hummers aufgenommen. Wie molekulargenetische Untersuchungen der BAH gezeigt haben, bleibt der Helgoländer Hummer nach seiner Geburt der Insel treu und geht nicht auf große Wanderschaft.

Klimaveränderungen für Hummer problematisch
In Laborversuchen fanden Biologen des AWI dieses Jahr heraus, dass die Wassertemperatur in überraschender Genauigkeit den Zeitpunkt der Paarung und die Abgabe der Hummerlarven bestimmt. Temperaturverschiebungen, wie sie in der Nordsee bereits beobachtet wurden, üben einen Einfluss auf die Hummerentwicklung aus. So könnten Larven schlüpfen ohne optimale Nahrungsbedingungen vorzufinden, was teilweise den drastischen Rückgang der Population erklären könnte.

Junge Hummer - echte Stubenhocker
Aufgrund seiner zurückgezogenen und nachtaktiven Lebensweise ist der Europäische Hummer auf Rückzugsmöglichkeiten angewiesen, die er in der deutschen Nordsee nur um den Felssockel Helgoland ausreichend findet. In Verhaltensexperimenten fanden die Mitarbeiter der BAH heraus, dass sich Tiere unterhalb von acht Zentimetern Körperlänge im unmittelbaren Bereich ihrer Höhle aufhalten. Nur größere Tiere sind scheinbar in der Lage, sich bereits gegen Fressfeinde durchzusetzen. Ein Ergebnis, welches bei der Aussetzung von gezüchteten Hummern in der nächsten Freilandsaison auf Helgoland berücksichtigt wird. Auch wenn die derzeitigen Ergebnisse wichtige Einblicke in die Biologie, Gefährdung und Wiederaufstockung des Helgoländer Hummer liefern, ist die Forschung noch lange nicht abgeschlossen. "Hummer wachsen langsam und werden über 50 Jahre alt, so dass Populationsuntersuchungen langfristig angelegt sein müssen", erklärt Prof. Dr. Friedrich Buchholz, Leiter der Biologischen Anstalt Helgoland des AWI.

Zusätzliche Infos zur Biologischen Anstalt Helgoland erhalten Sie unter: http://www.awi-bremerhaven.de/BAH/index-d.html.

Hinweise an Redaktionen: Druckfähige Fotos haben wir Ihnen unter http://www.awi-bremerhaven.de/BAH/aquarium.fotos-d.html bereitgestellt.

Weitere Fragen beantwortet Ihnen Dr. Torsten Fischer, Tel. 0471/4831-1743, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des AWI.

Weitere Informationen:


Dipl.-Phys. Claudia Ratering, Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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