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Justus-Liebig-Universität Gießen, 27.03.08

Gießener Forscher tragen zur Entschlüsselung der Genomsequenz des Rotbraunen Reismehlkäfers bei

Veröffentlichung in der aktuellen Ausgabe von "Nature" - Team um Prof. Vilcinskas untersuchte Immunität des Tieres

Das Bild zeigt einen rund drei Millimeter großen Rotbraunen Reismehlkäfer.

Unter Mitwirkung Gießener Wissenschaftler ist es einem internationalen Forscherteam gelungen, die komplette Gensequenz des Rotbraunen Reismehlkäfers Tribolium castaneum zu beschreiben. Diese Arbeiten, die in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift "Nature" veröffentlicht wurden, geben verblüffende Einsicht in die Biologie dieser Insektenart. So besitzt der als Schädling bekannte Käfer zum Beispiel eine immense Anzahl an Geschmacksrezeptoren und beeindruckende Fähigkeiten zur Entgiftung und Pestizidresistenz. Außerdem zeigen Untersuchungen seiner embryonalen Entwicklung interessante Ähnlichkeiten zu der des Menschen. Der rotbraune Reismehlkäfer, der zu den Allesfressern zählt, ist ein weltweit verbreiteter Vorratsschädling. Diese nur wenige Millimeter großen Käfer repräsentieren Vertreter einer Tiergruppe, die mit über 350.000 beschriebenen Spezies die größte Artendiversität unseres Planeten besitzt.

Die Gießener Zoologen Prof. Dr. Andreas Vilcinskas und Dr. Boran Altincicek vom Institut für Phytopathologie und Angewandte Zoologie haben zu der Veröffentlichung beigetragen, indem sie sich mit Ursprung und Evolution der angeborenen Immunität der Tiere beschäftigt haben. Da der Käfer bereits erfolgreich als Wirtsmodell zur Untersuchung der Interaktionen des Immunsystems mit Bakterien und anderen Parasiten genutzt wurde, war es nahe liegend, die betreffenden Gene des Reismehlkäfers molekularbiologisch und biochemisch zu untersuchen. Ihre Forschungen ergaben Übereinstimmungen, aber auch überraschende Unterschiede zum Immunsystem anderer Insektenarten. Besonders interessant war hierbei die Identifizierung von Thaumatinen, die in Pflanzen als wichtige antimikrobielle Abwehrmoleküle bekannt sind, aber nachweislich nicht in der Fruchtfliege Drosophila melanogaster, der Stechmücke Anopheles gambiae, und der Honigbiene Apis mellifera vorkommen. Ergebnisse der Studien führten des Weiteren zu der Erkenntnis, dass Verknüpfungen zwischen Stressantwort und Immunabwehrreaktionen im Reismehlkäfer existieren.

Die Informationen der Genomsequenz dieses Käfers könnten zu weiteren wichtigen Erkenntnissen führen oder helfen, geeignete Zielstrukturen zur selektiven Bekämpfung des Reismehlkäfers zu erschließen.

Kontakt:
Prof. Dr. Andreas Vilcinskas, Institut für Phytopathologie und Angewandte Zoologie
Heinrich-Buff-Ring 26-32, 35392 Gießen
Telefon: 0641 99-37600, Fax: 0641 99-37609
E-Mail: andreas.vilcinskas@agrar.uni-giessen.de

Dr. Boran Altincicek, Institut für Phytopathologie und Angewandte Zoologie
Heinrich-Buff-Ring 26-32, 35392 Gießen
Telefon: 0641 99-37603 oder -37607
E-Mail: Boran.Altincicek@agrar.uni-giessen.de


Lisa Arns, Justus-Liebig-Universität Gießen
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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