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Westfaelische Wilhelms-Universität Münster, 30.08.02

Erde viele Millionen Jahre älter

Die Erde ist 30 bis 70 Millionen Jahre älter als bisher angenommen. Wie die Geowissenschaftler Thorsten Kleine, Carsten Münker und Klaus Mezger vom Institut für Mineralogie der Universität Münster und Herbert Palme vom Institut für Mineralogie und Geochemie der Universität zu Köln in der neuesten Ausgabe des internationalen Wissenschaftsmagazin "Nature" berichten, ist die Erde bereits vor 4,53 Milliarden Jahre und damit sehr viel früher und schneller entstanden als bisher angenommen.


Schon lange war bekannt, dass die Erde ungefähr 4,5 Milliarden Jahre alt ist. Die Erde hatte sich demnach ungefähr 100 Millionen Jahren nach der Entstehung unseres Sonnensystems gebildet. Erst mit der Entwicklung von neuartigen analytischen Methoden ist es jetzt möglich geworden, das Alter der Erde genauer zu bestimmen.

Die münsterschen Wissenschaftler haben das Alter der Erde bestimmt, indem sie den Zeitpunkt berechnet haben, zu dem sich in der Erde ein metallischer Kern vom silikatischen Mantel getrennt hat. Dieser Prozess der Kernbildung ist das letzte große Ereignis in der Entstehungsgeschichte von Planeten, so dass der Zeitpunkt der Kernbildung gleichzeitig auch das Alter eines Planeten angibt. Die Untersuchungen der Forscher in Münster konzentrierten sich dabei auf das radioaktive Zerfallsprodukt des kurzlebigen Isotops Hafnium-182. Dieses Isotop existierte nur in den ersten zirka 60 Millionen Jahren des Sonnensystems und ist zu dem Isotop Wolfram-182 zerfallen. Hafnium und Wolfram verhalten sich während der Kernbildung in Planeten sehr unterschiedlich. Durch die Kernbildung wird nahezu das gesamte Wolfram aus dem Mantel in den Kern abgeführt, während das gesamte Hafnium im Mantel verbleibt. Nur wenn die Kernbildung so früh stattgefunden hat, dass noch Hafnium-182 vorhanden war, wird wieder neues Wolfram-182 im Mantel produziert.

Durch den erstmaligen Nachweis von überschüssigem Wolfram-182 in Gesteinsproben aus dem Erdmantel konnten die münsterschen Forscher jetzt zeigen, dass der Zerfall von Hafnium-182 zu Wolfram-182 noch aktiv war, als sich in der Erde ein metallischer Kern gebildet hatte. Dabei reichten den Geowissenschaftlern kleinste Variationen in der Häufigkeit des Isotops Wolfram-182 in Meteoriten und irdischen Gesteinen aus, um den Zeitpunkt der Kernbildung auf der Erde exakt zu bestimmen. Der Nachweis derart geringer Variationen erfordert
sehr exakte Messungen wie sie erst seit kurzem mit Hilfe von neuartigen Massenspektrometern möglich sind.

Die Mineralogen an der Universität Münster beschäftigten sich jedoch nicht nur mit der Erde, sondern bestimmten auch das Alter von Mars, Mond und Asteroiden neu. Auch hier zeigte sich, dass die bisher angenommenen Alter zu jung sind. Die Forscher schließen daraus, dass die Geschwindigkeit, mit der Planeten in unserem Sonnensystem entstanden sind, bisher generell unterschätzt wurde. Die neu bestimmten Kernbildungsalter zeigen, dass der Bildungsdauer eines Planeten von seiner Größe abhängt: Je größer ein Planet, desto länger hat er gebraucht, seine endgültige Größe zu erreichen. Dies klingt zwar selbstverständlich, konnte bis jetzt aber noch nicht eindeutig belegt werden.

Weitere Informationen:


Jutta Reising, Westfaelische Wilhelms-Universität Münster
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, http://www.idw-online.de

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