Hilfe: Sie befinden sich auf...

Ludwig-Maximilians-Universität München, 29.01.08

Ergänzend zum Artikel

... einer Artikelseite. Sie zeigt den vollständigen Text einer Nachricht.
Sie können auf die Schlagworte zum Artikel klicken, um (andere) Artikel zu den jeweiligen Schlagworten anzuzeigen.
Auf der rechten Seite finden Sie ebenfalls Artikelinks und weitere Informationen zu den Schlagworten dieses Artikels.

Am Fuß der Seite finden Sie drei Boxen mit weiteren Aktionsmöglichkeiten:
Über die linke Box können Sie zum vorhergehenden, bzw. nachfolgenden Artikel in diesem Bereich navigieren.
In der mittleren Box können Sie diesen Artikel bewerten.
In der rechten Box kommen Sie zu einer Druckversion dieses Artikels, Sie können den Link dieses Artikels an einen E-Mail-Empfänger verschicken und Sie können diesen Artikel auf einen Merkzettel legen, um ihn leichter wiederzufinden.

Hilfe: Generell zu dieser Seite

Bei NETZGUT finden Sie Nachrichten aus dem Netz.
Zu der Nachricht Ihres Interesses können Sie auf drei Wegen gelangen:

Im Archiv sind die Nachrichten nach Bereichen getrennt.
Unter Themen finden Sie Nachrichten bereichsübergreifend zu einem bestimmten Thema.
Über die Schlagworte gelangen Sie zu den Artikeln, denen eben jene Schlagworte zugeordnet wurden. Auch diese Einordnung ist bereichsübergreifend.

Übrigens: Der Hilfe-Button gibt Ihnen zu jeder Seite die passenden Informationen.

Ludwig-Maximilians-Universität München, 29.01.08

Die Evolution als Flickschuster - Geraubte Gene und ein Photosynthese-Protein entdeckt

Bestimmte Zellbestandteile, etwa die Chloroplasten und Mitochondrien, verfügen über eigenes genetisches Material. Sie stammen von ehemals freilebenden Cyanobakterien oder Proteobakterien ab, die vor Jahrmillionen von Wirtszellen aufgenommen wurden. Mittle

Die Zellen höherer Organismen enthalten als wichtige Bestandteile die Energie erzeugenden Mitochondrien; Algen und Pflanzen besitzen zusätzlich Plastiden, etwa die Chloroplasten. All diese Zellorganellen stammen von Einzellern ab, die von anderen Zellen aufgenommen wurden und Schritt für Schritt ihr genetisches Material, das Erbmolekül DNA, zu großen Teilen an den Wirt übergaben. Dieser Transfer geschah vor allem in der frühen Phase der gemeinsamen Evolution. Dabei wurden auch vollständige Gene übertragen, also für Proteine kodierende DNA-Abschnitte, und in das genetische Material des Wirts integriert. "Derartige Transfers kompletter Gene kommen jetzt aber kaum noch vor", berichtet Leister. "Trotzdem wird immer noch genetisches Material von den Plastiden und Mitochondrien übertragen - und zwar in überraschend großem Umfang. Weil diese DNA-Abschnitte ganz zufällig irgendwo im Erbmaterial des Wirts eingebaut werden, können dadurch auch potentiell schädliche Veränderungen auftreten. Wir haben nun untersucht, ob auf diesem Weg auch ein positiver Effekt durch die Entstehung neuer Genabschnitte auftreten kann." Bislang war bekannt, dass neue Gene unter anderem durch eine Umverteilung genetischen Materials innerhalb des Zellkerns entstehen, etwa durch die Fusion oder Teilung bereits bestehender Gene, aber auch durch so genannte "mobile DNA-Elemente".


In ihrer Studie identifizierten die Forscher zunächst ehemalige Organellen-DNA, die nun in oder neben den Genen ihrer Wirte - untersucht wurden Mensch, Ackerschmalwand, Reis und Hefe - integriert sind. Dabei fanden sich überraschend viele dieser kleinen DNA-Abschnitte, wobei vermutlich noch sehr viel mehr dieser Sequenzen wegen ihrer geringen Größe nicht mehr als solche identifiziert werden können. Dabei ist zu beachten, dass sich die Gene höherer Organismen aus kodierenden Teilen, den Exons, und nicht-kodierenden Teilen, den Introns, zusammensetzen. Für die Synthese eines Proteins wird zunächst eine Abschrift seines Gens hergestellt, aus der dann die Introns entfernt werden. Letztlich kodieren nur die übriggebliebenen und dann wie Bausteine zusammengesetzten Exons für das Protein. Der genetische Beitrag der Organellen-DNA betrifft vor allem einzelne Exons - damit aber auch den Aufbau des gesamten Gens sowie des dazugehörigen Proteins. "Es ist ein bislang unbekannter Weg, wie neue Gene entstehen", sagt Leister. "Es scheint, dass die Evolution wie ein Flickschuster arbeitet: Sie klaubt sich die genetische Information wohl von überall her zusammen."

