Hilfe: Sie befinden sich auf...

Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ, 08.12.05

Archiv

... einer Artikelseite. Sie zeigt den vollständigen Text einer Nachricht.
Sie können auf die im Artikel enthaltenen Bilder klicken, um eine größere Version des Bildes angezeigt zu bekommen.

Am Fuß der Seite finden Sie drei Boxen mit weiteren Aktionsmöglichkeiten:
Über die linke Box können Sie zum vorhergehenden, bzw. nachfolgenden Artikel in diesem Bereich navigieren.
In der mittleren Box können Sie diesen Artikel bewerten.
In der rechten Box kommen Sie zu einer Druckversion dieses Artikels, Sie können den Link dieses Artikels an einen E-Mail-Empfänger verschicken und Sie können diesen Artikel auf einen Merkzettel legen, um ihn leichter wiederzufinden.

Hilfe: Generell zu dieser Seite

Bei NETZGUT finden Sie Nachrichten aus dem Netz.
Zu der Nachricht Ihres Interesses können Sie auf drei Wegen gelangen:

Im Archiv sind die Nachrichten nach Bereichen getrennt.
Unter Themen finden Sie Nachrichten bereichsübergreifend zu einem bestimmten Thema.
Über die Schlagworte gelangen Sie zu den Artikeln, denen eben jene Schlagworte zugeordnet wurden. Auch diese Einordnung ist bereichsübergreifend.

Übrigens: Der Hilfe-Button gibt Ihnen zu jeder Seite die passenden Informationen.

Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ, 08.12.05

Heu oder Schmetterlinge ?

Feuchtwiese in der Umgebung von Leipzig / Tummelplatz für den Maculinea-Schmetterling
Foto: André Künzelmann/UFZ

Exemplare des britischen Maculinea arion/ Oxford University Museum of Natural History
Foto: André Künzelmann/UFZ

Es scheint ein Dilemma ohne Ausweg: Mähen die Landwirte Ihre Wiesen wie bisher im Mai und August, dann haben die Ameisenbläulinge (Maculinea nausithous und teleius) keine Überlebenschance. Denn diese Schmetterlinge legen im Juli ihre Eier an den Großen Wiesenknopf ab. Auf genau diese Pflanze haben sich die Raupen spezialisiert, die aus den Eiern schlüpfen. Fehlt diese Pflanze, dann hat der Ameisenbläuling keine Möglichkeit, seine Eier abzulegen. Wird die Wiese dagegen gar nicht gemäht, dann wuchert sie zu und die Wiesenameisen können nicht überleben. Doch auch die braucht der Ameisenbläuling, denn die Ameisen sorgen dafür, dass die Schmetterlingsraupe überhaupt überlebt und dann im nächsten Sommer zu einem Schmetterling wird, der Eier legt und sich vermehrt. Durch einen chemischen Trick schaffen es die Raupen des Ameisenbläulings, dass die Ameisen sie in ihre Nester schleppen, mitunter wie einen Kuckuck füttern und so über den Winter bringen.

Die Lösung: Wiesen, auf denen seltene Schmetterlinge vorkommen, müssten idealerweise erst spät -also im September- und dann auch nur alle zwei Jahre gemäht werden. Doch auch andere Mahdregimes wären denkbar, die das Überleben der Bläulinge - wenngleich auf niedrigerem Niveau - ermöglichen. Aber weniger Ernte und schlechteres Heu bedeuten für den Landwirt Verluste. Deshalb haben die Wissenschaftler des UFZ mit Ihrer Software individuell ausgerechnet, wie viel Ausgleichszahlungen nötig wären, um Landwirte für die schmetterlingsfreundliche Bewirtschaftung zu gewinnen. Die Umsetzung der europäischen FF-Richtlinie zwingt die Länder dazu, in den kommenden Jahren Managementpläne zum Schutz bedrohter Arten aufzustellen.
Diese doppelte Abhängigkeit von der richtigen Pflanze und der richtigen Tierart macht den Ameisenbläuling so interessant für die Wissenschaft. Da er besonders empfindlich auf Umwelteinflüsse reagiert, können die Wissenschaftler ihn als Alarmsignal nutzen. Wo die Ameisenbläulinge verschwinden, da verändert sich die Natur und auch weitere Arten sind bedroht. Diese Schmetterlinge - wie im Prinzip auch alle Tagfalter zusammengenommen - funktionieren also als Bioindikator. Solche Biodindikatoren sind Bestandteil des Forschungsprojektes MacMan, das sich in den vergangenen vier Jahren mit dem Schutz von Lebensräumen für bedrohte Tier- und Pflanzenarten beschäftigt hat. Dieses Forschungsprojekt wurde von der EU mit 3 Millionen Euro gefördert und vom UFZ geleitet. Am Beispiel von Schmetterlingen, die in weiten Teilen Europas vorkommen und dennoch stark vom Aussterben bedroht sind, wurde untersucht, welche Faktoren zum Rückgang von Arten führen und welche Gegenmaßnahmen möglich sind. Anfang Dezember haben sich über 150 Wissenschaftler aus 20 Ländern in Leipzig getroffen, um die Ergebnisse des Forschungsprojektes zu diskutieren.
Leipzig, Dezember 2005

Weitere fachliche Information über:

PD Dr. Josef Settele
UFZ-Department Biozönoseforschung
http://www.ufz.de/index.php?en=817
Telefon: 0345-558 5320
Email: josef.settele@ufz.de

oder über:
Doris Böhme, Tilo Arnhold
UFZ-Pressestelle
Telefon: 0341-235-2278
Email: presse@ufz.de

Die Wissenschaftler des UFZ-Umweltforschungszentrums Leipzig-Halle (UFZ) erforschen die komplexen Wechselwirkungen zwischen Mensch und Umwelt in genutzten und gestörten Landschaften. Sie entwickeln Konzepte und Verfahren, die helfen sollen, die natürlichen Lebensgrundlagen für nachfolgende Generationen zu sichern.
Das UFZ ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft, die mit ihren 15 Forschungszentren und einem Jahresbudget von rund 2.2 Milliarden Euro die größte Wissenschaftsorganisation Deutschlands ist. Die insgesamt 24.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Helmholtz-Gemeinschaft forschen in den Bereichen Struktur der Materie, Erde und Umwelt, Verkehr und Weltraum, Gesundheit, Energie sowie Schlüsseltechnologien.

Weitere Informationen:


Doris Böhme, Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

Weitere Artikel in diesem BereichBewerten Sie diesen ArtikelToolbox
Mit High Tech in die Steinzeit 
 Anhaltende globale Verunreinigung der Erdatmosphäre mit Blei