In einer weiteren Untersuchung widmete sich Leister der Photosynthese. Von diesem außerordentlich wichtigen Prozess hängen alle Lebenwesen - und nicht zuletzt auch wir Menschen - ab. Die Photosysteme I und II, zwei ausgedehnte Molekülkomplexe in den Chloroplasten, absorbieren dabei Energie aus dem Sonnenlicht, die letztlich für den Aufbau energiereicher Kohlenhydrate genutzt wird. Dabei werden Elektronen in mehreren Schritten über verschiedene Energieniveaus auf eine Kette von Elektronenempfängern übertragen, wobei ATP entsteht, die universelle Energiewährung der Zelle. Beim so genannten linearen Elektronenfluss nehmen beide Photosysteme teil und die Elektronen landen schließlich bei einem kleinen Trägermolekül, dem NADP. Beim zyklischen Elektronenfluss dagegen ist nur das Photosystem I beteiligt, wobei dann auch nur ATP erzeugt wird. Je nach Bedarf können die Pflanzen zwischen den beiden Transportwegen umschalten, um das Verhältnis von ATP und NADPH flexibel einzustellen.

Damit aber müssen Elektronen zwischen den Photosystemen verteilt werden, um diesen Ausgleich zu schaffen. "Man weiß noch nicht genau, wie der zyklische Elektronenfluss genau funktioniert und reguliert wird", sagt Leister. "Anders als lange vermutet, spielt er in höheren Pflanzen aber keine untergeordnete Rolle. Er leistet unter bestimmten Bedingungen sogar einen erheblichen Beitrag, etwa bei Stress durch Dürre oder starke Sonneneinstrahlung. Aber auch zu Beginn jeder photosynthetischen Aktivität betreiben die Pflanzen zyklischen Elektronenfluss." Bislang ist nur ein einziges für diesen Reaktionsweg spezifisches Protein bekannt: PGR5. Dieses Protein transportiert sehr wahrscheinlich aber nicht selbst Elektronen. "Wir konnten jetzt aber einen neuen Mitspieler identifizieren, der deutliche Hinweise liefert, wie der zyklische Elektronentransport funktioniert", berichtet Leister. "Das Protein PGRL1 interagiert funktionell und auf Proteinebene mit PGR5 sowie mit dem Photosystem I und weiteren zentralen Komponenten des zyklischen Elektronentransports."

Das Protein wurde in der Ackerschmalwand (Arabidopsis thaliana) gefunden. Ohne PGRL1 ist der zyklische Elektronenfluss in den Pflanzen gestört, ähnlich wie bei einem PGR5-Defizit. "Wir vermuten, dass der PGRL1-PGR5-Komplex den zyklischen Elektronenfluss in höheren Pflanzen begünstigt, wenn nicht sogar direkt vermittelt", meint Leister. "PGRL1 und PGR5 müssen kooperieren und zusammen mit anderen Komponenten bilden sie wohl jene langgesuchte spezifische Komponente des zyklischen Elektronentransports, die im wahrsten Sinne des Wortes den Kreis schließt." Weitere Untersuchungen zur Regulation des zyklischen Elektronentransports sollen nun die genaue Funktion des Komplexes entschlüsseln. "Wir werden dabei auch Pflanzen einbeziehen, bei denen dieser Reaktionsweg eine besonders wichtige Rolle spielt", so Leister. "Bei Mais etwa gibt es Gewebe, in denen fast ausschließlich zyklischer Elektronenfluss stattfindet. Daneben könnte man bei bestimmten einzelligen Grünalgen auch über die Manipulation des zyklischen Elektronentransports nachdenken, um die Produktion von Wasserstoff als erneuerbare Energieform zu verbessern."

Publikation:
"A Complex Containing PGRL1 and PGR5 is involved in the switch between linear and cyclic electron flow in Arabidopsis",
Giovanni DalCorso, Paolo Pesaresi, Simona Masiero, Elena Aseeva, Danja Schünemann, Giovanni Finazzi, Pierre Joliot, Roberto Barbato, and Dario Leister
Cell, 25. Januar 2008

"Nuclear insertions of organellar DNA can create novel patches of functional exon sequences",
Christos Noutsos, Tatjana Kleine, Ute Armbruster, Giovanni DalCorso and Dario Leister
Trends in Genetics, Vol. 23 No.12, Dezember 2007

Ansprechpartner:
Professor Dr. Dario Leister
Department Biologie I der LMU
Tel.: 089 / 17861 - 200
Mobil: 01520 / 1554370
Fax: 089 / 17861 - 362
E-Mail: leister@lmu.de
Web: www.botanik.bio.lmu.de/personen/professuren/leister

Weitere Informationen:


    Luise Dirscherl, Ludwig-Maximilians-Universität München
    Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

    Weitere Artikel in diesem BereichBewerten Sie diesen ArtikelToolbox
    Es wird immer wärmer - und zwar immer schneller 
     Deutscher Forstwirtschaftsrat (DFWR) und Bundesamt für Naturschutz (BfN) geben gemeinsame Erklärung ab:

    Weitere Artikel zu "Evolution"

    Wikipedia Logo
    Evolution ist die Veränderung der vererbbaren Merkmale einer Population von Lebewesen von Generation zu Generation. Diese Merkmale sind in Form von Genen kodiert, die bei der Fortpflanzung kopiert und an den Nachwuchs weitergegeben werden. Durch Mutationen entstehen unterschiedliche Varianten (Allele) dieser Gene, die veränderte oder neue Merkmale verursachen können. Diese führen zu erblich bedingten Unterschieden (Genetische Variation) zwischen Individuen. Evolution findet statt, wenn sich die Häufigkeit dieser Allele in einer Population (die Allelfrequenz) ändert, diese Merkmale in einer Population also seltener oder häufiger werden. Dies geschieht entweder durch Natürliche Selektion (unterschiedliche Überlebens- und Reproduktionsrate aufgrund dieser Merkmale), oder zufällig durch Gendrift. Wikipedia


     

    Archiv

    Themen

    Schlagworte

    Anzeigen